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Nach der Klinikschließung So geht es mit der medizinischen Versorgung im Westallgäu weiter

Gesundheitsversorgung im Westallgäu: Nach der Klinikschließung stehen große Veränderungen an. Ein neuer Rettungswagen, Pläne für ein MVZ und die Fortschreibung des Krankenhausgutachtens – hier erfahren Sie alle Details.

Lesezeit 4 Minuten
Ein entscheidendes Thema war die zukünftige Krankenhausstruktur.
Ein entscheidendes Thema war die zukünftige Krankenhausstruktur. (Bild: Chinnapong // iStock / Getty Images Plus)

Der Krankenhausbeirat des Landkreises Lindau hat sich erneut intensiv mit der Gesundheitsversorgung der Region befasst.

Im Mittelpunkt standen die Folgen der Schließung der Rotkreuzklinik in Lindenberg sowie die nächsten Schritte nach der Absage Baden-Württembergs für einen gemeinsamen Klinikstandort. Trotz der Herausforderungen arbeiten die Verantwortlichen an konkreten Lösungen für die stationäre und ambulante Versorgung sowie den Rettungsdienst.

Vertreter der Asklepios Klinik, der Oberschwabenklinik, niedergelassene Ärzte, die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns sowie das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit nahmen an der Sitzung teil. Auch das Bayerische Rote Kreuz (BRK) war mit seinem Kreisverband und der Generaloberin der Schwesternschaft vertreten.

Stationäre Versorgung: Kliniken stehen vor großen Herausforderungen

Ein entscheidendes Thema war die zukünftige Krankenhausstruktur. Ein im Herbst 2024 veröffentlichtes Gutachten empfahl einen zentralen Klinikstandort im Raum Hergatz. Doch die unerwartete Absage aus Baden-Württemberg brachte das Konzept ins Wanken.

Landrat Elmar Stegmann betonte:
„Wir lassen uns nicht entmutigen und arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung. Nun müssen wir das Gutachten unter den neuen Rahmenbedingungen fortschreiben und weiterhin auf die Unterstützung der bayerischen Staatsregierung setzen.“

Die Geschäftsführer der Asklepios Klinik Lindau und der Oberschwabenklinik, Clara Walter und Prof. Dr. Oliver Rentzsch, wiesen auf die großen Herausforderungen durch den Strukturwandel hin. Dazu gehören der Fachkräftemangel, die zunehmende Ambulantisierung und die Krankenhausreform. Die Patientenströme haben sich verändert: Seit der Schließung der Rotkreuzklinik verzeichnen die beiden verbliebenen Kliniken eine deutlich höhere Patientenzahl, insbesondere in der Notaufnahme.

Ein Problem stellt die stationäre Aufnahme von neurologischen Notfallpatienten dar. Dr. Raimund Bischof vom Gesundheitsnetzwerk Westallgäu berichtete, dass Patienten oft nur schwer untergebracht werden können. In anderen Fachbereichen, wie der Kardiologie, funktioniere die Versorgung dagegen reibungslos. Prof. Rentzsch sicherte zu, dass jede einzelne Patientensituation geprüft werde, um Verbesserungen zu erreichen.

Rettungsdienst: Verstärkung für die Notfallversorgung

Ein weiteres Gutachten untersuchte die Hilfsfristen des Rettungsdienstes und ergab, dass diese auch nach der Schließung der Rotkreuzklinik eingehalten werden. Dennoch konnte der Landkreis eine Verbesserung aushandeln: Ein neuer Rettungswagen wird in Oberreute stationiert.

„Wir haben erreicht, dass wir einen weiteren Rettungswagen betreiben können“, erklärte Landrat Stegmann. Der neue Rettungswagen wird zunächst im Probebetrieb bis September 2026 eingesetzt und an sieben Tagen pro Woche für jeweils elf Stunden bereitstehen. Das Bayerische Rote Kreuz übernimmt den Betrieb.

Roman Gaißer, Geschäftsführer des BRK-Kreisverbandes Lindau, schilderte die Herausforderungen bei der Personalgewinnung und Ausbildung neuer Rettungskräfte. Trotz hoher Auslastung gibt es eine positive Entwicklung: Der Notarztdienstplan ist aktuell zu 100 Prozent besetzt.

Ambulante Versorgung: MVZ als Lösungsansatz?

Besonders betroffen von der Klinikschließung ist die ambulante Versorgung. Bürgermeister Eric Ballerstedt berichtete, dass sich die Wege für Patienten verlängert haben und niedergelassene Ärzte stark belastet sind. Besonders problematisch ist das Fehlen einer wohnortnahen Radiologie, einer Notfallversorgung mit chirurgischen Leistungen und eines Wochenenddienstes.

Um diese Lücken zu schließen, wurde ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) für Lindenberg geprüft. Das Gutachten zeigt, dass ein MVZ an Wochentagen wirtschaftlich betrieben werden kann, bei erweiterten Öffnungszeiten jedoch finanziell herausfordernd wäre. Das maximale Defizit wird auf 530.000 Euro geschätzt.

Ein solches MVZ könnte wichtige Versorgungslücken schließen, jedoch keine Notaufnahme ersetzen. Der Landkreis plant eine Anschubfinanzierung, um die Umsetzung zu unterstützen. Allerdings sind noch rechtliche Hürden zu überwinden.

Sebastian Eckert von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns empfahl, mit einem kleinen Konzept zu starten:
„Zwei Ärzte sind der kleinste gemeinsame Nenner für eine MVZ-Gründung.“

Eine mögliche Nachbesetzung für den Chirurgensitz des insolventen MVZ Allgäu Bodensee könnte hier eine Lösung sein. Die Entscheidung liegt nun bei der Kassenärztlichen Vereinigung.

Ausblick: Nächste Schritte zur Gesundheitsversorgung im Westallgäu

  • Fortschreibung des Krankenhausgutachtens: Eine erneute Analyse wird notwendig, um unter den neuen Bedingungen tragfähige Lösungen für die stationäre Versorgung zu finden.
  • Neuer Rettungswagen in Oberreute: Der zusätzliche Rettungswagen soll kurzfristig die Notfallversorgung verbessern.
  • Unterstützung für ein MVZ in Lindenberg: Der Landkreis setzt sich für eine Anschubfinanzierung ein und prüft die rechtlichen Rahmenbedingungen.

Landrat Stegmann fasst zusammen:
„Es gibt keine einfachen Lösungen, sonst wären sie längst umgesetzt. Unser Ziel bleibt eine langfristig tragfähige Gesundheitsversorgung für die Menschen in der Region.“

Haushaltsausschuss sichert finanzielle Unterstützung zu

In einer aktuellen Sitzung am 6. Februar hat der Haushaltsausschuss des Landkreises beschlossen, 300.000 Euro für die MVZ-Anschubfinanzierung in den Haushalt 2025 aufzunehmen. Die endgültige Verabschiedung des Haushalts erfolgt am 27. März im Kreistag.

Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um nachhaltige Lösungen für die Gesundheitsversorgung im Westallgäu zu finden.

(Quelle: Landratsamt Lindau (Bodensee))

Schlagwörter

Transparenz

Erstmals veröffentlicht
09.02.2025, 20:56 Uhr

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