Der riesige, zerborstene Spiegel, der den Hintergrund von La traviata bildet, ist ein Hingucker auf der Seebühne in Bregenz. Über die Hälfte der einzelnen Splitter können sogar bewegt werden. Die Karten für den Opernklassiker von Giuseppe Verdi sind bereits alle ausverkauft. Premiere ist am 22. Juli 2026.
Nach und nach ist das Bühnenbild für La traviata in den vergangenen Monaten aus den Winternebeln am See gewachsen: ein schillernder Spiegel mit den enormen Maßen von 700 Quadratmetern Fläche und rund 28 Metern Höhe, zerbrochen in 86 einzelne Teile – von winzig kleinen Splittern bis zu großen Bruchstücken, die teils gleichzeitig als ausklappbare Spielflächen dienen. Über die Hälfte der Spiegelsplitter können aktiv bewegt werden und zeichnen im Laufe der Aufführung symbolisch die Entwicklung der Hauptfigur Violetta nach, die an der oberflächlichen Pariser Gesellschaft seelisch und körperlich zerbricht, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung.
Glitzernde Pailletten und überraschende Effekte
Regisseur Damiano Michieletto verlegt die Handlung von Verdis Meisterwerk in die schillernden Zwanzigerjahre: eine Zeit, in der Opulenz und ausgelassene Partys über innere Leere und Orientierungslosigkeit hinwegtäuschen sollten. Glitzernde Pailletten und überraschende Bühneneffekte spiegeln sich in der 1400 Quadratmeter großen Oberfläche des Wasserbeckens, das mit dem dahinterliegenden Spiegelboden als Hauptspielfläche fungiert.
Stahl, Holz, Hydraulik – und ganz besondere Textilien
Seit dem 19. August 2025 haben die Techniker der Bregenzer Festspiele gemeinsam mit Mitarbeitern von 36 Firmen das eindrucksvolle Bühnenbild geschaffen, das zum Jubiläumsjahr 2026 mit zahlreichen technischen Raffinessen aufwartet. So ist die Spiegelwand nicht nur beweglich, sondern dient auch als Leinwand für Projektionen kurzer Filmausschnitte, die einen Einblick in Violettas Leben bieten. Auch die täuschend echt aussehenden, grün bemalten Spiegelkanten enthalten zum Teil Lichtelemente. Eine besondere Herausforderung war die Herstellung der Spiegelsplitter.
Gefiltertes Seewasser
Das Wasserbecken ist mit einem Material ausgelegt, das man eher aus dem Baumarkt kennt: 1400 Quadratmeter schwarzer Rasenteppich sorgen wie schon bei Der Freischütz dafür, dass die Darsteller sicheren Stand haben. Auch die Teichfolie des Beckens ist so vor Beschädigungen geschützt. Im Becken selbst befindet sich gefiltertes Seewasser, das durch zwei Unterwasserpumpen über Hydrozyklon-Filter ins Becken gepumpt wird. Zweimal täglich wird das Wasser ausgetauscht und vor der Rückleitung in den Bodensee durch Rückspülfilter gereinigt.
Noch bis Mitte Juni ist Zeit für alle übrigen Arbeiten in Malerei und Kaschur sowie für die Installation von Licht- und Tontechnik: Dann beginnen die Proben für das neue Spiel auf dem See und die Bühne wird zum Spiegel rauschender Partys und tiefer Emotionen.
Kosten belaufen sich auf rund 10 Millionen Euro
Die Seebühnenproduktionen der Bregenzer Festspiele zählen zu den technisch und logistisch aufwendigsten Opernproduktionen weltweit und sind jeweils über zwei Saisonen hinweg zu erleben. Die Investitionen in Bühnenbild und Infrastruktur erfolgen in diesem zweijährigen Rhythmus. Die Kosten sind über beide Spielzeiten von La traviata hinweg kalkuliert: Sie umfassen den gesamten Lebenszyklus der Bühne – von Aufbau, Erhalt und Betrieb bis hin zum Abbruch – und belaufen sich auf rund 10 Millionen Euro.
La traviata wird im Sommer 2026 an 28 Abenden zu sehen sein. Alle rund 188.000 Karten sind seit Ostern bereits ausverkauft – so früh wie noch nie in der 80-jährigen Geschichte der Festspiele, heißt es. Vereinzelt gelangen jedoch immer wieder Karten in den Verkauf; ein regelmäßiger Blick auf die Website lohnt sich. Für alle weiteren Veranstaltungen – darunter die Oper im Festspielhaus, die Produktionen auf der Werkstattbühne und im Theater am Kornmarkt sowie die Orchesterkonzerte – sind Tickets in allen Kategorien erhältlich. Weitere Infos: bregenzerfestspiele.com
(Text: Bregenzer Festspiele/Presse)