Wie haben sich Gärten in den vergangenen 150 Jahren verändert? Gartenexperte Bernd Brunner erklärt, warum Artenvielfalt heute wichtiger denn je ist und gibt praktische Tipps für trockene Sommer.
Seit 150 Jahren setzt sich der Schwäbische Bezirksverband für Gartenbau und Landespflege für Gartenkultur und Landespflege ein. Anlässlich dieses Jubiläums beleuchtet das Heimatkundliche Dokumentationszentrum des Landkreises Lindau die Entwicklung der Gartentradition. Bernd Brunner, Geschäftsführer des Schwäbischen Bezirksverbands sowie Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege der Landkreise Lindau und Oberallgäu, ordnet die Veränderungen ein und zeigt auf, wie sich Gärten an den Klimawandel anpassen lassen.
Vom Nutzgarten zum Lebensraum
„Früher war der Garten natürlich ,nur‘ Mittel zum Zweck“, sagt Bernd Brunner. Ohne eigene Gartenarbeit sei die Selbstversorgung vieler Familien gefährdet gewesen. Mit wachsendem Wohlstand habe sich daraus der Freizeitgarten entwickelt.
Heute engagierten sich viele Menschen nicht nur aus Freude am Gärtnern, sondern auch für den Erhalt der Artenvielfalt und zur Anpassung an den Klimawandel. Der Verband selbst wurde ursprünglich als Imker- und Gartenbauverband gegründet. Zu den prominentesten Gründungsmitgliedern gehörte Sebastian Kneipp.
Weniger Obstsorten als früher
Wie stark sich die Gartenkultur verändert hat, zeigt ein Blick auf die Sortenvielfalt. Im Jahr 1841 gab es in deutschen Gärten 1.421 Apfelsorten und 841 Birnensorten. 2021 wurden dagegen noch 305 Apfel- und 117 Birnensorten registriert.
„Der Sortenrückgang ist eine klare Folge der rückläufigen Bedeutung des Streuobstanbaus. Im modernen Erwerbsanbau spielt Sortenvielfalt keine große Rolle“, erklärt Brunner. Zeitweise sei die Reduzierung der Sorten im Streuobstanbau sogar staatlich gefördert worden. Dadurch sei viel genetische Vielfalt verloren gegangen.
Inzwischen habe sich dieser Trend durch verschiedene Sortenerhaltungsprojekte zumindest stabilisiert. Allein in den vergangenen fünf Jahren wurden in den Landkreisen Lindau, Ober-, Ost- und Unterallgäu rund 5.000 Streuobstbäume gepflanzt. Dass dennoch bislang unbekannte Sorten entdeckt werden könnten, hält Brunner für sicher: „Zu 100 Prozent.“
Verband zählt mehr als 78.000 Mitglieder
Seine größten Mitgliederzahlen erreichte der Verband in den 1970er- und 1980er-Jahren, als zahlreiche Gartenbauvereine gegründet wurden.
Heute gehören dem Schwäbischen Bezirksverband zwölf Kreis- und Stadtverbände mit insgesamt 485 Vereinen und 78.444 Mitgliedern an. Die Aufgaben hätten sich laut Brunner im Kern nicht verändert. Der Verband verstehe sich weiterhin als Interessenvertretung seiner Mitglieder gegenüber Verbänden, Institutionen und der Politik.
Tipps für trockene Sommer
Angesichts zunehmender Hitze empfiehlt der Gartenexperte vor allem richtiges Gießen. Sinnvoll sei es, den Boden alle zwei Tage am frühen Morgen intensiv zu wässern, statt täglich nur geringe Mengen zu verteilen. So würden Pflanzen tiefere Wurzeln ausbilden.
Wichtig sei außerdem, nicht die Pflanze selbst, sondern den Boden im Wurzelbereich zu bewässern. Gegen Verdunstung helfe eine geschlossene Bepflanzung oder eine Mulchschicht. Gleichzeitig schütze diese den Boden vor UV-Strahlung, auf die wichtige Bodenorganismen empfindlich reagieren. Auch ein Windschutz könne helfen, da Wind den Boden zusätzlich austrockne.
Naturnahe Gärten liegen im Trend
Nach dem „furchtbaren Trend der Steinwüsten hat inzwischen Gott sei Dank ein Umdenken stattgefunden“, sagt Brunner. Viele Gartenbesitzer wollten ihre Flächen heute möglichst naturnah gestalten.
Dabei komme es nicht auf die Größe an. „Selbst auf einen Balkon kann ich mit entsprechendem Wissen ein kleines Paradies gestalten.“
Von Thuja, Rhododendren und Azaleen rät der Fachmann dagegen ab, da diese Pflanzen Trockenheit schlecht vertragen. Wer Hortensien pflanzen möchte, solle Rispenhortensien den Bauernhortensien vorziehen. Ebenfalls geeignet seien Gräser sowie trockenheitsverträgliche Präriepflanzen wie Rudbeckien. Auch viele Stauden kämen mit den veränderten Bedingungen gut zurecht. Zwar seien deren Blätter und Blüten oft weniger üppig, dafür benötigten sie deutlich weniger Wasser.
Wanderausstellung zum Jubiläum
Zum 150-jährigen Bestehen des Schwäbischen Bezirksverbands für Gartenbau und Landespflege zeigt die Heimatpflege die Wanderausstellung „In Schwaben verwurzelt“.
Die Ausstellung ist bis 31. August im Museum der Gartenkultur im Schokoladenhaus, Jungviehweide 1 in Illertissen, zu sehen. Der Eintritt ist frei. Geöffnet ist dienstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr sowie sonntags von 11 bis 17 Uhr, an Feiertagen bleibt das Museum geschlossen.
Ab September 2026 kann die Ausstellung kostenlos zur Ausleihe angefragt werden.
Heimatkundliches Dokumentationszentrum lädt zum Recherchieren ein
Das Heimatkundliche Dokumentationszentrum des Landkreises Lindau in Weiler im Allgäu bewahrt umfangreiche Bestände zur Regional- und Heimatgeschichte. Dazu gehören unter anderem mehr als 5.000 heimatkundliche und geschichtliche Bücher und Zeitschriften, Nachlässe, Fotos, Ansichtskarten, historische Karten, Zeitungsbände ab 1854 sowie Amts-, Regierungs-, Gesetz- und Verordnungsblätter.
Interessierte können per E-Mail [email protected] einen Termin vereinbaren oder den kostenlosen Newsletter abonnieren. Dieser informiert künftig über Neuigkeiten und Neuerwerbungen des Dokumentationszentrums.
(Quelle: Landratsamt Lindau)