„Klein aber fein“ 162. Internationale Bodensee-Kunstauktion bei Michael Zeller

162. Internationale Bodensee-Kunstauktion bei Michael Zeller
Michael Zeller präsentiert ab Donnerstag die 162. Auflage der Internationalen Bodensee-Kunstauktion. (Bild: Wilfried Vögel)

Am Donnerstag startet die 162. Auflage der Internationalen Bodensee-Kunstauktion. Besichtigen kann man die 1.290 Exponate vom 10. bis zum 14. Oktober täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr im alten Patrizierhaus auf der Lindauer Insel in der Bindergasse 7. Online versteigert der erfahrene „Kunst-Profi“ dann vom 16. bis zum 18. Oktober.

Unschätzbare Erfahrung und enorme Sachkenntnis seit 56 Jahren

Seit 56 Jahren ohne Unterbrechung auf der Lindauer Insel! Für Michael Zeller eines der Erfolgsgeheimnisse seiner erfolgreichen, viel beachteten Kunstauktionen. Weit mehr als eine halbe Million Kunstgegenstände dürften nach seiner vorsichtigen Schätzung in 56 Jahren durch seine Hände gegangen sein. Dahinter steckt jede Menge unschätzbarer Erfahrung und Sachkenntnis.

Michael Zeller ist sicher: „Einer der Gründe, warum mir längst auch die Nachfahren der treuen Stammkunden von früher ihr Vertrauen schenken“.

Ein bisschen stolz ist der Grandseigneur unter den deutschen Auktionatoren schon, wenn ihm Kunstwerke zur Versteigerung angeboten werden, die vor langer Zeit bereits in seinem Hause gekauft worden sind. Und wenn dann noch gleich eine ganze Sammlung aufgelöst wird und bei Michael Zeller landet, ist die Freude umso größer.

Kunstmarkt im Wandel

Der Kunstmarkt, so Michael Zeller, sei einem stetigen Wandel unterworfen. So rächt es sich derzeit, dass in Ländern wie England oder in den USA „alte Kunst“ lange Zeit geradezu sträflich vernachlässigt wurde. Zu Gunsten moderner Kunst, die zwar auch ihre Liebhaber hat, aber eben nicht nur.

Zeller kommt ins Grübeln, wenn er ein üppig mit Gold auf Schwarzlack bemaltes Nähkästchen betrachtet. Kaum fassbar, wie viel Handarbeit aber auch Handwerkskunst in einem solchen Möbel steckt. „Die Handarbeit wäre heutzutage kaum mehr bezahlbar“ so Michael Zeller. Der Ausrufpreis beträgt gerade mal 1.200,00 Euro.

Der Preisverfall bei Möbeln ist geradezu augenfällig. Ein Barock Aufsatzschrank, der 1740 in Sachsen gefertigt wurde, wird bei Zeller gerade mal für 1.950,00 Euro angeboten.

Gemälde in hoher Qualität

Auch das Angebot an Gemälden und Zeichnungen ist überschaubar, aber von hoher Qualität. Bemerkenswert ist ein Ölgemälde von Max Ackermann. Das Werk wird dem neusachlichen Klassizismus zugerechnet  und zeigt einen Sommertag am Bodensee (9.000,00 Euro).

Arnold Balwé steuert ein Ölbild, Platanenplatz in der Provence, bei. Balwé war Mitglied der Münchener Akademie und Schüler von Karl Caspar /8.800,00 Euro).

Einige bedeutende, niederländische Maler komplettieren das hochwertige Angebot, darunter Jan van Goyen (1596 Leiden – 1656 Haag). Das typische Werk zeigt eine Flusslandschaft mit Gehöft und stammt aus dem 17. Jahrhundert (12.00,00 Euro).

Anna Peters, eine bedeutende Württembergische Künstlerin, ist mit drei Werken vertreten. Peters war 1893 Gründerin des Württembergischen Künstlervereins.

„Spatzl“ Ruth Maria Kubitschek ist auch dabei

Bleibt man bei den Malerinnen, dann muss ein Bild erwähnt werden: Gemalt hat es die bekannte Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek 1998. Große Bekanntheit erlangte die unlängst verstorbene Künstlerin im Fernsehen u.a. in der Rolle der Annette von Soettingen alias „Spatzl“ in Helmut Dietls „Monaco Franze“. Der „Engel der Macht“ wird mit 400,00 Euro ausgerufen.

Komplette Rüstung eines Samurai

Bei den Waffen stechen zwei Helme ins Auge, beide sind vermutlich orientalischen Ursprungs und beeindrucken durch ihre außergewöhnlich Formgebung. Aus dem 18. Jahrhundert stammt eine komplette japanische Samurai-Rüstung mit Nackenschutz. Die passende Aufbewahrungskiste ist gleich mit dabei. Die Rüstung wird der Edo-Periode zugerechnet und wird für 3.000,00 Euro angeboten.

Breiten Raum nehmen hochwertige Asiatica ein, darunter ein außergewöhnliches Paar Cloisonné-Vasen.

Michael Zeller erläutert: „Das polychrome Email-Decor kam Ende des 19. Jh. in Europa und den USA in Mode. Die außergewöhnliche Form- und Farbgebung, verbunden mit der aufwändigen Handwerkskunst, erhielt jeweils bei der Weltausstellung in Philadelphia und Paris zahlreiche Auszeichnungen. Nicht umsonst, ist doch die dafür notwendige Handarbeit beträchtlich“.

Kabinettschrank mit Perlmutt und Elfenbein

Erwähnt werden muss auch ein japanischer Kabinettschrank mit verschiedenen Fächern, Schüben und Türen, alles mit Perlmutt und Elfenbeinschnitzerei auf dunklem Lack mit Goldbemalung (7.500,00 Euro).

A propos Elfenbein: Zeller ist stolz auf die angebotenen Elfenbeinschnitzereien, die allesamt älter als 1947 sein müssen. Sonst ließe die Kunstbehörde einen Verkauf gar nicht zu.

Schmuck und Juwelen, aber auch wertvolle Uhren befinden sich traditionell bei Michael Zeller im Angebot, in außergewöhnlicher Qualität und zu moderaten Preisen versteht sich.

Auffallend auch ein Satz von Brettspielsteinen. Die 14 brauen und 15 schwarzen Steine mit feinster Reliefschnitzerei zeigen Darstellungen von Monarchen, Feldherrn, Schlachten, Städten. Fabeln und verschiedenen Allegorien. Ein Vergleichsobjekt ist  im Katalog des Kunsthistorischen Museums Wien beschrieben.

Freier Eintritt in Zellers „Museum auf Zeit“ – alles mit viel Liebe zum Detail präsentiert

Porzellan, Glas Steinzeug, Silber, Bücher und vieles mehr komplettieren das überschaubare aber hochwertige Angebot, das man sonst nur in ausgewählten Museen bei teurem Eintritt finden dürfte. Der ist bei Michael Zeller wie immer frei.

Zeller resümiert: „Kaum vorstellbar, wie viel Arbeit hinter dieser Präsentation steckt. Alles wird detailgenau beschrieben, fotografiert und dann mit unendlich viel Geschmack, Gespür und natürlich Liebe zum Detail dekoriert“.

Vielleicht eines der Geheimnisse seines Erfolges nach 56 Jahren am selben Platz.

(Bilder: Wilfried Vögel)