Der „Spirit of Lindau“ lebt weiter 74. Lindauer Nobelpreisträgertagung offiziell eröffnet

74. Lindauer Nobelpreisträgertagung offiziell eröffnet
Bettina Gräfin Bernadotte eröffnet als Präsidentin des Kuratoriums feierlich die 74. Lindauer Nobelpreisträgertagung.

Am Sonntagnachmittag hat Bettina Gräfin Bernadotte af Wisborg als Präsidentin des Kuratoriums die 74. Lindauer Nobelpreisträgertagung in Anwesenheit von 33 Nobelpreisträgern und 615 Nachwuchswissenschaftlern aus mehr als 80 Ländern sowie zahlreicher Ehrengästen und Medienvertretern in der Lindauer Inselhalle eröffnet. Alle Festredner betonten und lobten den außergewöhnlichen „Spirit of Lindau“, den einzigartigen Geist, der die Lindauer Tagung umweht. Auf die Teilnehmer warten hochspannende Begegnungen in der Welt der Wissenschaft.

Die jungen Wissenschaftler (49% weiblich, 51% männlich) stammen aus Ländern wie USA (59), China (73), Indien (84), Deutschland (92) und vielen anderen von Argentinien bis Vietnam. Zwei stammen aus dem Iran, sieben aus Israel und drei aus der Ukraine.

Die Lindauer Nobelpreisträgertagungen finden jährlich statt, mit wechselnden disziplinären Schwerpunkten (Physik, Chemie, Medizin/Physiologie). Alle drei Jahre versammelt zusätzlich die Lindauer Tagung für Wirtschaftswissenschaften junge Ökonomen und Preisträger in Lindau. So auch heuer vom 26. bis zum 30. August.

Die 74. Lindauer Nobelpreisträgertagung widmet sich schwerpunktmäßig Themen der Chemie. Junge Wissenschaftler, die aus diesem Bereich ausgewählt worden waren und an der digitalen Tagung teilgenommen hatten, wurden eingeladen, vom 29. Juni bis zum 4. Juli 2025 vor Ort dabei zu sein. Zusätzlich reisen die in einem strengen Bewerbungsverfahren aus mehreren Tausend Interessenten ausgewählten Nachwuchswissenschaftlern – sozusagen handverlesen – ebenfalls nach Lindau.

Interaktive Diskussion mit Nobelpreisträgern bei der 74. Lindauer Tagung – mit farbigen Karten wird abgestimmt.
Interaktive Diskussion mit Nobelpreisträgern bei der 74. Lindauer Tagung – mit farbigen Karten wird abgestimmt.

Es geht unter anderem um die Nutzung der Künstlichen Intelligenz, um Nachhaltigkeit und die Wissenschaftsdiplomatie. Auf den Lindauer Nobelpreisträgertagungen treffen talentierte Nachwuchswissenschaftler aus der ganzen Welt auf Nobelpreisträger mit all ihrer fachlichen Exzellenz und Lebenserfahrung und diskutieren zu aktuellen Themen und in unterschiedlichsten Formaten. Eine höchst spannende Konstellation.

Die „geballte Intelligenz“ der Welt zu Gast in Lindau

In den darauffolgenden Tagen wird die Stadt am und im Bodensee die wohl höchste Dichte an Nobelpreisträgern aufweisen, die jenseits der eigentlichen Verleihungen in Schweden zu erreichen ist: 33 Preisträgerinnen und -träger haben für die diesjährige Tagung zugesagt. Die „geballte Intelligenz der Welt“ ist in dieser Woche sozusagen zu Gast am Bodensee.

Die Tagung bietet Preisträger*innen und jungen Forscher*innen aus der ganzen Welt ein perfektes und einzigartiges Forum, um sich über ihre Arbeit auszutauschen – eine auf der Welt einmalige Plattform.

Lindauer Tagung soll Hoffnung auf eine besser Zukunft machen

Am frühen Nachmittag eröffnete Bettina Gräfin Bernadotte af Wisborg als Präsidentin des Kuratoriums die 74. Lindauer Nobelpreisträgertagung: „Wir sind fest davon überzeugt, dass größere Vielfalt uns hilft, unser Motto „Lehren, Inspirieren und Vernetzen“ effektiver zu erreichen. Darüber hinaus sehen wir um uns herum eine Welt voller Kriege, Krisen und Konflikte. Lassen Sie uns daher diese Lindauer Nobelpreisträgertagung zu einem Statement der Hoffnung und des Glaubens an eine bessere Zukunft machen. Diese Überzeugung basiert auf der Kraft des Austausches zwischen Kulturen und Generationen, Religionen und politischen Sichtweisen“.

Forschungspolitik zu Gast bei der Eröffnung

Dorothee Bär (CSU), Bundesministerin für Bildung und Forschung, war erstmals in Lindau dabei. Sie betonte in Ihrem Grußwort die Wichtigkeit dieser Tagung für den globalen Zusammenhalt. Gleichzeitig ermunterte sie Wissenschaftler aus aller Welt, die in ihrer Forschungsarbeit nicht völlig frei handeln könnten oder gar behindert würden, nach Deutschland zu kommen, wo sie optimale Bedingungen vorfänden.

Bundesministerin Dorothee Bär bei ihrem ersten Auftritt auf der Lindauer Nobelpreisträgertagung.
Bundesministerin Dorothee Bär bei ihrem ersten Auftritt auf der Lindauer Nobelpreisträgertagung.

Eva-Maria Holzleitner: „Treffen in Lindau sind einzigartig“

Holzleitner, ebenfalls ein neues Gesicht bei der Lindauer Tagung, österreichische Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Forschung, überbrachte die Grüße der Österreichischen Bundesregierung: „Diese jährlichen Treffen sind einfach einzigartig und bieten jungen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen die Gelegenheit, ihre Ideen mit ihren Idolen zu diskutieren. Es ist der Enthusiasmus junger Wissenschaftler, der andere inspiriert und motiviert, ihre Interessen zu erkunden.“

Eva-Maria Holzleitner, Österreichs Bildungsministerin, spricht über die Bedeutung internationaler Wissenschaftsdialoge.
Eva-Maria Holzleitner, Österreichs Bildungsministerin, spricht über die Bedeutung internationaler Wissenschaftsdialoge.

Frances H. Arnold überbrachte herzliche Grüße und Glückwünsche im Namen der versammelten Laureaten, Astrid Söderbergh Widding, die der Nobel Foundation aus Stockholm.

Wissenschaftliches Programm bis kommenden Freitag

Die Lindauer Nobelpreisträgertagungen versammeln in einer bemerkenswerten und einzigartigen Weise weltweit anerkannte und geschätzte Grundlagenforscher mit der nächsten Generation an wissbegierigen und hoch motivierten Nachwuchswissenschaftlern. So können bis zum kommenden Freitag weltweit die klügsten Köpfe mit jungen Forschern gemeinsam über wissenschaftliche Erkenntnisse diskutieren.

Die Eröffnung wurde mit allerfeinsten musikalischen Darbietungen durch ein gemischtes Quartett der Wiener Philharmoniker stimmungsvoll begleitet.

Inspirierende Vorträge und Podiumsdiskussionen

Die Vorträge, die während der Lindauer Tagungen gehalten werden, sind nicht nur äußerst inspirierend und motivierend, sondern zeichnen sich auch durch eine anschauliche Darstellung der Inhalte aus. Nobelpreisträger stellen aktuelle Forschungsergebnisse vor, erläutern ihre eigenen historischen Forschungen oder schärfen das Bewusstsein für grundlegende Themen und Fragestellungen.

Erfahrungs- und Wissensaustausch in kleinen Gruppen

Bei den Lindauer Tagungen erhält jeder Nobelpreisträger die Möglichkeit zum Austausch mit den Nachwuchswissenschaftlern in kleineren Gruppen. Die informelle und offene Atmosphäre der „Open Exchanges“ ermöglicht persönliche Fragen, kontroverse Diskussionen, aber auch vertiefende Analysen.

Austausch auf Augenhöhe: Junge Forschende im Gespräch während der Lindauer Nobelpreisträgertagung.
Austausch auf Augenhöhe: Junge Forschende im Gespräch während der Lindauer Nobelpreisträgertagung.

Hochkarätig besetzte Podiumsdiskussionen, die aktuelle und relevante Themen zum Inhalt haben, sind ein wesentlicher Bestanteil der Lindauer Tagungen. Durch die aktive Teilnahme der Nobelpreisträger an diesen Diskussionen werden fundierte Ein- und Ausblicke in den Stand der Forschung in den verschiedensten Bereichen vermittelt.

Aber auch auf gesellschaftlicher Ebene, so bei der Party „Grill & Chill“ im Toskanapark oder beim Bayerischen Abend in der Inselhalle, kann man sich noch besser kennenlernen und sich austauschen.

Einzigartiger wissenschaftlicher Dialog seit 1951

Seit 1951 bieten die Lindauer Nobelpreisträgertagungen ein einzigartiges internationales Forum, das den wissenschaftlichen Dialog zwischen den Generationen und Kulturen fördert.

Zwei Lindauer Ärzte hatten die Idee, Wissenschaftler und Nobelpreisträger aus ganz Europa zusammenzubringen. Sie zielten darauf ab, die wissenschaftliche Isolation Deutschlands zu beenden. Franz Karl Hein und Gustav Wilhelm Parade wandten sich mit der Bitte um Unterstützung an Graf Lennart Bernadotte auf der Insel Mainau, Mitglied des schwedischen Königshauses, der von ihrer Idee begeistert war und wertvolle Kontakte beitrug. Sein Großvater hatte 1901 die ersten Nobelpreise an die Preisträger überreicht. Ziel der Tagung war, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wieder zusammenzubringen und den Dialog nach dem Zweiten Weltkrieg neu zu beginnen.

Der Traum lebt weiter

Im Zeitalter globaler Herausforderungen lebt die Mission der Lindauer Nobelpreisträgertagungen weiter. „Educate. Inspire. Connect“ – das Motto der Tagungen – ist wichtiger und relevanter denn je. Vor mehr als 70 Jahren hatten die Gründer einen Traum und dieser Traum lebt in den Wissenschaftlern und Nobelpreisträgern der Zukunft weiter. Der „Spirit of Lindau“ lebt weiter.

Weitere Infos sowie das komplette Programm unter www.lindau-nobel.org

(Bilder: Lindauer Nobel-Büro / Torben Nuding)