Integration durch Zusammenleben Spatenstich in Tuttlingen: 22 neue Wohnungen entstehen
In Tuttlingen entstehen 22 Wohnungen nach einem integrativen Wohnkonzept, 70 Prozent davon gefördert. Bei Anwohnern sorgt das Bauvorhaben für Bedenken.

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Vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 22 Wohnungen entstehen im Baugebiet Thiergarten-West in Tuttlingen. Den Auftakt für das Projekt der Hoffnungsträger-Stiftung bildete am Dienstag der Spatenstich. Zuvor suchten Vertreter der Stiftung und der Stadt das Gespräch mit Anwohnern, die Bedenken gegen das Vorhaben geäußert hatten.
Die Hoffnungsträger-Stiftung setzt in Tuttlingen auf ein Wohnkonzept, bei dem Menschen unterschiedlicher Herkunft gemeinsam in einer Nachbarschaft leben. Das sogenannte Hoffnungshaus soll nicht nur bezahlbaren Wohnraum schaffen, sondern auch das Zusammenleben von Geflüchteten und Einheimischen fördern. Ähnliche Projekte betreibt die Stiftung bereits an 13 weiteren Standorten.
Wohnprojekt mit längerer Vorgeschichte
Die Planungen reichen bis ins Jahr 2023 zurück. Damals bewarb sich die Hoffnungsträger-Stiftung um ein rund 3.100 Quadratmeter großes Baufeld in Thiergarten-West. Das Gebiet ist weitgehend für geförderten Geschosswohnungsbau vorgesehen.
Ursprünglich sollte das Vorhaben gemeinsam mit einem externen Investor umgesetzt werden. Nachdem dieser abgesprungen war, ruhten die Vorarbeiten längere Zeit. Inzwischen hat die Stiftung die vollständige Umsetzung selbst übernommen und mit den Bauarbeiten begonnen.
Geplant sind vier Mehrfamilienhäuser in moderner Holzbauweise mit insgesamt 22 Wohnungen. Davon werden 70 Prozent öffentlich gefördert und stehen Menschen mit einem Wohnberechtigungsschein zur Verfügung.
Die Einkommensgrenzen für einen solchen Schein umfassen inzwischen auch Teile der Mittelschicht. Eine vierköpfige Familie darf beispielsweise ein jährliches Bruttoeinkommen von bis zu 78.000 Euro haben.
Gemeinsames Wohnen statt klassischer Flüchtlingsunterkunft
Hinter dem Projekt steht eine Idee, die Stiftungsvorstand Marcus Witzke bereits vor mehreren Jahren entwickelte. „Als ich sah, wie Geflüchtete oft untergebracht werden, dachte ich mir, das muss doch auch anders gehen.“
2016 entstand daraufhin in Leonberg das erste Hoffnungshaus. Das Konzept sieht vor, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft jeweils in eigenen Wohnungen leben, gleichzeitig aber eine Gemeinschaft bilden. Gemeinsame Veranstaltungen und Feste sollen den Austausch fördern. Dabei werden sowohl christliche Feiertage als auch muslimische Feste gemeinsam begangen.
Eine zentrale Rolle übernimmt ein Standortleiterehepaar, das selbst im Haus wohnt. Es unterstützt die Bewohner im Alltag, organisiert gemeinschaftliche Aktivitäten und steht bei Fragen oder Problemen zur Verfügung. Auch bei der Vermietung achtet die Stiftung auf eine ausgewogene Zusammensetzung der Hausgemeinschaft.
„Hier gelingt Integration“, sagte Witzke beim Spatenstich in Tuttlingen.
Anwohner äußern Bedenken gegen das Projekt
Nicht alle Anwohner stehen dem Bauvorhaben positiv gegenüber. Im Vorfeld wurde eine Petition gestartet. Hintergrund ist die Befürchtung, dass in Thiergarten-West eine Flüchtlingsunterkunft entstehen könnte, von der Unruhe im Wohnquartier ausgeht.
Vor dem Spatenstich trafen sich deshalb Vertreter der Stadt und der Hoffnungsträger-Stiftung mit Anliegern, um über das geplante Wohnkonzept zu sprechen.
Marcus Witzke und Thomas Röhm von der Stiftung erläuterten dabei mehrere Unterschiede zu einer herkömmlichen Flüchtlingsunterkunft. Demnach werden Wohnungen ausschließlich an Menschen mit einer gesicherten Bleibeperspektive vermietet.
Etwa die Hälfte der Wohnungen soll an Geflüchtete vergeben werden. Die übrigen Wohnungen sind für Einheimische vorgesehen, sowohl mit als auch ohne Wohnberechtigungsschein.
Das dauerhaft im Haus lebende Standortleiterehepaar soll zudem nicht nur die Bewohner begleiten, sondern auch als Ansprechpartner für die Nachbarschaft zur Verfügung stehen.
Stiftung lädt Anwohner zur Besichtigung ein
Um einen konkreten Einblick in das Wohnkonzept zu ermöglichen, luden Witzke und Röhm die Anwohner zu einer Besichtigung des bestehenden Hoffnungshauses in Konstanz ein.
Nach Angaben der Stiftung seien die Erfahrungen an den bisherigen 13 Standorten durchweg positiv. Immer wieder würden sich Städte und Gemeinden mit dem Wunsch nach vergleichbaren Projekten an die Hoffnungsträger wenden.
Auch Vertreter der Stadt und des Landkreises Tuttlingen begrüßen das Bauvorhaben. „Hier entsteht etwas Gutes“, erklärte Landkreis-Sozialdezernent Bernd Mager.
Der städtische Baudezernent Florian Steinbrenner hob neben dem sozialen Konzept auch die geplante Architektur hervor. Die Stadt benötige zusätzlichen Wohnraum, insbesondere bezahlbare Wohnungen. Bei dem Projekt sieht er zugleich eine hohe architektonische Qualität.
(Quelle: Stadt Tuttlingen)
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Was bedeutet das?Transparenz
- Erstmals veröffentlicht
- 04.11.2026, 16:57 Uhr





