Ran an die Kirschen Nur die Roten sind die Guten

Klein, aromatisch und voll gesund: Kirschen sind Vitaminbomben, da sie viel Kalium und Vitamin C enthalten.
Klein, aromatisch und voll gesund: Kirschen sind Vitaminbomben, da sie viel Kalium und Vitamin C enthalten. (Bild: Pixabay)

Kressbronn (le) – Süß, saftig und so lecker: In Oberschwaben und am Bodensee hat die Kirschernte begonnen. Der roten Kernfrucht zu Ehren gibt es dieses Jahr am Bodensee (19. Juni) erstmals einen Kirschwandertag mit buntem Programm. Zuvor lüftet Kirschexperte Jürgen Ganal aus Riedensweiler das Geheimnis um die Kirschkönigin. Obendrauf gibt’s ein leckeres Kirschenmichel-Rezept.

Lust auf Kirschkernspucken?

Kirschen gehören zum Sommer. Viele erinnern sich sicherlich noch an unbeschwerte Tage aus der Kindheit. Rauf auf den Kirschbaum, ein Kirschpaar ans Ohr hängen, Omas Kirschmarmelade mit dem Löffel schlecken und natürlich Kirschkernweitspucken. Die Flecken, die es dabei auf den T-Shirts gab, blenden wir einfach mal aus. Dabei ist die Kirsche nicht seit jeher bei uns beheimatet. Ihren Ursprung hat sie in Kleinasien, in den Gebieten der heutigen Türkei. Bereits 74 v. Chr. brachte der römische Feldherr Lucius Licinius die dunkelrote Frucht aus der Hafenstadt Kerasus mit zurück nach Italien. Von dort verbreitete sie sich langsam über den gesamten europäischen Kontinent. 

„Wir öffnen unsere Höfe für Euch“

Einer, der die Kirsche durch und durch kennt, ist Ortsobmann Jürgen Ganal aus Riedensweiler. Gemeinsam mit seiner Familie bewirtschaftet er mehrere Hektar Kirschen im Vollertrag. Die Idee des Kirschwandertages findet er genial. „Sechs Obsthöfe öffnen ihre Tore, geben Einblick in den Alltag, bieten ihre ganze Produktpalette an und jeder Hof hat ein kleines, aber feines Rahmenprogramm zusammengestellt. Obendrauf dürfen sich die Besucher auf allerhand deftige und süße Leckereien für den großen und kleinen Hunger freuen. Ach ja – und natürlich gibt es Kirschen in Hülle und Fülle.“

Die Königin gibt sich erst Ende Juli die Ehre

Womit wir wieder bei den Kirschen wären. Sind Sie bereits im Kirschenstress? „Jeden Tag, auch am Sonntag – und das wird sich die nächste Zeit auch nicht ändern. „Insgesamt gibt es sieben Kirschwochen. Aktuell wird die „Burlat“, die früheste Sorte, geerntet. Ihr folgt bei normalen Wetterbedingungen von der Reife her wöchentlich eine andere Sorte.“ Und wann kommt die Königin? „Die absolute Queen unter den Kirschen ist die „Regina.“ Sie wird ab Mitte Juli geerntet und zählt zu den beliebtesten Sorten bei den Verbrauchern. Hier ist es wie bei so vielem: Das Beste kommt zum Schluss.“ 

Frühsorten haben es nicht so leicht

Lust zum Reinbeißen: Kirschen satt.
Lust zum Reinbeißen: Kirschen satt. (Bild: Ganal/Privat)

Finden die anderen Sorten denn genügend Abnehmer? „Viele Kirschenfreunde stehen immer schon im Startloch und warten, bis die Saison beginnt. Die freuen sich natürlich auf die Frühsorten. Aber der Liebling vieler ist und bleibt die Regina. Sie besticht durch ihre Prallheit, das tiefschwarze Rot und die besondere Süße. Frühsorten sind auf dem Markt allgemein schwerer zu platzieren.“

Ein ausgeklügeltes System ist wichtig

Was ist während der Kirschernte ihre erste Arbeit morgens? „Der erste Blick gilt dem Reifegrad der aktuellen Kirschsorte. De Pflücktermin ist wichtig und darf nie verpasst werden. Da Kirschen schnell reifen, gibt es täglich 3 Pflückdurchgänge. Als erstes sind die Äste an der Sonnenseite dran, dann kommen die obersten Äste, da hier die Kirschen schneller reifen. So arbeitet man sich mit einem bestimmten System durch den Baum.“

Kirschen müssen zügig vom Baum

Das hört sich nach viel Arbeit an? „Ja, die haben wir auf alle Fälle und ohne unsere polnischen Erntehelfer wäre das alles nicht möglich. Die Kirschen müssen zügig vom Baum und die Vermarktung muss getaktet sein.“ Wie haben Sie die Frostnächte Anfang April erlebt?

Schlaflose Nacht für alle

„Eine Nacht war besonders kritisch. Um Mitternacht hatte es schon null Grad und die Befürchtungen waren groß, dass es zum Morgen hin noch kälter wird. In so einer Nacht kann man nicht schlafen. Entwarnung gab es gegen 4 Uhr, als die Wolken kamen und die Kälte sich zurückzog. Wir hatten großes Glück.“

Foliendächer sind ein Muss

Auf der sicheren Seite: Foliendächer über der Kirschplantage.
Auf der sicheren Seite: Foliendächer über der Kirschplantage. (Bild: Ganal/Privat)

Hat der Regen die letzten Tage den Kirschen geschadet? „Wir haben bis jetzt keine großen Schäden zu verzeichnen. Bei den Obstbauern, deren Frühsorten schon in der Vollreife waren, gab es kleinere Verluste. Dem Baum tut der Regen gut, aber den Früchten nicht, da sie schnell platzen. Wenn der Regen zu stak wird, machen wir unser Foliendach dicht.“ Sind Foliendächer nicht teure Investitionen? „Auf alle Fälle. Da muss man schon richtig Geld in die Hand nehmen. Für uns ist ein Kirschenanbau ohne Foliendach nicht lukrativ, da die Planungssicherheit komplett fehlt. Letztes Jahr hätten wir „ohne“ einen Totalschaden gehabt.“

„Kirschen hat man erst, wenn man sie im Korb hat“

Mit welchen Summen muss man bei der Bedachung rechnen? „Zwischen 20.000 und 40.000 Euro pro Hektar – ohne Vorbereitung und Aufbau. Wenn man alles an einen Dienstleister übergibt, kommen locker 60.000 Euro pro Hektar und mehr zusammen. Die Investitionen muss man auf mehrere Jahre sehen. Ein neues Hausdach kostet auch viel Geld und man deckt es, damit es 365 Tage im Jahr nicht reinregnet.“ Man hört immer wieder, dass die Foliendächer bei starkem Sturm beschädigt werden. „So einen Fall hatten wir letztes Jahr. Ein Unwetter kam und weg war eine ganze Dachreihe. Das ist die Natur.“

Was ist einer ihrer Grundsätze, wenn es um Kirschen geht? „Kirschen hat man erst, wenn man sie im Korb hat.“

Besichtigungen jeweils zur vollen Stunde

Jürgen Ganal macht natürlich beim Kirschwandertag ebenfalls mit. Auf seinem Hof in Riedensweiler 2, gibt es am Sonntag, 19. Juni: Leckeres vom Grill, Maultaschen, Waffeln mit heißen Kirschen, ein Backhäusle und vieles mehr.

Rund um den Kirschwandertag

Der Kressbronner Kirschwandertag beginnt um 9.30 Uhr mit einem Gottesdienst auf dem Hof Mainberger in Poppis 1. Alle Höfe haben von 9.30 bis 18 Uhr geöffnet. Bei einer Wanderung durch das Hinterland kann man überall reinschauen und einen richtig tollen Tag bei vielen Informationen erleben. Weitere Infos gibt’s bei der Tourist-Info Kressbronn. Ins Leben gerufen wurde der besondere Tag von den Kressbronner Ortsbauern, der Landjugend und den Landfrauen.

Sündhaft lecker: Der Kirschenmichel

Zutaten:

6 alte Brötchen
0,75 Liter Milch
4 Eier
1 EL brauner Zucker
1 TL Zimt
1 Päck. Vanillezucker
Schale einer geriebenen Bio-Zitrone
1 Glas Sauerkirschen

Kirschenmichel mit frischen Kirschen und Vanillesoße
Kirschenmichel mit frischen Kirschen und Vanillesoße (Bild: picture alliance | Martina Rädlein)

Zubereitung:

Die Brötchen klein schneiden und mit heißer Milch übergießen – danach abkühlen. Eigelb mit Zucker und Zimt verrühren, die geriebene Zitronenschale dazu und danach den Eischnee langsam unterheben – zum Schluss die Sauerkirschen. Eine Form mit Butter ausfetten und leicht mit Semmelbrösel und Vanillezucker bestreuen. Die Brötchen-Kirschmasse in die gefettete Form geben und bei ca. 150 Grad rund 45 Minuten lang backen. Die Krönung des Kirschenmichels ist Vanillesoße.