Zwischen Familie und Beruf Traumnote 1,0: Pflegerin aus Brochenzell beeindruckt
Martina Wilhelm aus Brochenzell hat ihr Pflegestudium mit der Note 1,2 abgeschlossen. Für ihre Bachelor-Arbeit zum Hitzeschutz älterer Menschen erhielt sie sogar eine 1,0.

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Beruf, Familie und Studium unter einen Hut zu bringen, erfordert Organisation. Martina Wilhelm aus Brochenzell hat diese Herausforderung gemeistert und ihr Pflegestudium an der Hochschule Ravensburg-Weingarten mit der Gesamtnote 1,2 abgeschlossen. Für ihre Bachelor-Arbeit über den Schutz älterer Pflegebedürftiger vor hitzebedingtem Schlafmangel erhielt sie sogar die Bestnote 1,0.
Die fast 45-jährige Martina Wilhelm arbeitet bei der Stiftung Liebenau und ist Mutter von zwei Kindern. Während ihres Studiums blieb sie weiterhin berufstätig und beschäftigte sich wissenschaftlich mit einem Thema, das unmittelbar aus ihrem Pflegealltag entstanden war: dem Umgang mit klimabedingten Hitzewellen in der ambulanten Versorgung älterer Menschen.
Bachelor-Arbeit untersucht Hitzeschutz in der Pflege
Den Anstoß für ihre wissenschaftliche Arbeit gab ein Hitzeschutzprojekt der Sozialstation St. Anna in Meckenbeuren im Jahr 2025. Daraus entwickelte Wilhelm das Thema ihrer Bachelor-Arbeit mit dem Titel „Pflegepraktische Maßnahmen gegen Schlafmangel infolge klimabedingter Hitzewellen bei älteren Pflegebedürftigen in der ambulanten Pflege“.
Die Fragestellung gewann durch den diesjährigen Hitzesommer zusätzlich an Aktualität. Wilhelm untersuchte, welche Hitzeschutzmaßnahmen in der Pflegepraxis angewendet werden und inwieweit deren Wirksamkeit wissenschaftlich überprüft ist.
Dabei stellte sie eine Forschungslücke fest. Zwar gebe es bereits zahlreiche praktische Maßnahmen, deren Wirksamkeit sei jedoch nicht immer ausreichend wissenschaftlich belegt.
„Vieles läuft gut, aber es wäre interessant, die Wirksamkeit der Maßnahmen wissenschaftlich zu untermauern“, erklärt Wilhelm. Entsprechende Erkenntnisse könnten beispielsweise bei Entscheidungen über Investitionen in Hitzeschutzmaßnahmen hilfreich sein.
Vom Operationssaal zum Pflegestudium
Martina Wilhelm ist ausgebildete Krankenschwester und war früher im Operationsbereich tätig. Im Jahr 2018 wechselte sie zur Stiftung Liebenau und begann bei der Sozialstation St. Anna in Meckenbeuren zu arbeiten.
Die familienfreundlichen Arbeitszeiten in der ambulanten Pflege ermöglichten es ihr, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren.
Im Jahr 2023 entschied sie sich für den dualen Bachelor-Studiengang Pflege an der Hochschule Ravensburg-Weingarten (RWU). Ihre Kinder waren damals sieben und zehn Jahre alt.
„Ich wollte keine Praxisflucht begehen, sondern mein Wissen erweitern, um die Situation von Pflegebedürftigen verbessern zu können“, erklärt sie ihre Motivation.
Das Studium veränderte ihre Sicht auf den Pflegeberuf. „Durch das Studium bekam ich einen ganz anderen Blick auf die Pflege, als ich vorher hatte. Es war eine echte Horizonterweiterung.“
Studienabschluss nach sechs Semestern
Aufgrund ihrer langjährigen Berufserfahrung konnte Wilhelm das Grundstudium auf ein Jahr verkürzen und ihren Bachelor-Abschluss bereits nach sechs Semestern erreichen.
Mit ihrer Bachelor-Arbeit erzielte sie die Note 1,0, das gesamte Studium schloss sie mit der Gesamtnote 1,2 ab.
Eine weitere Besonderheit war der Altersunterschied zu ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen. Wilhelm war die zweitälteste Studierende im Hörsaal. Den Austausch mit den jüngeren Studierenden empfand sie als Bereicherung.
„Ich habe viel von den jüngeren Studierenden gelernt. Sie hinterfragen viel und haben andere Perspektiven. Deshalb war der Austausch mit ihnen eine große Bereicherung für mich“, berichtet sie.
Beruf und Studium gleichzeitig gemeistert
Neben dem Studium und ihrer Familie übernahm Wilhelm zusätzliche berufliche Verantwortung. Bereits im ersten Semester bot ihr die Stiftung Liebenau eine frei gewordene Teilzeitstelle im Case- und Care-Management des Service-Wohnens Meckenbeuren an.
Seitdem koordiniert sie unter anderem den Betreuungsdienst, die pflegerische Unterstützung durch die Sozialstation sowie die Aktivitäten innerhalb der Wohnanlage.
Außerdem besucht sie werktags sämtliche Bewohnerinnen und Bewohner und ist weiterhin in die direkte pflegerische Versorgung eingebunden.
Dass sie Familie, Beruf und Studium miteinander vereinbaren konnte, führt Wilhelm auch auf die Unterstützung ihres Arbeitgebers zurück.
„Das ging nur mit dem Rückenwind meiner Vorgesetzten. Deshalb bin ich der Stiftung Liebenau und insbesondere der Pflegedienstleitung Patricia Philips von der Sozialstation St. Anna Meckenbeuren sehr dankbar, dass sie mir diesen Weg ermöglicht haben“, betont sie.
Neue Aufgabe als Teamleitung in der Bodenseeregion
Nach ihrem erfolgreichen Studienabschluss möchte Martina Wilhelm ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse weiterhin unmittelbar in der Pflegepraxis einsetzen.
Künftig übernimmt sie die Teamleitung für das Angebot Service-Wohnen in der Region Bodensee. In dieser Funktion wird sie ihr Wissen an die Kolleginnen der drei Einrichtungen weitergeben.
Dabei möchte sie insbesondere die Erkenntnisse aus ihrer Bachelor-Arbeit und ihrem Studium nutzen, um die Versorgung pflegebedürftiger Menschen und die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte weiterzuentwickeln.
„Ich möchte meine Bachelor-Arbeit und das Gelernte aus dem Studium aktiv und lösungsorientiert für die Stiftung Liebenau und den Berufsalltag einsetzen – zugunsten der pflegebedürftigen Menschen und der Pflegekräfte.“
Auch eine weitere akademische Qualifikation schließt Wilhelm nicht aus. Möglicherweise könnte auf den Bachelor-Abschluss noch ein Masterstudium folgen.
(Quelle: Stiftung Liebenau)
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Was bedeutet das?Transparenz
- Erstmals veröffentlicht
- 05.11.2026, 11:07 Uhr





