Der „Ländlebus“ nach Niederstaufen stellt ein Musterbeispiel für länderübergreifende Zusammenarbeit in der Region dar. Nun haben sich die Beteiligten auf eine weitere Angebotsverbesserung geeinigt – ein neuer Halbstundentakt soll dabei helfen, zusätzliche Fahrgäste zu gewinnen.
Gerade einmal 1,5 Kilometer trennen Niederstaufen (Gemeinde Sigmarszell) von der Landesgrenze nach Vorarlberg: Die Kuppe nach Südwesten bergab, die B 308 gekreuzt und auf der Brücke über die Leiblach hinweg, schon grüßen die rot-weißen Vorarlberger Landesfarben. Die Beziehungen zum österreichischen Nachbarn sind daher eng – das spiegelt auch das regionale ÖPNV-Netz wider.
Seit 2011 ist Niederstaufen durch zwei Linien des Landbusses Unterland, häufig als „Ländlebus“ bezeichnet, an die Vorarlberger Orte Hohenweiler, Hörbranz und den Bahnhof Lochau-Hörbranz angebunden. Werktags erledigt das die Linie 126 im Stundentakt bis circa 19:00 Uhr, in den Abendstunden und am Wochenende verkehrt stündlich die Linie 121.
Doch dieses Modell stand kürzlich auf der Kippe: Der Sigmarszeller Gemeinderat bemängelte in seiner April-Sitzung, dass die Fahrgastzahlen im gesamten letzten Jahrzehnt nicht gestiegen seien. Die 20.000 Euro, die die Gemeinde jährlich für die Anbindung Niederstaufens an den Landbus Unterland zahlt, wurden daher auf den Prüfstand gestellt; zumal der Ort durch die neue Linie 16 des Landkreises Lindau (Bodensee) seit Dezember 2023 einen deutlich besseren Anschluss erhalten hat – und in Lindau über den Bahnhof Reutin auch gut an die Schiene angebunden wurde.
Zugleich gab es aber auch Stimmen im Gemeinderat, die für den Erhalt des Ländlebusses plädierten und in ihm eine direkte und somit schnelle Anbindung an Vorarlberg sehen.
Man einigte sich schließlich darauf, in Gespräche mit dem Landkreis Lindau (Bodensee) zu gehen, um auszuloten, welche Möglichkeiten es gebe, dem Ländlebus doch noch einmal neues Leben einzuhauchen.
„Wir alle – Gemeinde, Landkreis und der Landbus Unterland – waren daran interessiert, den ÖPNV noch attraktiver für Niederstaufen zu gestalten, um neue Fahrgäste zu gewinnen“, sagt Vanessa Pfeifle, im Landkreis Lindau (Bodensee) für den ÖPNV zuständig.
Konkret sind folgende Änderungen geplant: Die Linie 121, die bis dato nur in den Abendstunden und am Wochenende bis Niederstaufen verkehrt, soll zukünftig mit jedem Kurs Niederstaufen bedienen – also auch untertags an Werktagen. Und das zeitversetzt um 30 Minuten zur Linie 126, sodass im Ergebnis von Montag bis Samstag ein Halbstundentakt zwischen Niederstaufen und Lochau-Hörbranz entsteht. Einzig in der Morgenspitze um circa 7:30 Uhr kann der Takt nicht gehalten werden, da hier die Fahrzeuge an anderer Stelle im Schülerverkehr benötigt werden. Das bisherige Angebot in den Abendstunden von ca. 20:00 – 22:00 Uhr und an Sonntag bleibt zudem im bisherigen Stundentakt erhalten.
Vorteile sieht der Landkreis in dem verdichteten Busangebot von und nach Niederstaufen vor allem in der Stärkung der Verbindung des Westallgäus. Für Berufspendler und für den touristischen Verkehr ergeben sich neue Möglichkeiten: „Durch die halbstündliche Verbindung ergeben sich ideale Umsteigebedingungen auf die stündliche Linie 21“, erläutert Vanessa Pfeifle. Die Linie 21 ist die Hauptachse des neuen ÖPNV-Konzepts im Landkreis Lindau (Bodensee) und bietet eine komfortable Verbindung zwischen Lindau und den Westallgäuer Orten Scheidegg, Lindenberg und Weiler.
Niederstaufen und die Orte im Westallgäu sind damit besser vernetzt. Ebenso relevant ist die weitere Vernetzung mit Vorarlberg; eine Fortsetzung der Bestrebungen, den grenzüberschreitenden Busverkehr zu fördern – wie beispielsweise durch die Einführung der Linie 821 (Bregenz – Langen – Scheidegg/Weiler) und Linie 129 (Lochau-Hörbranz – Lindau) bereits erfolgreich geschehen. Auch werden durch die Busachse der Linie 121 mehrere große Arbeitgeber in Lochau angefahren.
Die Umsetzung des verbesserten Angebots in Niederstaufen soll bereits zum 14. Dezember dieses Jahres erfolgen, dann steht der nächste große Fahrplanwechsel an. Dass es so schnell klappt, liegt auch daran, dass die Kosten nur unwesentlich steigen. Zusätzliche Busse und Busfahrer werden nicht benötigt, vorhandene Ressourcen können sinnvoll genutzt und das ÖPNV- System somit ohne großen Mehraufwand optimiert werden.
Die Kosten teilen sich die Gemeinde und der Landkreis zu jeweils 50 Prozent. Glücklich sind mit dieser Lösung beide Seiten: „Damit kann verhältnismäßig preiswert eine sinnvolle Anpassung und Integration in das neue ÖPNV- Konzept erzielt werden“, zeigt sich Vanessa Pfeifle aus dem Landratsamt zufrieden. Die weitere Entwicklung der Linie werde man natürlich im Auge behalten. Auch der Gemeinderat Sigmarszell hat der Kostenbeteiligung bereits zugestimmt.
(Pressemitteilung: Landratsamt Lindau)