Der Bodensee erreicht seinen bisher niedrigsten Wasserstand des Jahres 2026. Am Pegel Konstanz werden 275 Zentimeter gemessen – deutlich weniger als jahreszeitlich üblich.
Die Messung vom Donnerstag, 13. August, unterschritt damit auch den bisher niedrigsten Wasserstand an einem 13. August seit Beginn des Auswertezeitraums 1850. Dieser lag im Jahr 2003 bei 300 Zentimetern.
„Normalerweise erreicht der Bodensee seinen niedrigsten Wasserstand im Februar oder März. Dass wir diesen jetzt im August unterschreiten, ist Folge einer Kombination aus schneearmen Wintern in den Alpen, wodurch im Frühjahr das Schmelzwasser fehlt, sowie ausbleibendem Regen und hoher Verdunstung bei andauernd hohen Temperaturen im Hochsommer. Schon seit Ende November 2025 ist es in Baden-Württemberg zu trocken und auch im alpinen Einzugsgebiet des Bodensees waren die Niederschläge unterdurchschnittlich. Hierdurch führen die Seezuflüsse, insbesondere der Alpenrhein, teils extremes Niedrigwasser und das sehen wir jetzt auch am Bodensee deutlich“, sagt Dr. Ulrich Maurer, Präsident der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW).
Mehrere Faktoren sorgen für Niedrigwasser
Der bislang niedrigste Wasserstand des Jahres war am 9. Februar mit 276 Zentimetern gemessen worden. Der aktuelle Wert liegt einen Zentimeter darunter.
Vom historischen Tiefststand ist der Bodensee allerdings noch entfernt. Ende Februar und Anfang März 1858 lag der Pegel über mehrere Tage bei 226 Zentimetern – dem niedrigsten Wert der gesamten Messreihe seit 1850.
Umweltministerin Thekla Walker sieht im aktuellen Zustand Auswirkungen des Klimawandels: „Der aktuelle Zustand des Sees macht die Klimakrise sichtbar. Die Erderhitzung verändert den Wasserhaushalt spürbar. Im Sommer wird weniger Wasser da sein, als wir es bisher gewohnt waren. Im Winter kommt es wegen gestiegener Temperaturen nicht mehr zu einer vollständigen Durchmischung mit negativen Folgen für den Sauerstoffgehalt. Um den See sowohl als Ökosystem wie auch als Europas größter Trinkwasserspeicher zu schützen, brauchen wir daher weiter intensives Monitoring und Forschung, um gegebenenfalls gegensteuern zu können.“
Wasserstand könnte zunächst weiter sinken
Die Vorhersagen zeigen für die kommenden Tage zunächst einen weiteren Rückgang entsprechend dem natürlichen Jahresgang. An einem heißen Sommertag kann die Verdunstung aus dem Bodensee auf bis zu 30 Kubikmeter pro Sekunde steigen. Das entspricht etwa dem Volumen eines Tanklastwagens pro Sekunde.
Normalerweise gleichen die Zuflüsse zum Bodensee diese Verdunstung aus. Derzeit führen sie jedoch deutlich weniger Wasser als üblich.
Ab dem 16. oder 17. August deutet sich eine Wetterumstellung mit voraussichtlich kühleren Temperaturen und teilweise Niederschlägen an. Ob diese ausreichen, um die Seewasserstände wieder steigen zu lassen, ist noch offen.
Aktuelle Informationen zum Niedrigwasser stellt das Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg bereit.
(Quelle: LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg)