Ilona Boos (CDU) bewirbt sich bei der Landtagswahl am 8. März als Nachfolgerin von Klaus Burger um ein Landtagsmandat. Burger war seit 2011 als Abgeordneter für die CDU im Landtag. Die Kandidatin aus Meßkirch verfügt nicht nur über eine große Verwaltungserfahrung, sie pflegt als Wirtschaftsförderin der Stadt Bad Saulgau auch einen engen Kontakt zu den Betrieben und Mittelständlern in der Kurstadt. Die Kreisvorsitzende der CDU will nun in die Fußstapfen von Dietmar Schlee (CDU) treten, der als Dauersieger den Wahlkreis von 1972 bis 1994 vertrat. Spannend wird, ob es Boos gelingt, Bündnis90/Die Grünen das Direktmandat abzujagen. Bei den letzten beiden Wahlen ging dies an Andrea Bogner-Unden (Bündnis90/Die Grünen).
Wochenblatt-Media konnte mit Boos ein Interview führen.
Frau Boos, könnten Sie sich unseren Nutzern bzw. Ihren möglichen Wählern kurz vorstellen?
Gerne. Ich bin Ilona Boos, 52 Jahre alt, verheiratet, Mutter von zwei Söhnen und lebe mit meiner Familie in Meßkirch. Beruflich bin ich Diplom-Verwaltungswirtin (FH) und arbeite seit über 20 Jahren bei der Stadt Bad Saulgau – aktuell als Fachbereichsleiterin und Wirtschaftsförderin.
Politisch bin ich Kreisrätin und seit November vergangenen Jahres CDU-Kreisvorsitzende. Ehrenamtliches Engagement gehört für mich ganz selbstverständlich dazu: In Meßkirch bin ich in mehreren Vereinen aktiv, unter anderem als Vorsitzende des Firlefanz-Clubs, und als Närrin bei der Katzenzunft. Wenn es die Zeit zulässt, gehe ich gerne Skifahren, reise mit meiner Familie oder greife zu einem guten Buch.
Kurz gesagt: Verwaltung, Ehrenamt, Familie und Bodenständigkeit – das prägt mich.
Ihr Vorgänger Klaus Burger war der Landwirtschaft sehr verbunden. Wo liegen Ihre Interessenschwerpunkte in der Landespolitik?
Mein beruflicher Alltag gibt da eine klare Richtung vor: Mir liegt unser Mittelstand am Herzen – Handwerk, Einzelhandel, kleine und mittlere Unternehmen. Ich erlebe täglich, mit welchen Belastungen sie kämpfen: Bürokratie, Energiekosten, Fachkräftemangel. Wer Arbeitsplätze schafft, verdient Rückenwind und nicht ständig neue Hürden.
Dazu gehören für mich ausdrücklich auch unsere Landwirte – sie sind Unternehmer und tragen enorme Verantwortung.
Als Verwaltungsfrau und Kreisrätin sehe ich mich außerdem als Teil der kommunalen Familie. Städte und Gemeinden stemmen immer mehr Aufgaben, oft ohne ausreichende Finanzierung. Das Konnexitätsprinzip darf kein Schlagwort bleiben, sondern muss gelebt werden.
Und nicht zuletzt: Als Mutter zweier schulpflichtiger Kinder ist Bildung für mich ein zentrales Thema. Baden-Württemberg war einmal Spitzenreiter. Dass wir in Vergleichsstudien abrutschen, darf uns nicht kaltlassen – da müssen wir wieder besser werden.
Baden-Württemberg ist stark vom familiengeführten Mittelstand geprägt. Wie bewerten Sie die Erbschaftsteuerpläne der SPD im Bund?
Davon halte ich aktuell nichts. Diese Debatte wird stark ideologisch geführt – mit dem Zerrbild vom reichen Erben, der Champagner trinkt. Die Realität im Mittelstand sieht ganz anders aus: Hier geht es um Betriebe, Arbeitsplätze und Verantwortung über Generationen hinweg.
Der Staat nimmt aktuell Rekordsummen ein – wir sprechen von rund einer Billion Euro pro Jahr. Wir haben also kein Einnahmen-, sondern eher ein Ausgabenproblem.
Eine höhere Erbschaftsteuer für Unternehmensnachfolgen entzieht Betrieben Liquidität, die sie dringend für Investitionen, Innovationen und Beschäftigung brauchen. Das ifo-Institut warnt zu Recht vor weiter sinkenden privaten Investitionen.
Gerade jetzt, wo Unternehmen ohnehin unter Druck stehen, wäre eine zusätzliche steuerliche Belastung das völlig falsche Signal. Andere Länder wie Schweden oder Österreich haben die Erbschaftsteuer abgeschafft.
Meine klare Haltung: Wer den Mittelstand stärken will, darf ihn bei der Übergabe an die nächste Generation nicht bestrafen.
Die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum wird schwieriger. Wie kann das Land gegensteuern?
Die Sorgen der Menschen kenne ich aus nächster Nähe – beruflich wie persönlich. Die Schließung von Klinikstandorten auch im Landkreis Sigmaringen, das Ende der Notfallpraxis in Bad Saulgau, immer weniger Haus- und Kinderärzte: Das geht an die Substanz der Versorgungssicherheit.
Gleichzeitig hat sich das Berufsbild verändert. Viele junge Ärztinnen und Ärzte wünschen sich Anstellung, Teamarbeit und planbare Arbeitszeiten. Darauf müssen wir reagieren.
Für mich heißt das: Das Krankenhaus Sigmaringen stärken und gleichzeitig die wohnortnahe Versorgung sichern. Initiativen wie kommunale Stipendienprogramme können gute Ansätze sein, um gezielt Nachwuchs für den ländlichen Raum zu gewinnen.
Als CDU setzen wir auf mehr Studienplätze in Human-, Zahnmedizin und Pharmazie, eine höhere Landarztquote, die Beteiligung des Landes an Stipendien sowie neue Weiterbildungsmodelle, die ambulante und stationäre Versorgung besser verzahnen.
Multiprofessionelle Praxen, auch mit kommunaler Beteiligung, sind ein wichtiger Schlüssel. So schaffen wir moderne Arbeitsmodelle – und halten die Versorgung dort, wo die Menschen leben.
Kommunen, Kreise und Länder ächzen unter Soziallasten des Bundes. Was muss sich ändern?
Ganz einfach: Wer bestellt, muss auch bezahlen.
Ein Beispiel ist der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung: 1,22 Milliarden Euro Kosten in Baden-Württemberg – der Bund übernimmt davon gerade einmal rund ein Drittel. Den Rest tragen Land und Kommunen. Das ist kein fairer Lastenausgleich.
Wenn der Bund neue Leistungen beschließt oder Standards erhöht, darf er die Kosten nicht dauerhaft nach unten durchreichen. Wir brauchen eine konsequente Anwendung des Konnexitätsprinzips auch zwischen Bund und Ländern.
Konkret bedeutet das: dauerhafte, gesetzlich abgesicherte und dynamische Beteiligungen des Bundes – etwa bei Kosten der Unterkunft, der Jugend- und Eingliederungshilfe oder bei integrationsbedingten Ausgaben. Einmalige Zuschüsse helfen nicht viel weiter.
Nur finanziell handlungsfähige Kommunen können investieren – in Bildung, Infrastruktur und Lebensqualität. Und genau darauf kommt es an.
Wie kann Baden-Württemberg wieder mehr Erfindergeist entwickeln und neue Chancen schaffen?
Unser Spitzenkandidat Manuel Hagel sagt zu Recht: Wir müssen das Land entfesseln. Baden-Württemberg ist das Land der Tüftler, Gründer und Weltmarktführer – oft mitten im ländlichen Raum.
Dafür müssen wir Unternehmer wieder Unternehmer sein lassen. Weniger Bürokratie, weniger Dokumentationspflichten, mehr Vertrauen. Wer ständig neue Vorgaben macht, darf sich nicht wundern, wenn Investitionen ausbleiben oder ins Ausland wandern.
Wohlstand fällt nicht vom Himmel. Alles, was wir politisch gestalten wollen, muss erwirtschaftet werden. Das geht nur mit Leistungsbereitschaft, Mut und Innovation.
Meine Überzeugung ist klar: Vertrauen statt Bevormundung – dann kommt auch der Erfindergeist zurück. Und wenn das jemand kann, dann Baden-Württemberg.
Sie sind Wirtschaftsförderin in Bad Saulgau. Würden Sie dieses Amt im Falle Ihrer Wahl abgeben?
Ja. Der Landtag ist ein Vollzeitparlament – und das ist auch richtig so. Sollte ich gewählt werden, könnte ich meine Tätigkeit in Bad Saulgau nicht fortführen. Ich würde mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen, dann Bad Saulgau ist mir in über 20 Jahren ans Herz gewachsen und zu einer zweiten Heimat geworden.
Aber ebenso klar ist: Als Landtagsabgeordnete würde ich mich mit voller Kraft für den gesamten Landkreis einsetzen. Mit Herzblut, Sachverstand und viel Nähe zu den Menschen. Dafür trete ich an.
Mehr zu Ilona Boos gibt es hier: https://www.ilonaboos.de/