Mit dem Deutschland-Ticket und einem Zuschuss der Oberschwabenklinik kommen Mitarbeitende für 36,93 Euro im Monat zur Arbeit. Vier Beschäftigte berichten von ihren Erfahrungen.
An der Oberschwabenklinik (OSK) nutzen derzeit 303 Mitarbeitende das vergünstigte Deutschland-Ticket für ihren Arbeitsweg. Dank eines Arbeitgeberzuschusses kostet das Ticket für sie nur 36,93 Euro im Monat. Vier Beschäftigte schildern, warum sie bewusst auf Bus und Bahn umgestiegen sind und welche Vorteile sie darin sehen.
Dr. Heino Hügel, Ärztlicher Leiter des ambulanten Palliativversorgers Clinic Home Interface an der Oberschwabenklinik, beginnt seinen Arbeitstag mit einer Kombination aus Radfahren, Zugfahrt und Jogging. Mit seinem Gravelbike fährt er zunächst elf Kilometer von Immenstaad nach Friedrichshafen zum Bahnhof. Anschließend bringt ihn der Regionalzug in rund 15 Minuten nach Ravensburg. Die letzten zehn Minuten bis zum St. Elisabethen-Klinikum legt er laufend zurück.
„Ich brauche weniger als eine Stunde ins Büro von Tür zu Tür und habe dabei etwas für Körper und Seele, die Umwelt und meinen Geldbeutel getan“, sagt Dr. Hügel. Als Arzt wolle er nicht nur Medizin vermitteln, sondern auch mit gutem Beispiel vorangehen. „Bewegung ist der Schlüssel zu unserer Gesundheit“, sagt er. „Ich kenne ja den Vergleich aus meinem eigenen Leben: Wenn ich mich vor der Arbeit bewege, bin ich mit einem völlig anderen Körpergefühl präsent.“ Mit Einführung des Deutschland-Tickets und der Unterstützung durch die OSK habe er sein Auto sofort stehen gelassen. „Das war der Gamechanger. Wenn du für 37 Euro im Monat zur Arbeit und wieder nach Hause kommen kannst, ist das ein unschlagbarer Preis.“
Deutschland-Ticket mit Arbeitgeberzuschuss
Das Deutschland-Ticket kostet regulär 63 Euro im Monat. Die OSK übernimmt davon 22,92 Euro. Hinzu kommt ein individueller Rabatt von 3,15 Euro, weil der Arbeitgeber das Angebot unterstützt. Für die Mitarbeitenden bleiben dadurch 36,93 Euro pro Monat.
Nach Einschätzung von Dr. Hügel könnte die Zahl der Nutzer weiter steigen. Seit Donnerstag, 2. Juli, fährt zudem die neue Regiobus-Linie 900 von Friedrichshafen über Tettnang und Meckenbeuren direkt zum St. Elisabethen-Klinikum. Die Verbindung soll sowohl Mitarbeitenden als auch Patienten aus der Region zugutekommen.
Auch Lorena Lehmann, Referentin der OSK-Geschäftsleitung, fährt seit Jahren regelmäßig mit der Bahn von Friedrichshafen nach Ravensburg. Sie wohnt in Bahnhofsnähe und schätzt vor allem die kurzen Taktzeiten.
„Mit dem Zug ist es von Friedrichshafen ein Katzensprung nach Ravensburg“, sagt sie. „Mit dem Auto fährt man doppelt so lang. Alle zehn bis zwanzig Minuten fährt ein Zug, und wenn einer einmal ausfällt, nimmt man eben den nächsten. Ich liebe Bahnfahren. Man kann lesen, Podcasts hören, Mails beantworten, und trifft auch immer neue, spannende Menschen. Man kommt fast automatisch ins Gespräch. Auch Birgit Przykopp habe ich am Bahnhof kennengelernt, Herrn Hügel und andere Menschen, von denen ich zuvor gar nicht wusste, dass sie an der OSK arbeiten.“
Zeit sparen und Kosten senken
Birgit Przykopp arbeitet als Medizinische Fachangestellte in der gynäkologischen Ambulanz in Ravensburg und pendelt täglich von Aulendorf. Mit dem Direktzug benötigt sie elf Minuten bis zum Bahnhof in Ravensburg. Mit dem Auto würde sie für die knapp 25 Kilometer über die umliegenden Dörfer rund 25 Minuten benötigen.
„Schneller als mit der Bahn geht es nicht. Der Stress durch das Autofahren fällt komplett weg, vor allem aber ist Bahnfahren inzwischen unschlagbar günstig, nicht nur aus schwäbischer Sicht. Ich spare dadurch sicher 150 Euro im Monat, es lohnt sich also, sein Verhalten zu ändern.“
Matthias Weber, Referent für Finanz- und Risikomanagement an der OSK, hat seine Ersparnis sogar auf rund 4500 Euro pro Jahr berechnet. Der Vater von zwei Kindern fährt morgens zunächst fünf Kilometer mit dem Fahrrad von Mittelbiberach zum Bahnhof in Biberach und anschließend mit dem Regionalzug nach Ravensburg.
„Für mich ist Radfahren und der Spaziergang zum EK auch eine Art Training und Entspannung. Insgesamt bin ich 40 Minuten länger unterwegs, aber ich nutze die Zeit für mich und tue meiner Gesundheit etwas Gutes. Durch die Bewegung vor und nach der Zugfahrt bleibe ich gesund, erspare mir den täglichen Stau in Gaisbeuren und natürlich ganz viel Geld. Bei meiner Berechnung der 4500 Euro bin ich von einem älteren Auto ausgegangen, das ich statt dem Zug benutzen würde. Wäre es ein neues, wäre es noch weit mehr.“
OSK setzt auf nachhaltige Mobilität
OSK-Geschäftsführer Franz Huber begrüßt den Umstieg vieler Beschäftigter auf öffentliche Verkehrsmittel. „Wir unterstützen unsere Mitarbeiter dabei, auf Bus oder Bahn umzusteigen – durch unseren finanziellen Zuschuss, aber auch durch unsere Gespräche mit den Kommunen und unserem Träger, dem Landkreis Ravensburg, um die bestmöglichen Linien anzubieten“, sagt Huber.
Aufgrund der ländlichen Struktur des Landkreises werde es nicht für alle Beschäftigten möglich sein, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu kommen. „Aber jenen, die es mit ein wenig Unterstützung könnten, denen möchten wir es im Sinne von Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit auch ermöglichen. Wer zum Beispiel vom Bodensee oder von Tettnang aus zu uns kommen möchte, der ist schnell da und herzlich willkommen.“
Mitarbeitende, die einen Teil ihres Arbeitswegs mit dem Fahrrad zurücklegen, unterstützt die OSK zusätzlich über ihr Jobrad-Programm. Dadurch können Beschäftigte ein Fahrrad zu vergünstigten Konditionen leasen.
(Quelle: Oberschwabenklinik Ravensburg)