Bodenseefischerei: Drei Jahre ohne Felchen und unzählige Kormorane

Bodenseefischerei: Drei Jahre ohne Felchen und unzählige Kormorane
Die aktuell noch 53 Berufsfischer am Bodensee-Obersee versuchen, den Wegfall der Felchen auszugleichen, in dem sie die verschiedenen Cypriniden Arten, die zahlreich im See vorkommen, in den Fokus der Vermarktung richten // Symbolbild. (Bild: picture alliance/KEYSTONE | GIAN EHRENZELLER)

Anfang der 80er Jahre lebten rund 200 Fischerfamilien nur von der Fischerei, aktuell fischen gerade mal noch 53 Berufsfischer am Bodensee-Obersee. Seit dem 1. Januar 2024 ist es tabu, Felchen, das Aushängeschild der Bodenseefischerei, zu fangen. Rotaugen sollen den Rückgang der Felchen kompensieren.

Einen Wildfisch aus dem Bodensee gibt es bei den Bodensee-Berufsfischern nach wie vor, trotz des Fangverbotes und Medienberichten, die dies oft anders dargestellt haben, heißt es im aktuellen Jahresbericht der Genossenschaft der Bayerischen Bodensee Berufsfischer. Die aktuell noch 53 Berufsfischer am Bodensee-Obersee versuchen, den Wegfall der Felchen auszugleichen, in dem sie die verschiedenen Cypriniden Arten, die zahlreich im See vorkommen, in den Fokus der Vermarktung richten.

„Ursachen waren vorhersehbar“

Vor allem im Bayerischen Teil des Sees spielt hier das Rotauge, die fast die Hälfte des Bayerischen Fangertrages ausmachen, eine bedeutende Rolle. Im Angebot stehen bei den verschiedenen Fischereibetrieben im Privatverkauf aber auch Barsche (auch Egli od. Kretzer genannt), Zander, Hecht, Wels, Schleie, Karpfen und die zahlreichen Veredelungsprodukte wie Fischsalate, Bodensee-Matjes oder „selbstgeräucherte“ Fische.

Die Ursachen für die massiven Veränderungen der Fang-Erträge über die letzten 20 Jahre sind für die Berufsfischer eindeutig: Weniger Futter, weniger Felchen, weniger Laich, eine sukzessive Rückwärtsentwicklung über die letzten 20 Jahre. Bereits vor 10 Jahren haben die Berufsfischer mit Ihrer Aktion „Rettet den Bodensee – Ein Juwel hungert“ darauf aufmerksam gemacht, was der Nahrungsmangel im Bodensee für den Felchen Bestand bewirkt. Niemand der Verantwortlichen sowie die Politik hatte die Berufsfischer damals ernst genommen. Das eingetroffene Dilemma war für die Berufsfischer absolut vorhersehbar!

5. Internationale Bodensee-Rotaugenwochen

Der Abwärtstrend der Berufsfischer-Fänge hält an und ist direkt auf die Entwicklung des Felchen Bestandes zurückzuführen. Mit den Internationalen 5. Bodensee-Rotaugenwochen – sie gehen noch bis zum 21. April 2024 – versuchen die Berufsfischer in Zusammenarbeit mit dem DBT, den Tourist Büros und den Gastronomiebetrieben die Rotaugenprodukte am Bodensee bekannter zu machen und den Rückgang der Felchen damit zu kompensieren. Erfreulich ist die Entwicklung beim Wels-Ertrag, der Vorjahres Rekord konnte nochmals leicht gesteigert werden, auch bei der Seeforelle stiegen die Fänge leicht gegenüber dem Vorjahr.

Kormorane sind ein großes Problem

Mit dem 3-jährigen Fangverbot auf Felchen, sprich dem Verbot auf „hoher See“ zu fischen, kommt anderen Fischarten eine immer größere Bedeutung zu. Aber am ufernahen Gebiet kämpfen die Berufsfischer mit einem weiteren unsäglichen Problem, mit bis zu 7.000 Kormoranen. Diese gehen dort sehr erfolgreich auf die Jagd – auf Barsche, Rotaugen und was ihnen sonst noch vor dem Schnabel kommt, auch auf die vom Aussterben bedrohte Arten wie den Felchen oder die Äsche.

Die Baden-Württembergische Landesregierung will Anfang 2025 ein Interreg-Projekt für ein internationales Kormoranmanagement starten. Mit Spannung sehen die Fischer dem entgegen, denn es ist für die Fischerei und die Fische bereits „5 nach 12“!

Bedenkt man, dass alle Berufsfischer am Bodensee-Obersee zusammen im Jahr 2023 nur noch 130 Tonnen Fisch gefangen und die Kormorane über 400 Tonnen Fisch ohne Schon-Zeit und Schon-Maß gefressen haben, wird das Ausmaß der Problematik sehr deutlich.

Der ausführliche Jahresbericht der Genossenschaft der Bayer. Bodenseeberufsfischer (März 2024) kann unter der Webseite der Berufsbodenseefischer nachgelesen werden.