Immer am Mittwoch vor Beginn der bayerischen Sommerferien herrscht in der Bodenseestadt Ausnahmezustand. Seit den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges feiern die Lindauer alljährlich Ihr Kinderfest. Es handelt sich um eines der größten und traditionsreichsten Feste in Schwaben. In diesem Jahr findet das Kinderfest am 26. Juli statt.
Valentin Heider gilt als Begründer des Lindauer Kinderfestes
Damals hatte der Lindauer Ratsherr Valentin Heider die Idee, für Bürger und Kinder an einem besonderen Festtag eine Predigt einzuführen. Nach dem furchtbaren Krieg hatten besonders die Kinder unter seinen Folgen zu leiden. Gewalt, Hunger und Not waren an der Tagesordnung.
Heider ermahnte Kinder und Erwachsene gleichermaßen, pflichtbewusst die guten Sitten wieder einzuhalten und ihrer Heimatstadt die Treue zu halten.
Ein Gebäck der besonderen Art, das es bis heute nur am Kinderfest gibt, sollte bei den Kindern den großen Hunger stillen: die Butschelle, ein süßes Hefegebäck, das nach alter Tradition und ebensolchem Rezept gebacken wird.
Böller kündigen am frühen Morgen das Fest an
Ebenfalls nach langer Tradition, die den Ablauf des Festes seit langem prägt, ertönen überall in der Stadt um 6.00 Uhr morgens Böllerschüsse, die das Kinderfest lautstark ankündigen.
Bereits Tage zuvor hatten zahllose fleißige Mütter an Blumenkränzchen und –bögen für die Mädchen gearbeitet, deren Kleider, aber auch die Hosen und feinen Hemden der Buben aufgebügelt. Und auch die Fahne, die die Buben am Kinderfest tragen, erfuhr den letzten Feinschliff.
Kinderfest sorgt bei vielen für eine schlaflose Nacht
Besonders diejenigen, die in der ersten Klasse zum ersten Mal mitmachen dürfen, hatten meistens eine eher schlaflose Nacht. Zu groß ist die Aufregung. Nun gibt es kein Halten mehr. Jetzt geht es für alle zuerst in die Schulen, dann in die Gottesdienste in den Stadtteilen.
Erst danach bilden sich die verschiedenen Festzüge aus allen Stadtteilen, die sich auf der Insel zu einem großen, farbenprächtigen Festumzug durch die Altstadt vereinigen. Er führt vors ehrwürdige Alte Rathaus.
Viele Bürger haben ihre Häuser festlich geschmückte. Musikkapellen und Trommlerzüge begleiten den Festzug.


Kinderfestlied „Lindau hoch“ vor dem Alten Rathaus
Vor dem Alten Rathaus werden die Kinder samt ihren Begleitern bereits von der Lindauer Jugendkapelle erwartet. Sie spielt, vielstimmig heuer begleitet von 1.918 Kinderstimmen, die „Lindauer Nationalhymne“, das ultimative Kinderfestlied „Lindau hoch“. Hier drücken auch hartgesottene Lindauer so manche Träne aus den Augen.
In ihr heißt es unter anderem: „Lindau dir, danken wir, Gottes Segenshand sei dir zugewandt“.
Festansprache erinnert an die Bedeutung des Kinderfestes
Heuer begrüßt Mathias Hotz als stellvertretender Bürgermeister die Kinder (Oberbürgermeisterin Dr. Claudia Alfons befindet sich nach der Geburt ihrer zweiten Tochter im Mutterschutz). Er wird auch bei diesem Kinderfest in seiner Festansprache die Kinder an die Tradition und Bedeutung des Festes erinnern.
„Lindau hoch!“ – Kinder lassen ihre Stadt hoch leben
Immer wieder erschallt es vielstimmig auf dem Platz: „Lindau hoch!“. Fahnen werden in die Luft geworfen, Blumenbögen in den Himmel gestreckt.
Heuer statten Kinder aus dem Ortsteil Reitnau mit einem Gedicht ihren Dank an die Organisatoren ab. Reitnauer Kinder führen den Festzug in diesem Jahr an. Ihnen folgen die Altstadt, Reutin, Zech und Aeschach-Hoyren.


Zum Ende des Festaktes erklingt die dritte Strophe der Nationalhymne. Danach eilen die Kinder an die verschiedenen Ausgabestellen, wo sie neben der Butschelle auch den berühmten Lindauer Doppelschübling sowie Getränke in Empfang nehmen dürfen.
Mit dabei beim Kinderfest sind auch wieder eine Schulklasse sowie eine Delegation aus der Partnerstadt Chelles bei Paris.
Kinderfest wird am Nachmittag auf verschiedenen Festplätzen gefeiert
Am Nachmittag feiern die Lindauer mit ihrem Nachwuchs das Kinderfest auf vier verschiedenen Festplätzen. Unzählige Kinderbelustigungen und –spiele, individuell auf den jeweiligen Festplätzen, lassen alle Kinderherzen höher schlagen. Überall ist für Speis und Trank bestens gesorgt.
Aus dem Kinderfest wird ein Heimatfest – viele „Ehemalige“ kommen zum Kinderfest
Mit Fortdauer des Tages bzw. Abends wird dann aus dem Kinderfest eher ein Heimatfest, bei dem sich zahllose Lindauer ein Stelldichein geben. Viele kommen aus der Ferne als Zeichen ihrer Verbundenheit zu ihrer Heimatstadt extra zum Kinderfest wieder in die Inselstadt, um dort alte Freunde und Bekannte zu treffen.
Gegen Mitternacht endet das Fest.
Erwähnenswert ist, dass das Fest von zahlreichen Ehrenamtlichen und Freiwilligen organsiert und mit vielen Spenden aus der Bürgerschaft und Geschäftswelt finanziert wird. Festzug und Festakt am Vormittag liegen in den Händen des Kinderfesthauptausschusses.
Die Organisatoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass es keinen Sinn macht, von auswärts zum Kinderfest extra nach Lindau zu kommen. Die Stadt ist ohnehin brechend voll vor Menschen und die Insel ist nahezu vollständig gesperrt.
Wir werden im Wochenblatt in bunten Bildern vom Kinderfest berichten.
Kinderfest wird nicht verschoben
Noch ein wichtiger Hinweis: Das Kinderfest findet auf alle Fälle statt und kann nicht verschoben werden. Falls Unwetterwarnungen vorliegen, kann es zu Teilabsagen kommen. Auf entsprechende Hinweise in den regionalen Radiosendern sollte man dann achten.