Wer kennt diesen Sketch, der auch unter dem Namen „Der 90. Geburtstag, oder Dinner for one“ seit vielen Jahren an Silvester im Fernsehen läuft, nicht? Trotz englisch gesprochener Originalfassung braucht man die Fremdsprache nicht zu verstehen, um sich köstlich zu amüsieren.
Auch heuer läuft „Dinner for one“, wie auch schon viele Jahrzehnte zuvor, wieder an Silvester auf fast allen Kanälen im Öffentlich-rechtlichen Fernsehen der ARD, insbesondere in den Dritten Programmen. (Sendedaten Siehe unten). Der Spruch „Happy new year, Miss Sophie“ hat längst Kultstatus.
Der Lacherfolg ist auf jeden Fall garantiert
Der Lacherfolg ist garantiert, auch wenn man den Sketch schon unzählige Male gesehen hat. Viele kennen den vollständigen Text auswendig. Aber das tut dem Spaß keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Für Groß und Klein eine herrliche Silvesterunterhaltung! Im Rekordjahr 2004 sahen 15,6 Millionen Deutsche den Sketch an Silvester.
„Dinner for one“ ist eine Schwarz-Weiß-Fernsehproduktion des NDR aus dem Jahr 1961 und lief erstmals in der Sendung „Lassen Sie sich unterhalten“ mit Evelyn Künneke. In der ebenfalls vom NDR produzierten Sendung „Guten Abend, Peter Frankenfeld“ lief der Sketch am 8. März 1963.
Freddie Frinton war der Urheber der bekannten, englischsprachigen Inszenierung
Es handelt sich um einen etwa 18-minütigen Sketch des englischen Komikers Freddie Frinton mit seiner Partnerin May Warden. Regie führte Heinz Dunkhase, obwohl Frinton der eigentliche Schöpfer der Inszenierung war. Frinton starb 1968 in London, Warden 1978. Laut Angaben des NDR erhielten Frinton und Warden für diesen Auftritt 4.150 DM.
2013 brachte der WDR die Version „Dinner op Kölsch“ auf die Bühne. Die Darsteller sind Ralf Schmitz als Butler Ralph und Annette Frier als Frau Annette. Das Stück spielt 2064, dem Jahr, in dem Frier wirklich 90 Jahre alt würde. Als verstorbene Gäste sind in der Reihenfolge der Vorstellung Dirk Bach, Hans Süper, Alfred Biolek und Reiner Calmund eingeladen. Butler Ralph darf in diesem Stück über einen Geißbock stolpern, der laut meckert.
RTL hat 2008 eine Parodie mit Otto Waalkes produziert
Längst gibt es auch eine hessische und auch eine schweizerische Version. In der RTL-Sendung „Happy Otto“, anlässlich von Otto Waalkes’ 60. Geburtstag, wurde am 6. Juni 2008 eine Parodie auf „Dinner for one“ in deutscher Sprache mit Ralf Schmitz als Butler und Otto als Ms. Otti ausgestrahlt. Bei den imaginären Gästen handelte es sich um Hans Moser, Heinz Rühmann, Heinz Erhardt und Rudi Carrell.
Die Originalversion mit Freddie Frinton und May Warden bleibt jedoch unerreicht.
Zu Anfang führt Heinz Piper als Conférencier in die Geschichte ein: Miss Sophie (May Warden) feiert ihren 90. Geburtstag.
Buttler James schlüpft jeweils in die Rolle der längst verstorbenen Freunde
Wie in jedem Jahr hat sie zu ihrem Geburtstagsdinner ihre vier engsten Freunde eingeladen: Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy und Mr. Winterbottom. Sie sind jedoch alle längst verstorben, weshalb Butler James (Freddie Frinton) in ihre Rollen schlüpfen muss.
James muss nun nicht nur seiner Arbeitgeberin das Menü – Mulligatawny-Suppe, Schellfisch, Hühnchen und Obst – gekonnt und betont untergeben servieren, sondern auch den vier imaginären Herren die jeweils von Miss Sophie ausgewählten Getränke (Sherry, Weißwein, Champagner und Portwein) einschenken, in ihre Rollen schlüpfen und auf die Gastgeberin jeweils einen Toast ausbringen, wobei er den jeweiligen Gast exakt nachahmt und dessen Glas austrinkt.
So wird er immer betrunkener und verliert zusehends seine würdevolle Haltung – sowohl in seiner Mimik als auch den Bewegungen. Schließlich zeigt er unzählige Varianten des Einschenkens und trinkt (nach fünfzehn Glas alkoholischer Getränke) versehentlich aus der Blumenvase, was er mit einer Grimasse und dem Ausruf „Huuuhhh, I’ll kill that cat!“ („Ich bring die Katze um“) quittiert.
Running Gags sorgen für Heiterkeit
Im Stück gibt es mehrere sogenannte „Running Gags“: James stolpert elfmal über den Kopf eines ausgelegten Tigerfells; als zusätzliche Pointe läuft er einmal zu seinem eigenen Erstaunen daran vorbei, stolpert dann aber auf dem Rückweg, einmal schreitet er grazil darüber hinweg und zu guter Letzt springt er, schon sehr angeheitert, im Schlusssprung hinüber.
Sir Toby möchte von jedem Getränk zusätzlich etwas eingeschenkt haben, wobei James die Aufforderung zunächst höflich ablehnt, ihr dann aber doch sarkastisch nachkommt.
„Muss ich?“ – „Mir zuliebe James“
Miss Sophie erwartet, dass James als Admiral von Schneider mit dem Ausruf „Skål!“ (schwedisch für „Prost!“) militärisch die Hacken zusammenschlägt. Weil er sich dabei den Fußknöchel schmerzhaft anschlägt, fragt er jedes Mal nach, ob er das wirklich müsse (James: „Muss ich es dieses Jahr sagen, Miss Sophie?“ – Miss Sophie: „Mir zuliebe, James“ – James: „Nur Ihnen zuliebe. Sehr wohl, ja, ja. Skål!“). Dieser Gag wird als Zusatzpointe durchbrochen, als die Füße des schon angetrunkenen James einander verfehlen, was ihn straucheln lässt.
„The same procedere as every year, James“
Vor jedem Gang, zunehmend vom Alkoholgenuss geprägt, fragt James: “The same procedure as last year, Miss Sophie?” (deutsch: „Der gleiche Ablauf wie im vergangenen Jahr, Miss Sophie?“); diese erwidert stets: “The same procedure as every year, James.” (deutsch: „Der gleiche Ablauf wie in jedem Jahr, James.“)
Schließlich beendet Miss Sophie den Abend mit einem Augenaufschlag und einem einladenden “I think I’ll retire” (deutsch: „Ich denke, ich werde mich zurückziehen“), was James nach dem obligatorischen „The same procedure as last year?“ – „The same procedure as every year“ mit einem süffisanten Augenzwinkern und einem nonchalanten “Well, I’ll do my very best” (deutsch: „Gut, ich werde mein Bestes geben“) quittiert, um sich dann mit ihr Arm in Arm über die Treppe in die obere Etage zurückzuziehen.
Geschichte spielt nur in einem Raum, im Mittelpunkt der Esstisch
Die gesamte Geschichte spielt in einem einzigen Raum. In der Mitte des Raums steht der Esstisch. An diesem Esstisch sitzen Miss Sophie und ihre imaginären Gäste. Der Butler James läuft während der Geschichte mehrmals um den Esstisch, um die Gäste und die Gastgeberin zu bedienen. Die Getränke und Speisen holt er von einer Anrichte an der Seite des Raumes.
Der Sketch ist nur hierzulande bekannt und beliebt
Der Autor des Sketches ist Lauri Wylie, der ihn in den 1920er Jahren geschrieben haben soll. Offiziell wurde das Stück 1948 im Londoner Theater Duke of Yorks uraufgeführt. Der uns heute bekannte Sketch ist in Großbritannien eher unbekannt.
1962 wurde „Dinner for One“ von Peter Frankenfeld und dem Regisseur Heinz Dunkhase im englischen Blackpool, einer Hochburg des Varieté-Theaters, für das Fernsehen wiederentdeckt. Am 8. März 1963 wurde der Sketch in der von Frankenfeld moderierten Livesendung „Guten Abend, Peter Frankenfeld“ gezeigt und am 8. Juli 1963 im Theater am Besenbinderhof in Hamburg vor Publikum wiederholt und aufgezeichnet.
An Silvester ist „Dinner for one“ sozusagen Pflicht im Deutschen Fernsehen
Ursprünglich war der Sketch gar nicht als Silvester-Unterhaltung geplant. Nachdem er einige Male als Pausenfüller in der ARD und dem NDR gesendet worden war, bekam die Sendung neun Jahre nach der ersten Ausstrahlung ihren festen Sendeplatz. Am 31. Dezember 1972 holte NDR-Unterhaltungschef Henri Regnier das Band aus dem Archiv hervor. Seitdem wird „Dinner for one“ zu jedem Jahreswechsel ausgestrahlt – mit bleibendem Erfolg!
Heuer gibt es „Dinner for one“ an Silvester in folgenden Programmen zu sehen: ARD 18.00 Uhr, BR 18.45 Uhr, SWR 19.25 Uhr, WDR 17.10 Uhr (auf Kölsch), 17.35 Uhr, HR 18.15 Uhr (auf Hessisch), 18.45 (auf Nordhessisch), 19.10 Uhr, NDR 16.00 Uhr, 18.05 Uhr, 19.10 Uhr und 23.40 Uhr, MDR 19.00 Uhr, RBB 18.55 Uhr und 23.15 Uhr