Bei Sanierungsarbeiten tauchen die ursprünglichen Kirchentüren von St. Martin wieder auf. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg unterstützt ihre Restaurierung mit 20.000 Euro.
Während der laufenden Generalsanierung der katholischen Pfarrkirche St. Martin in Erolzheim ist ein unerwarteter Fund gelungen: Auf dem Dachboden der Garagen beim Pfarrhaus wurden die originalen Holztüren der Kirche wiederentdeckt. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg fördert die nun geplante Restaurierung der historischen Portale mit einem Zuschuss von 20.000 Euro.
Die beiden Eingangsportale mit jeweils zwei Flügeltüren stammen aus dem Jahr 1876 und sollen nach ihrer Instandsetzung an ihren ursprünglichen Platz zurückkehren. Die zusätzlichen Arbeiten kommen zu einer bereits laufenden umfassenden Innenrenovierung hinzu, die unter anderem die Buntglasfenster und die Orgel umfasst.
„Da die Innenrenovierung samt Buntglasfenstern und Orgel die gesamten Reserven der Kirchengemeinde aufgebraucht hat, besteht kein finanzieller Spielraum mehr“, sagt Dr. Stefan Köhler, Geschäftsführer der Denkmalstiftung Baden-Württemberg. „In einer solchen Situation ist es ein Anliegen der Denkmalstiftung, auch wertvolle Ergänzungen wie diese zu ermöglichen.“
Historische Türen aus dem Jahr 1876
Bei den wiedergefundenen Türen handelt es sich um die vier Flügel der beiden großen spitzbogigen Eingangsportale von St. Martin. Jeder Türflügel misst 2,75 Meter in der Höhe und 1,80 Meter in der Breite. Das knapp fünf Zentimeter starke Eichenholz ist mit Eisenbändern beschlagen, die auf der Außenseite kunstvoll verziert sind. Auch Schloss, Drücker und Fallen bestehen aus Eisen.
Ein Fachbetrieb wird die unterschiedlich stark verwitterten Holzteile abschleifen und fehlende Stellen ergänzen. Zudem werden die Eisenteile gereinigt, entrostet und mit einem Schutz versehen. Anschließend entstehen zwei Korbbögen, damit die Türflügel wieder passgenau eingebaut werden können.
Neogotisches Bauwerk mit besonderer Geschichte
Die dreischiffige Kirche St. Martin wurde zwischen 1874 und 1876 nach Plänen des schwäbisch-österreichischen Architekten Friedrich von Schmidt errichtet. Der bedeutende Vertreter der Neogotik schuf mit dem Wiener Rathaus sein bekanntestes Werk.
In Erolzheim entwarf er neben dem Kirchenschiff auch den markanten Turm. Dieser steht auf einem Untergeschoss aus dem Jahr 1495 und wird von einer schlanken Spitze sowie vier Seitentürmchen geprägt.
Über 1.700 Projekte gefördert
Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg fördert seit mehr als 40 Jahren unter dem Motto „Bürger retten Denkmale“ vor allem private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen zum Erhalt von Kulturdenkmalen im Land. In diesem Jahr hat die Stiftung bereits 14 Projekte unterstützt, weitere Förderanträge liegen vor.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1985 wurden mehr als 1.700 Vorhaben mit insgesamt über 71 Millionen Euro gefördert. Rund zwei Drittel der Anträge stammen von Privatpersonen, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Finanziert werden die Maßnahmen unter anderem durch Erträge aus dem Stiftungskapital sowie durch Mittel der Lotterie GlücksSpirale. Darüber hinaus ist die Stiftung nach eigenen Angaben weiterhin auf Spenden angewiesen, um Förderprojekte und die Öffentlichkeitsarbeit im Denkmalschutz zu unterstützen.
(Quelle: Denkmalstiftung Baden-Württemberg)