Bei Hitze wird eine harmlose Nierenkrankheit für Forellen tödlich. Eine neue Studie zeigt: Infizierte Fische suchen gezielt kühlere Flussabschnitte auf und retten sich so selbst.
Die heimische Bachforelle, eine Schlüsselart sommerkühler Fließgewässer, ist durch die Klimakrise stark gefährdet. Seit Kurzem steht sie erstmals auf der Roten Liste der gefährdeten Fischarten.
Besonders problematisch: Längere Hitzephasen mit Wassertemperaturen über 15 Grad Celsius können eine ansonsten harmlose Nierenerkrankung – die sogenannte PKD (Proliferative Kidney Disease) – in eine tödliche Fischkrankheit verwandeln. Bei jungen Forellen kann die Sterblichkeit in solchen Fällen bei nahezu 100 Prozent liegen.
Kühle schützt vor dem Tod
Wissenschaftler der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg (FFS), einer Außenstelle des Landwirtschaftlichen Zentrums Baden-Württemberg (LAZBW), haben nun einen bemerkenswerten Freilandnachweis erbracht. Aufbauend auf früheren Laborstudien untersuchten sie das Verhalten von Bachforellen in mehreren Flüssen des Landes – mit einem klaren Fokus: Suchen kranke Wildforellen gezielt kühlere Gewässerabschnitte auf, um ihre Überlebenschancen zu verbessern?
Tatsächlich konnten die Forscher anhand hochauflösender Bewegungsdaten individuell markierter Forellen nachweisen, dass die Fische bei sommerlicher Hitze aktiv kühlere Bereiche des Flusses aufsuchen. Besonders auffällig war dieses Verhalten bei Tieren, die mit dem PKD-Erreger infiziert waren. Die Ergebnisse der Studie wurden nun in der renommierten Fachzeitschrift Freshwater Biology veröffentlicht.
„Kälte-Therapie“ statt Fieber
Der Nachweis gilt als weltweit erster Beleg dafür, dass erkrankte Wildfische in der freien Natur eine Art Selbstheilung betreiben – wenn das Gewässer entsprechende Rückzugsräume bietet. Dieses Verhalten, das Fachleute als „Kälte-Suche“ bezeichnen, steht im Gegensatz zur bei vielen Tieren verbreiteten Reaktion des „Wärme-Fiebers“, bei dem der Organismus Fieber einsetzt, um Krankheitserreger zu bekämpfen.
Flüsse müssen kühl und durchlässig bleiben
Die Studie macht deutlich, wie wichtig es ist, Flüsse naturnah zu erhalten: Aufstauungen müssen vermieden, kühlende Uferbeschattung und natürliche Wassereintritte geschützt werden. Ebenso entscheidend ist die Durchgängigkeit der Fließgewässer – nur dann können Fische kühlere Abschnitte erreichen. In Hitze- und Dürreperioden muss zudem sichergestellt sein, dass ausreichend Wasser im Fluss verbleibt.
So können Bachforellen und andere kälteliebende Fischarten auch künftig in der Natur überleben – trotz fortschreitendem Klimawandel.
Dieser Beitrag wurde unter Mitwirkung eines KI-Systems erstellt und von der Redaktion geprüft.
(Quelle: Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg)