Digitalisierung & Co.: Fünf Trends, die die Versicherungsbranche dieses Jahr bewegen

Digitalisierung & Co.: Fünf Trends, die die Versicherungsbranche dieses Jahr bewegen
Die Zukunft liegt im Aufbau und der Optimierung digitaler Kommunikationskanäle: im Vertrieb genauso wie bei der Bearbeitung von Schadensfällen. (Bild: fizkes/ iStock / Getty Images Plus)

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Die Versicherungspolice aus Papier hat ausgedient, der digitale Wandel wird für Versicherer endgültig zu einem unumgänglichen Pflichtprogramm. Das zeigen die Prognosen eines Softwarepartners der Branche.

Mehr Druck im Wettbewerb und eine neue Erwartungshaltung der Kunden

Steigende Herausforderungen am Markt, eine junge Kundengeneration, ehrgeizige Fintech-Unternehmen mit neuartigen Geschäftsmodellen: Traditionelle Versicherungsunternehmen stehen im Jahr 2023 unter Druck. Vor diesem Hintergrund werden folgende fünf Entwicklungen für die Versicherer eine große Rolle spielen, die der kaufmännische Leiter des Software-Anbieters Fadata, Anders Holm, in einem Gastbeitrag auf der Website des Brancheninformationsdienstes Pfefferminzia skizziert hat.

IT-Systeme aufs nächste Level heben

Die IT-Architektur der Versicherungsunternehmen ist zwar bewährt, kommt aber aufgrund der großen Dynamik durch die Digitalisierung in die Jahre. Die alten Mainframe-Systeme sind nicht flexibel genug, um diesen Wandel mitzumachen und müssen durch modernere Systeme ersetzt werden.

Diese Modernisierung geht im Idealfall mit einer prozessualen Neuausrichtung daher: Dabei ersetzen automatisierte und flexible Systeme die alten, starren Prozesse. Das hat auch für Geschäftsführung und Belegschaft Folgen: Sie müssen alte Vorstellungen überwinden und neue Ideen und Strukturen zulassen, damit die Vorteile einer modernisierten Versicherungs-IT voll zum Tragen kommen.

Kundenbindung zunehmend digital gestalten

Gemäß des Fadata-Gastbeitrags nimmt die Loyalität der Kundinnen und Kunden auch in der Versicherungsbranche weiter ab. Dem müssen die Versicherer mit entsprechenden Maßnahmen entgegensteuern. Zudem verlangt die potenzielle Klientel heute digitale Angebote wie zum Beispiel einen Online-Zugang mit individualisiertem Angebot.

Die Zukunft liegt somit im Aufbau und der Optimierung digitaler Kommunikationskanäle: im Vertrieb genauso wie bei der Bearbeitung von Schadensfällen. Laut Fadata entsprechen „manuelle und papierbasierte Prozesse nicht mehr der Erwartungshaltung des heutigen Kunden“.

Ein Trend, der sich auch im Recruiting von Versicherungen und Finanzdienstleistern widerspiegelt. So will der Finanzdienstleister Swiss Life Select auf seiner Website potenzielle selbstständige Vertriebsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter nicht nur mit professionellen Coachings und freier Zeiteinteilung, sondern auch mit digitalen Beratungstools überzeugen.

Dazu gehören laut dem Beitrag auf der Seite von Swiss Life Select die Online-Videoberatung ebenso wie eine digitale Infrastruktur oder eine Vergleichssoftware zur individuellen Auswahl geeigneter Finanzprodukte.

Versicherungs- und Finanzberatungsunternehmen wie Swiss Life Select verfolgen auf diese Weise zwei Ziele: Die zeitgemäße Anpassung ihrer Services an eine junge Kundenzielgruppe sowie ein modernes Arbeitsumfeld für potenzielle Finanzberaterinnen und Finanzberater, die die Sprache ihrer Kunden sprechen und ihnen auf Augenhöhe begegnen. Ein Aspekt, der gerade in Zeiten des Wandels an Bedeutung gewinnt – auch in Bezug auf den Fachkräftemangel.

Endlich in der Cloud ankommen

Cloudbasierte Lösungen setzen sich in der Wirtschaft immer mehr durch. Laut dem Fadata-Gastbeitrag ist das auch bei Versicherungsunternehmen erkennbar, die vor allem die Public Cloud einsetzen.

Bei dieser Cloud-Variante werden Infrastruktur und On-Demand-Computing-Services von einem Drittanbieter verwaltet und via Internet von mehreren Unternehmen für ihr Geschäft genutzt. Die Vorteile für die Versicherer liegen auf der Hand: Sie müssen keine eigenen Investitionen für entsprechende Rechner- und Datenzentren tätigen, sondern nur den Drittanbieter bezahlen. Gleichzeitig profitieren sie trotzdem von mehr Flexibilität, Performance, Kosteneffizienz und Skalierbarkeit.

Besonders der letzte Punkt ist wichtig, denn das Versicherungsgeschäft ist dynamisch, mit regelmäßig wiederkehrenden Auftragsspitzen. Ein gutes Beispiel sind die Stichtage, bei denen es zu Kündigungen oder Neuabschlüssen bei Kfz-Versicherungen kommt.

Digitale Ökosysteme nutzen

Geschäftsoptimierung durch Kooperation: Bei digitalen Ökosystemen handelt es sich um Online-Plattformen, auf der Unternehmen miteinander kooperieren, um so gemeinsam Vorteile im Markt zu erzielen.

Sie bieten Versicherungsunternehmen die Möglichkeit, ihre Produkte und Dienstleistungen mit anderen Dienstleistern zu verknüpfen. Dabei dient die Cloud als Basis. Über offene Schnittstellen können die Versicherer auf diese Weise mithilfe der Partnerunternehmen ihre Services recht schnell erweitern.

Auch hier ist die Kfz-Versicherung ein gutes Beispiel: Mithilfe eines digitalen Ökosystems sind Kooperationen mit Abschleppdiensten, Mietwagenfirmen oder Werkstätten einfach umzusetzen.

Chancen der Embedded Insurance ergreifen

Hinter dem Begriff „Embedded Insurance“ verbirgt sich die Möglichkeit, ein Versicherungsangebot direkt an ein anderes Produkt oder eine Dienstleistung anzubinden. Auf diese Weise wird das Versicherungsprodukt besonders bei Online-Käufen optional gleich mit angeboten.

Ein gutes Beispiel: Beim Kauf eines Smartphones kann die Kundin oder der Kunde beim Check-out mit wenigen Klicks gleich eine Versicherung gegen Bruch oder Diebstahl hinzukaufen.

Versicherer kommen zukünftig an diesen eingebetteten Vertriebswegen nicht mehr vorbei. Größter Vorteil ist die direkte Zuordnung des Angebots an die Kunden. Voraussetzung ist allerdings eine moderne IT, mit digitalisierten Prozessketten.