Hilfe für Familien im Alltag Ehrenamt im Bodenseekreis entlastet Familien

Ehrenamt im Bodenseekreis entlastet Familien
Der Familienunterstützende Dienst (FUD) Bodenseekreis brachte sie zusammen: Eva Weh (links), ihr Mann Stephan und Töchterchen Rosa freuen sich über die Unterstützung von Gaby Becker. Corinne Haag (hinten) ist als Fachkraft im FUD Ansprechpartnerin für sie. (Bild: Claudia Wörner)
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Der Familienunterstützende Dienst Bodenseekreis vermittelt Ehrenamtliche an Familien mit betreuungsbedürftigen Angehörigen. Davon profitieren beide Seiten.

Der Alltag von Familien mit einem Kind mit Beeinträchtigung oder hohem Pflegebedarf ist häufig von Betreuung, Therapieterminen, Haushalt und den Bedürfnissen der Geschwister geprägt. Für Eltern bleibt dabei oft wenig Zeit für sich selbst. Der Familienunterstützende Dienst (FUD) Bodenseekreis der Stiftung Liebenau vermittelt deshalb Ehrenamtliche, die Angehörige in ihrem Wohnumfeld entlasten.

Die Lebenswelten von Familie Weh und Gaby Becker könnten auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein. Eva und Stephan Weh haben eine fünfjährige Tochter mit einer schweren Beeinträchtigung, Gaby Becker war Verwaltungsbeamtin und genießt inzwischen ihren Ruhestand. Über den FUD Bodenseekreis lernten sie sich vor zwei Jahren kennen. Was als ehrenamtliches Engagement begann, entwickelte sich zu einer besonderen Verbindung.

„Ich lernte ihren Blick zu deuten“

„Ich habe überlegt, was ich mit meiner freien Zeit anfangen kann. Über die Freiwilligenbörse des Landratsamts habe ich vom FUD erfahren und mich dort gemeldet“, erinnert sich Gaby Becker. Dort habe man sie mit offenen Armen willkommen geheißen.

Bei einem ersten gemeinsamen Termin lernte sie die damals dreijährige Rosa mit ihren Bedürfnissen und ihre Familie kennen. Schnell entwickelte sich ein vertrautes Miteinander. „Wir waren uns gleich sympathisch und mit der Zeit lernte ich, Rosas Blick zu deuten, ihr zu essen und zu trinken zu geben, einfach bei ihr zu sein.“

Einmal pro Woche kommt Gaby Becker für zwei bis drei Stunden zu den Wehs. Außerdem begleitet sie Rosa regelmäßig zur Ergotherapie. „Es macht mir sehr viel Freude, den Eltern helfen zu können und ein Lächeln von Rosa gibt mir viel“, sagt sie zu ihrer Motivation.

Aus Begleitung wurde Familienanschluss

Für Eva Weh sind die ehrenamtlichen Einsätze von Gaby Becker eine große Hilfe. „Sie ist für uns eine unschätzbare Unterstützung, und wir haben uns von Anfang an gut verstanden“, berichtet sie. Während der Besuche hat sie Zeit für den Haushalt, zum Einkaufen oder ganz einfach für sich selbst. „Manchmal mache ich auch einfach nur ein Mittagschläfchen“, nennt Eva Weh ein weiteres Beispiel.

Aus der regelmäßigen Begleitung ist längst mehr geworden. Inzwischen hat Gaby Becker quasi Familienanschluss und ist gern beim Kindergeburtstag, beim Fasnetsumzug, beim Osterbrunch oder beim Besuch im Schwimmbad dabei. „Wir haben einen sehr unkomplizierten Umgang miteinander. Das ist nicht selbstverständlich, aber es hat sich einfach so entwickelt“, erzählt Eva Weh.

Es muss für beide Seiten passen

Als Fachkraft im FUD Bodenseekreis weiß Corinne Haag, wie wichtig die Ehrenamtlichen für die Familien sind. „Sie sind das Herzstück unseres Dienstes.“ Gleichzeitig betont Haag, dass sich die Beziehung zwischen Familien und Ehrenamtlichen sowie das damit verbundene Vertrauen sehr individuell entwickeln. „Immerhin vertrauen die Familien den Ehrenamtlichen ihr Wertvollstes an.“

Zu Beginn macht sich eine Fachkraft des FUD ein Bild von der Familie und ihrem individuellen Bedarf. Ist eine passende ehrenamtliche Person gefunden, folgt ein gemeinsamer Kennenlerntermin. Wie die Begleitung anschließend aussieht, vereinbaren Familien und Ehrenamtliche individuell. „Uns ist wichtig, dass es immer eine Win-Win-Situation ist“, betont Haag.

Kostenlose Schulungen für Ehrenamtliche

Grundsätzlich handelt es sich beim Ehrenamt im FUD um eine Freizeitbegleitung und keinesfalls um hauswirtschaftliche Unterstützung. Die Ehrenamtlichen erhalten eine Aufwandsentschädigung von 9 Euro pro Stunde.

Ein freiwilliger Einführungskurs vermittelt Wissenswertes über den Umgang mit Menschen mit Behinderung. Darüber hinaus können die Ehrenamtlichen an weiteren Schulungen teilnehmen. „Neben Kindern mit Beeinträchtigungen vermitteln wir Ehrenamtliche auch in Familien, die erwachsene Angehörige betreuen“, informiert Haag. Zudem besteht die Möglichkeit, im Rahmen von Gruppenangeboten für den FUD tätig zu werden.

Infoabend in Friedrichshafen

Wer etwa zwei bis drei Stunden pro Woche oder alle 14 Tage Zeit hat und sich vorstellen kann, Kinder oder junge Erwachsene mit Beeinträchtigung in ihrer Freizeit zu begleiten, kann sich am Mittwoch, 28. Oktober, um 19 Uhr informieren. Der Familienunterstützende Dienst Bodenseekreis stellt seine Arbeit im Franziskuszentrum in Friedrichshafen vor.

Interessierte erfahren dort mehr über ein Ehrenamt und den Einsatz in Familien. Eine betroffene Familie und eine Ehrenamtliche sind an diesem Abend ebenfalls für den Austausch vor Ort. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Für Fragen vorab steht Corinne Haag vom Familienunterstützenden Dienst Bodensee unter Telefon 07541/4007920 oder per E-Mail an [email protected] zur Verfügung.

(Quelle: Stiftung Liebenau)

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