Museum Konstanz: Steinzeit-Kaugummis, die es echt in sich haben

Museum Konstanz: Steinzeit-Kaugummis, die es echt in sich haben
Drei dunkle Brocken, die Geschichte schreiben: Kaugummis aus der Steinzeit. (Bild: Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg/Foto: Manuela Schreiner)

Kaugummis kaut man und spuckt sie wieder aus. Findet man aber einen Kaugummi aus der Steinzeit, können Forscher spannende Informationen entdecken. Ein Highlight im Museum in Konstanz sind ein paar schwarze Klumpen, die am Bodensee gefunden wurden.

Jeder Deutsche kaut im Schnitt rund 100 Kaugummis im Jahr. Dabei sind Kaugummis keine neue Erfindung: Schon in der Jungsteinzeit kauten die Menschen – allerdings Birkenharz. Die alten Griechen bissen auf dem Harz des Mastixbaumes herum und die Mayas nutzten Chicle, den milchigen Saft des Breiapfelbaums.

Der US-Amerikaner Thomas Adams gilt als Vater des Kaugummis: Er mischte im 19. Jahrhundert Chicle mit Zucker und begann 1872 mit der industriellen Herstellung des Verkaufsschlagers „Adams New York No. 1“.

Zahnabdrücke wurden nachgewiesen

Im Archäologischen Landesmuseum in Konstanz sind in der Pfahlbauten-Dauerausstellung drei schwarze Bröckelchen aus Birkenpech (3917 – 3909 v. Chr.) die Besonderheit. Sie stammen aus der Siedlung Hornstaad bei Gaienhofen am Bodensee.

An den kleinen Pechklumpen wurden Zahnabdrücke nachgewiesen. Nach der Analyse der Zahnabdrücke wurden die Pechklümpchen in Hornstaad überwiegend von jüngeren Erwachsenen gekaut. Die Gründe für das kauen sind vielfältig. Entweder wurden sie zur späteren Weiterverwendung als Klebstoff und Dichtungsmittel durch kauen weichgehalten oder auch aus therapeutischen Gründen gekaut.

Schmeckten leicht teerig

Das Birkenpech gilt als antibakteriell ebenso wird ihm eine heilende Wirkung nachgesagt. Durch ätherische Öle wirkt es aber auch leicht berauschend bzw. beruhigend. Daher könnte es auch sein, dass man die Klumpen aus diesem Grund kaute. Experimentalarchäologische Versuche bestätigen die Wirkung sowie den Geschmack.

Er wird als teerig mit Rauchfleischaroma umschrieben. Birkenpech entsteht als eine schwarze, teerartige Klebemasse mit Hilfe der trockenen Destillation aus Birkenrinde unter Luftabschluss bei ca. 400°C.

„Welt der Pfahlbauten“

Die Dauerausstellung „Welt der Pfahlbauten“ in Konstanz, Benediktinerplatz 5, präsentiert sich im modernen Outfit und beleuchtet nach den neuesten Forschungsergebnissen Handelskontakte, Wirtschaftsweisen, Lebensgewohnheiten und Kult in der stein- und bronzezeitlichen Pfahlbauzeit. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, Feiertage 10 bis 17 Uhr, Montag geschlossen.

(Quelle: Archäologischen Landesmuseum in Konstanz)