Seit 30 Jahren ermöglicht die Stiftung Liebenau Menschen mit Unterstützungsbedarf das Leben in Gastfamilien. Das Jubiläum wird mit einem Sommerfest gefeiert.
Ein besonderes Jubiläum hat die Stiftung Liebenau im Juni gefeiert: Seit 30 Jahren gibt es das Angebot Begleitetes Wohnen in Familien (BWF), das Menschen mit Unterstützungsbedarf ermöglicht, in einer Gastfamilie zu leben. Dieses Erfolgsmodell wurde nun mit einem großen Sommerfest im Schlossgarten in Liebenau gewürdigt. Rund 150 Menschen mit und ohne Handicap waren der Einladung gefolgt.
Vor drei Jahrzehnten war der Inklusionsgedanke in der Gesellschaft deutlich weniger verbreitet als heute. Menschen mit Behinderungen lebten damals überwiegend an großen Standorten wie den Fachzentren Liebenau, Rosenharz oder Hegenberg der Stiftung Liebenau. Doch nicht für alle Menschen ist ein solches Umfeld die passende Lebensform. „Eine Institution kann nicht denselben familiären Rahmen bieten wie eine Gastfamilie“, betonte Christian Kiebler, Mitglied der erweiterten Geschäftsführung der Liebenau Teilhabe.
Anfängliche Skepsis
Das neue Angebot stieß zunächst auf Skepsis. Franz Walter, ehemaliger Leiter der Ambulanten Dienste, der das Konzept maßgeblich vorantrieb, erinnert sich: „Probiert es – aber es darf nichts passieren“, lautete damals die vorsichtige Zustimmung der Geschäftsführung. „Mut und Leidenschaft waren damals genauso gefragt wie heute“, berichtete Walter, der als Ehrengast am Sommerfest teilnahm.
Geschichten hinter den Zahlen
Heute leben 75 Menschen in Gast- und Pflegefamilien, darunter 44 Kinder. Hinter diesen Zahlen stehen persönliche Geschichten von tragfähigen Beziehungen, die über Jahre oder Jahrzehnte gewachsen sind. Sie erzählen vom Mut, einen fremden Menschen in die eigene Familie aufzunehmen, und von den vielfältigen Fähigkeiten und Ressourcen, die Gastfamilien mitbringen. Es sind Geschichten gelebter Inklusion, geprägt von Herzenswärme, Zuneigung und Geborgenheit.
All dies wäre ohne das engagierte Team des BWF nicht möglich. Mit hoher Professionalität, fachlicher Kompetenz und großem Engagement begleiten die Mitarbeitenden Familien sowie Klientinnen und Klienten gleichermaßen. Andreas Liehner, Leiter der Ambulanten Dienste, ist besonders stolz darauf, dass in den vergangenen 30 Jahren nur sechs Kolleginnen vor dem Renteneintritt aus dem Team ausgeschieden sind. Diese Kontinuität sichere eine hohe Qualität der Arbeit.
Gemeinsam stark
Als Zeichen der Wertschätzung überraschten die Gastfamilien die Mitarbeitenden mit einem spontanen Beitrag. „Ihr Dienst ist zuverlässig – man kann sich immer auf Sie verlassen“, sagte eine Pflegemutter und überreichte ein stabiles Holzbrett mit der Aufschrift „Gemeinsam stark“. Symbolisch für die Vielfalt der Familien wurde zudem verschiedenes Obst – von Apfel bis Zitrone – zu einer bunten Mischung zusammengestellt. Es stand sinnbildlich für Vielfalt und Zusammenhalt auf einem soliden Fundament.
Im Anschluss an den offiziellen Teil erwartete die Gäste ein abwechslungsreiches Programm. Die Inklusionsband Reisegruppe Fröhlich sorgte für musikalische Unterhaltung. Außerdem gab es Kinderschminken, einen Menschenkicker, Führungen über das Stiftungsgelände sowie einen eigens produzierten Film mit Einblicken in das Leben von Gastfamilien. Auch kulinarisch war einiges geboten: Die Gäste wurden mit verschiedenen Salaten und Dinnete versorgt. Nach mehr als vier Stunden klang das Fest bei guten Gesprächen und ausgelassener Stimmung aus.
(Quelle: Stiftung Liebenau)