Zwei Großbrände, zahlreiche kleinere Brandstellen und eine Einsatzlage, wie sie selbst erfahrene Feuerwehrleute so noch nicht erlebt hatten: Gut zwei Wochen nach dem verheerenden Großbrand in Ottershofen (Grünkraut) blickt Feuerwehrkommandant Alexander Albrecht auf die dramatischen Stunden zurück.
Der Großbrand vom 12. August wird Feuerwehrkommandant Alexander Albrecht und seinen Feuerwehrkameraden wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Zwei Stallgebäude und ein Wohnhaus wurden bei dem Feuer zerstört, zahlreiche Tiere verendeten und mehrere Einsatzkräfte wurden verletzt. Rund 350 Helfer waren zeitweise im Einsatz (wir berichteten).
Doch aus Sicht des Feuerwehrkommandanten war vor allem die besondere Entwicklung der Lage außergewöhnlich.
„Großbrände hatten wir natürlich schon, auch landwirtschaftliche Anwesen haben schon gebrannt“, sagt Albrecht im Gespräch mit dem WOCHENBLATT. In Ottershofen habe es bereits 2019 einen Brand auf einer Hofstelle gegeben. „Aber dass sich zwei Großbrände über mehrere kleinere Brandstellen miteinander vernetzen und eine solche Einsatzlage entsteht – so etwas hat es bei uns noch nie gegeben. Und so etwas wird es hoffentlich auch nie wieder geben.“
Wind und Trockenheit begünstigten Ausbreitung
Entscheidend für die dramatische Entwicklung sei eine Kombination verschiedener Faktoren gewesen. Als eine erste Brandstelle bereits bearbeitet wurde, verschärfte sich die Lage zunehmend. Die wochenlange Trockenheit und die hohen Temperaturen hätten dabei ebenso eine Rolle gespielt wie der starke Ostwind.
„Vor Ort war die Lage eigentlich erstmals unter Kontrolle“, erinnert sich Albrecht. Ein Stallgebäude habe zwar bereits in Vollbrand gestanden, mit den zunächst nachgeforderten Kräften hätte die Feuerwehr die Lage nach seiner Einschätzung aber bewältigen können.
Dann kam es jedoch zu den Explosionen in dem brennenden Gebäude. „Durch die Explosionen hat sich das Lagebild sichtlich geändert“, sagt der Feuerwehrkommandant. Die dabei entstehende Thermik habe Brandgut und Asche nach oben getragen. Gemeinsam mit dem starken Ostwind seien diese weitergetragen worden.
„Dadurch kam es dann zu einer Brandausbreitung bis hin zur zweiten Brandstelle“, erklärt Albrecht. Zwischen den beiden großen Brandereignissen seien zudem mehrere kleinere Brände entstanden. Für die bereits vor Ort befindlichen Einsatzkräfte sei die Lage dadurch zunehmend schwerer zu bewältigen gewesen.
„Mannschaft und Fahrzeuge haben nicht ausgereicht“
Als sich die Lage weiter zuspitzte, mussten weitere Kräfte alarmiert werden. Der Einsatzleitwagen der Feuerwehr Ravensburg und der Kreisbrandmeister seien bereits vor Ort gewesen. Gemeinsam in der Führungsgruppe sei schnell klar geworden, dass die vorhandenen Kräfte nicht mehr ausreichen würden.
„Wir hatten schnell die Erkenntnis, dass weder die Mannschaft noch die Fahrzeuge ausreichen“, berichtet Albrecht. Deshalb seien weitere Löschzüge und Feuerwehren nachalarmiert worden. Die Unterstützung habe schließlich bis in den benachbarten Bodenseekreis gereicht.
Eine der größten Herausforderungen sei dabei die Löschwasserversorgung gewesen. Gerade in einem abgelegenen Weiler gebe es nur begrenzte Möglichkeiten, größere Mengen Löschwasser bereitzustellen.
„Das war einer der Knackpunkte: ausreichend Löschwasser zur Verfügung zu bekommen“, sagt Albrecht. Einsatzkräfte hätten deshalb aus verschiedenen Richtungen kilometerweit Leitungen verlegt und Wasser aus öffentlichen Gewässern sowie Hydrantennetzen genutzt.
Auch die Landwirte vor Ort hätten eine wichtige Rolle gespielt. Mit Güllefässern transportierten sie Wasser zu den Brandstellen. „So hatten wir am Ende ausreichend Wasser zur Verfügung“, so Albrecht. Bis diese Versorgung aufgebaut gewesen sei, habe die Feuerwehr jedoch zunächst mit ihren wasserführenden Fahrzeugen die Zeit überbrücken müssen.
Schwierige Entscheidungen unter großem Zeitdruck
Für Albrecht als Einsatzleiter bedeutete die außergewöhnliche Lage vor allem, innerhalb kürzester Zeit Entscheidungen über die Prioritäten treffen zu müssen. „Die Schwierigkeit ist dann natürlich die Priorisierung“, sagt er. Welcher Hof, welches Gebäude oder welche Fläche müsse zuerst geschützt werden? „Das sind Entscheidungen, die man dort in kurzer Zeit treffen muss.“
Besonders belastend seien auch die Verletzungen von Einsatzkräften gewesen. Als es zu einer Explosion eines Behälters kam, sei der Knall weit über die Einsatzstelle hinaus zu hören gewesen.
„Da geht einem als Einsatzleiter natürlich erst einmal die Gesundheit der Kameraden durch den Kopf“, sagt Albrecht. Entscheidend sei für ihn gewesen, weitere Verletzungen zu verhindern und gleichzeitig sicherzustellen, dass die betroffenen Einsatzkräfte schnell medizinisch versorgt werden.
Nach dem Großeinsatz beschäftigen die Geschehnisse die Beteiligten weiterhin. Intern und gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen gebe es inzwischen Nachbesprechungen. Den Einsatzkräften werde außerdem die Möglichkeit gegeben, über das Erlebte zu sprechen und bei Bedarf professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Lob für Zusammenarbeit der Einsatzkräfte
Trotz der außergewöhnlichen und dramatischen Lage zieht Albrecht hinsichtlich der Zusammenarbeit aller beteiligten Organisationen ein positives Fazit. Rund 350 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und weiteren Organisationen waren zeitweise in Ottershofen im Einsatz.
„Ich habe von allen Seiten mitbekommen, dass die Zusammenarbeit sehr gut war“, sagt Albrecht. Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei hätten eng zusammengearbeitet. Für ihn sei es wichtig, allen Beteiligten ausdrücklich zu danken.
Sein Fazit fällt eindeutig aus: „Die Kommunikation war respektvoll, professionell und zu jeder Zeit zielführend.“
Der Brand vom 13. August bleibt für die Feuerwehr Grünkraut damit ein Einsatz, der sich deutlich von bisherigen Großschadenslagen unterscheidet. Zwei große Brandstellen, verbunden durch mehrere kleinere Feuer, hätten eine Lage geschaffen, die es in dieser Form zuvor nicht gegeben habe.
„So etwas hat es noch nie gegeben“, sagt Albrecht rückblickend. „Und so etwas wird es hoffentlich auch nie wieder geben.“
Das vollständige Interview mit Feuerwehrkommandant Alexander Albrecht und weitere Eindrücke vom Großbrand in Ottershofen gibt es im Video: