Viele Stellen bleiben offen Ausbildungsverträge in Bodensee-Oberschwaben sinken

Ausbildungsverträge in Bodensee-Oberschwaben sinken
Die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverträge in der Region Bodensee-Oberschwaben ist kurz vor Ausbildungsstart um 10 Prozent gesunken. (Symbolbild: kazuma seki/iStock / Getty Images Plus)
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Kurz vor dem Ausbildungsstart sinkt die Zahl neuer Ausbildungsverträge in Bodensee-Oberschwaben um 10 Prozent. Geeignete Bewerber fehlen vielerorts.

Die Ausbildungsbereitschaft der regionalen Wirtschaft bleibt trotz rückläufiger Vertragszahlen hoch. 67 Prozent der von der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK) befragten Betriebe wollen ihr Ausbildungsangebot halten oder ausbauen. Gleichzeitig gibt es Anzeichen dafür, dass sich die wirtschaftliche Unsicherheit auf den Ausbildungsmarkt auswirkt.

„Von einer nachlassenden Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen können wir nicht sprechen. Im Gegenteil: 67 Prozent der von uns befragten Betriebe wollen ihr Ausbildungsangebot halten oder sogar ausbauen. Das Problem ist zunehmend, geeignete junge Menschen für die vorhandenen Ausbildungsplätze zu finden“, sagt Dr. Sönke Voss, Hauptgeschäftsführer der IHK Bodensee-Oberschwaben. „Gleichzeitig spüren auch unsere Unternehmen die wirtschaftliche Unsicherheit. Umso wichtiger ist es, die duale Ausbildung als zentralen Weg in die Fachkräftesicherung zu stärken.“

Rückgang hat sich deutlich beschleunigt

Zum 30. Juni dieses Jahres lag der Rückgang der neu eingetragenen Ausbildungsverträge noch bei 2,8 Prozent. Ende Juli waren es 6 Prozent, Ende August nun 10 Prozent. Eine Entwicklung in dieser Dynamik war in der Region nicht erwartet worden.

Laut einer aktuellen IHK-Online-Umfrage können 61 Prozent der befragten Betriebe ihr Ausbildungsplatzangebot nicht vollständig besetzen, weil geeignete Bewerberinnen und Bewerber fehlen. Besonders häufig nennen die Unternehmen mangelnde Belastbarkeit und fehlende Leistungsbereitschaft.

Auch die hohe Auslastung ausbildungsvorbereitender Angebote wie AV-Dual zeigt, dass ein Teil der Jugendlichen zunächst weitere Unterstützung und Vorbereitung benötigt.

„Wir müssen bei der Ausbildungsreife deutlich früher ansetzen. Schulen, Politik und Wirtschaft müssen gemeinsam dafür sorgen, dass junge Menschen die notwendigen Grundlagen und realistische Vorstellungen von der Arbeitswelt mitbringen, wenn sie sich für eine Ausbildung entscheiden“, so Voss. „Gleichzeitig dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren, dass junge Menschen unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Unternehmen leisten hier bereits viel und übernehmen Verantwortung, indem sie auch Jugendlichen eine Chance geben, die zunächst zusätzliche Unterstützung benötigen.“

Wirtschaftliche Unsicherheit spielt eine Rolle

Während die Ausbildungszahlen in Bodensee-Oberschwaben bislang vergleichsweise stabil waren, gibt es nun Anzeichen dafür, dass die konjunkturelle Unsicherheit zunehmend auch bei der Ausbildungsplanung eine Rolle spielt.

„Die duale Ausbildung ist eine Investition in die Zukunft – für die jungen Menschen ebenso wie für die Betriebe. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es wichtig, diese Investition nicht aus dem Blick zu verlieren“, betont Voss. „Wo es wirtschaftlich möglich ist, sollten Unternehmen weiterhin ausbilden. Denn der Fachkräftebedarf wird nicht verschwinden, nur weil die Konjunktur derzeit schwächelt.“

Kaufmännische Berufe besonders betroffen

Bei den technischen Berufen verzeichnet die IHK einen Rückgang von 7,8 Prozent. Bei den industriellen Metallberufen wurden 451 neue Ausbildungsverträge registriert, gegenüber 512 im Vorjahr. Das entspricht einem Minus von 11,9 Prozent.

Bei den kaufmännischen Berufen beträgt der Rückgang 16,5 Prozent. Bei den Industriekaufleuten sank die Zahl von 176 auf 140 Verträge (minus 25,7 Prozent), im Einzelhandel von 281 auf 240 (minus 17 Prozent) und bei den Banken von 107 auf 89 (minus 16,8 Prozent).

Anders entwickeln sich die Hotel- und Gaststättenberufe. Ende August waren 271 neue Ausbildungsverträge registriert, 11,5 Prozent mehr als im Vorjahr mit 243. Beim Beruf Koch/Köchin stieg die Zahl von 60 auf 66 (plus 10 Prozent), bei den Hotelfachleuten von 59 auf 62 (plus 5,1 Prozent), bei den Restaurantfachleuten von 21 auf 29 und bei den Fachleuten für Systemgastronomie von 20 auf 35. Die Fachkraft Küche legte von 16 auf 21 Verträge zu (plus 31,3 Prozent).

Internationale Bewerber als Chance

56,2 Prozent der Betriebe betrachten Auszubildende aus Drittstaaten als Chance für die Fachkräftesicherung. Dazu zählen sowohl Geflüchtete als auch Zuwanderer, die zum Zweck der Ausbildung nach Deutschland gekommen sind. 40 Prozent der Unternehmen haben bereits versucht, Bewerberinnen und Bewerber aus Drittstaaten auszubilden.

Als Herausforderungen nennen die Betriebe mangelnde Deutschkenntnisse (50 Prozent) sowie fehlenden bezahlbaren Wohnraum in Betriebsnähe (25 Prozent).

Ausbildungsplätze sind noch frei

Trotz des bevorstehenden Ausbildungsstarts am 1. September 2026 gibt es weiterhin offene Stellen. Zudem melden sich bei der IHK Betriebe, die erstmals ausbilden möchten oder noch in diesem Jahr mit der Ausbildung starten wollen.

„Für junge Menschen bleibt die duale Ausbildung eine hervorragende Perspektive für den Berufseinstieg. Wer noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, sollte deshalb nicht aufgeben“, sagt Voss. „Auch für Unternehmen lohnt es sich, bei der Suche nach passenden Bewerberinnen und Bewerbern weiter am Ball zu bleiben.“

Vom 12. Oktober bis 6. November 2026 unterstützen die IHKs zudem die Praktikumswochen Baden-Württemberg. Schülerinnen und Schüler können dabei nach dem Prinzip „fünf Tage, fünf Unternehmen“ verschiedene Betriebe und Berufsfelder kennenlernen. Unternehmen stellen ihre Angebote über die Plattform ein, Jugendliche wählen passende Berufsfelder und Tage. Die Teilnahme ist für beide Seiten kostenfrei. Die IHK ruft Unternehmen dazu auf, Praktikumsplätze anzubieten.

Die Ausbildungszahlen beziehen sich auf die IHK-Statistik für den Bodenseekreis sowie die Landkreise Ravensburg und Sigmaringen mit Stand Ende August 2026. Die IHK-Online-Umfrage zum Ausbildungsjahr 2025 lief vom 11. bis 29. Mai 2026. Insgesamt nahmen 14.058 Personen teil, darunter 91 aus der Region Bodensee-Oberschwaben.

(Quelle: IHK Bodensee-Oberschwaben)

Dieser Beitrag wurde unter Mitwirkung eines KI-Systems erstellt und von der Redaktion geprüft.