Cavazzen Museum & Kunstforum Hundertwasser „Hier geht was!“ – Sebastian Borkhardt übernimmt die Leitung der Lindauer Museen

„Hier geht was!“ – Sebastian Borkhardt übernimmt die Leitung der Lindauer Museen
Dr. Sebastian Borkhardt übernimmt im Lauf der kommenden Monate die Aufgaben von Barbara Reil, die die Stadt Ende Juli aus familiären Gründen verlässt. (Foto: Stefanie Bernhard)
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Sebastian Borkhardt ist das neue Gesicht im Team des Lindauer Kulturamts. Der 41-jährige Kunsthistoriker übernimmt im Lauf der kommenden Monate die Leitung der Lindauer Museen von Barbara Reil, die die Stadt Ende Juli aus familiären Gründen verlässt. Borkhardt ist dann für beide Häuser, das 2025 wiedereröffnete Cavazzen Museum und das im selben Jahr eingerichtete Kunstforum Hundertwasser, zuständig.

Unweit von Stuttgart aufgewachsen, promovierte Borkhardt an der Universität Tübingen mit einer Studie über den Maler Wassily Kandinsky, einen Wegbereiter der Abstraktion. Anschließend wirkte Borkhardt in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe als Volontär und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Vorbereitung mehrerer Ausstellungen mit. Zuletzt führte ihn sein beruflicher Weg an das documenta-Archiv in Kassel. Nun freut er sich darauf, das kulturelle Leben in Lindau mitzugestalten. Vier Fragen an den neuen Museumsleiter.

Willkommen in Lindau! Was hat Sie an der Position des Museumsleiters gereizt?

Schon als Jugendlichen zog mich die besondere Atmosphäre von Museen in ihren Bann. Sie sind für mich Orte von Sinn und Sinnlichkeit, der Neugier und des Staunens, Orte der Begegnung mit anderen Perspektiven und mit sich selbst. Ich will dazu beitragen, dass auch viele andere Menschen den Gang ins Museum als eine Bereicherung erleben, auf die sie nicht verzichten möchten. Lindau hat mich überzeugt durch sein starkes Bekenntnis zur Kultur, wie es sich in der aufwendigen Sanierung und Neukonzeption des Cavazzen Museums oder in der Eröffnung des Kunstforums Hundertwasser zeigte. Bei der Beschäftigung mit Lindau wurde mir schnell klar: Hier geht was! In diesem Sinne habe ich große Lust darauf, die Möglichkeiten auszuloten, die der barocke Bau des Cavazzen von seinem herrlichen Dachstuhl bis zum Gewölbekeller bietet. Die Verbindung von Stadtmuseum und ambitionierten Kunstausstellungen ist für mich dabei ausgesprochen spannend.

Wie nehmen Sie Ihre ersten Tage in Lindau wahr?

Mein Start in Lindau fällt in eine ungemein bewegte Zeit: Ab dem 28. März wird im Kunstforum Hundertwasser eine fulminante Schau zu sehen sein, die das druckgrafische Werk Friedensreich Hundertwassers ins Zentrum rückt. Mit einem großen Fest auf dem Marktplatz werden wir dann am 1. Mai im Cavazzen eine Ausstellung von Zeichnungen und Keramiken Pablo Picassos eröffnen, in der man dem Künstler ganz nah kommen kann. Zwei Projekte dieses Formats parallel zu realisieren, stellt eine Herkulesaufgabe dar. Die hohe Tatkraft, Kollegialität und Professionalität, mit der das Team des Kulturamts diese Herausforderung bewältigt, ist beeindruckend.

Welche Themen haben für Sie in den kommenden Monaten Priorität?

In der ersten Zeit geht es vor allem darum, mich mit den spezifischen Gegebenheiten und Abläufen vor Ort auseinanderzusetzen. Jedes Museum tickt ja ein wenig anders. Mich interessiert auch: Wer ist unser Publikum und welche Bedürfnisse hat es? Wie gelingt es uns, dauerhaft attraktiv und relevant für die Menschen zu sein, die in Lindau leben oder die als Gäste auf die Insel kommen? Dabei gilt mein Blick auch denen, die unsere Häuser bislang nicht besucht haben. Ganz besonders freue ich mich darauf, den Cavazzen und die Sammlungsbestände näher kennenzulernen.

Haben Sie schon einen Lieblingsplatz in Lindau?

Mich berührt das wechselvolle Schauspiel von Licht und Wasser beim Blick über den Bodensee, das sich von sehr unterschiedlichen Stellen aus beobachten lässt. Als ich kürzlich über die Seebrücke ging, wurde ich ganz unvermittelt aus meinen Gedanken gerissen: von der Schönheit der Morgensonne, die sich ihren Weg durch den grauen Wolkendunst bahnte. In solch einem Moment verweilen zu dürfen, ist ein echtes Privileg! Gleich nach meinem Umzug auf die Insel hörte ich den Satz: „Wer hier landet, geht so schnell nicht mehr fort.“ Ich kann gut nachvollziehen, warum.

(Quelle: Stadt Lindau)