Die IG BAU Südbaden lehnt die Pläne der Bundesregierung zur Aufweichung des Acht-Stunden-Tags ab. Die Gewerkschaft sieht dadurch die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten auf Baustellen gefährdet.
Die Fachgruppe des Bauhauptgewerbes im Bezirk Südbaden der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) spricht sich entschieden gegen Überlegungen der Bundesregierung aus, den gesetzlichen Acht-Stunden-Tag aufzuweichen und durch längere tägliche Arbeitszeiten zu ersetzen.
Gewerkschaft warnt vor Risiken
David Vetter, Fachgruppenvorsitzender und Polier im Hochbau, kritisiert die Pläne deutlich.
„Wer behauptet, längere Arbeitstage seien ein Fortschritt, hat entweder noch nie einen Tag auf einer Baustelle gearbeitet oder ignoriert bewusst die Realität der Beschäftigten. Unsere Kolleginnen und Kollegen bauen Straßen, Brücken, Häuser und die Infrastruktur dieses Landes. Sie arbeiten bei Hitze, Kälte, Regen und unter hohem Zeitdruck. Nach acht Stunden lässt die Konzentration nach. Wer das nicht anerkennt, spielt mit der Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten.“
Gerade im Bauhauptgewerbe, wo körperlich anspruchsvolle Arbeit, hohe Unfallrisiken und wechselnde Witterungsbedingungen zum Arbeitsalltag gehörten, wären längere Arbeitstage aus Sicht der Gewerkschaft ein Schritt in die falsche Richtung. Bereits heute leisteten viele Beschäftigte erhebliche Mehrarbeit. Produktivität entstehe nicht durch längere Arbeitstage, sondern durch gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und ausreichend Personal.
Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen
Auch die Begründung, längere tägliche Arbeitszeiten würden die Wirtschaft stärken, weist David Vetter zurück.
„Man verkauft uns diese Pläne als mehr Flexibilität. Ich nenne das beim Namen: Es ist der Versuch, den Arbeitstag weiter auszudehnen und die Last der wirtschaftlichen Probleme auf die Schultern der Beschäftigten abzuwälzen. Wenn Unternehmen Fachkräfte suchen, dann brauchen wir bessere Arbeitsbedingungen und faire Löhne – keine längeren Arbeitstage.“
Die Fachgruppe des Bauhauptgewerbes Südbaden fordert die Bundesregierung auf, die bestehenden Schutzrechte der Beschäftigten nicht anzutasten. Statt über längere Arbeitszeiten zu diskutieren, müsse die Politik stärkere Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel und die sinkende Tarifbindung ergreifen.
„Wer den Wirtschaftsstandort stärken will, muss die Menschen stärken, die jeden Tag arbeiten. Gesundheitsschutz und gute Arbeitsbedingungen dürfen nicht den Interessen kurzfristiger Gewinnsteigerungen geopfert werden“, sagt Hagen Granzin, Stuckateurmeister und Mitglied des Bezirksvorstands der IG BAU Südbaden.
(Quelle: Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt)