Bühnenzauber mit viel Technik Spektakuläres Abtauchen beim „Freischütz“: Zwei Stuntmen erzählen

Spektakuläres Abtauchen beim „Freischütz“: Zwei Stuntmen erzählen
Ohne die Arbeit der Stuntmens von Wired Aerial Theatre würde beim „Freischütz“ nichts gehen. (Bild: Bregenzer Festspiele / Eva Cerv)

Bei den Bregenzer Festspielen wird noch bis zum 18. August „Der Freischütz“ aufgeführt. Das Bühnenbild ist gruselig und einige Akteure verschwinden und tauchen dann aus dem Wasser wieder auf. Wie das funktioniert und was dabei die Arbeit der Stuntmen ist, lesen sie hier.

Die romantische Oper von Carl Maria von Weber strotzt vor Tricktechnik und vielen Lichteffekten. Die Seebühne zeigt ein verfallenes Dorf im Winter zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, mit windschiefen Häusern, einem versunkenen Kirchturm und kahlen Bäumen. Ein Becken mit 500.000 Litern Wasser ist ebenfalls Teil der Szenerie und spielt eine wichtige Rolle bei der Aufführung. Gleich zu Beginn wird jemand aufgeknüpft und der Teufel rollt die Geschehnisse als Rückblende auf. 

Der Freischütz ist gespickt von Tricktechnik

Akteure tauchen in die Fluten des Bodensees und sind plötzlich wieder da. Spätestens jetzt treten die geheimen Männer des Untergrunds in Aktion. Matthew Johnston (21) und Emilio H. Díaz Abregú (42) sind Stuntmen und arbeiten im Auftrag des Wired Aerial Theatre für die aktuelle Seebühnen-Produktion „Der Freischütz”, heißt es in einer Pressemitteilung. Beide erzählen von ihrer Arbeit rund um das Spektakel auf der Seebühne.

Ein möglichst spektakuläres Bühnenbild gehört zum Spiel auf dem Bodensee bei den Bregenzer Festspielen dazu.
Ein möglichst spektakuläres Bühnenbild gehört zum Spiel auf dem Bodensee bei den Bregenzer Festspielen dazu. (Bild: Bregenzer Festspiele / Daniel Ammann)

„Risiko-Minimierung ist unsere Aufgabe“

Emilio und Matthew wirken ganz anders, als man es von Stuntmen erwarten würde: zurückhaltend, konzentriert, bedacht. Und der Eindruck täuscht nicht, wie Emilio, der aus Argentinien stammt, das gängige Klischee kommentiert: „Es mag etwas langweilig klingen, aber uns geht es genau um das Gegenteil dessen, was man mit waghalsigen Stunts verbindet. Risiko-Minimierung ist unsere wichtigste Aufgabe.“

Auch die Sänger der Seebühnenproduktion sollen in der Lage sein, zahlreiche Szenen selbst umzusetzen – ohne dafür halsbrecherische Aktionen in Kauf nehmen zu müssen. Das sei Regisseur Philipp Stölzl besonders wichtig. Und darin, sagt Emilio, liege für die Crew die große Herausforderung.

Erste Tests in Liverpool

Drei Unterwasserstunts sind im Stück zentral – sie wurden bereits im Vorfeld in einem Schwimmbad in Liverpool geprobt, zufälligerweise auch die Heimat von Matthew und von Wired Aerial Theatre. Dabei geht es um drei große Aktionen, wie Matthew, einer von zwei Tauchern, erklärt: „Wir haben im Schwimmbad die ungefähre Struktur der Bühne nachgebaut – sogar eine Schlange war dabei. Wir haben mit den Stuntleuten geübt, wie sie sich mit geschlossenen Augen und ohne Tauchermaske ins Wasser fallen lassen und von dort aus mit uns und kompletter Ausrüstung zur Hinterbühne tauchen.“

Auch die Künstler absolvieren einen ähnlichen Stunt – dabei kommen Seile zum Einsatz. Sie helfen ihnen, im Dunkel des Wassers den richtigen Weg zu finden. Denn zu später Stunde ist es dort stockfinster. Genau so soll es auch sein, damit das Publikum den Trick nicht durchschaut.

25-köpiges Stuntteam vor Ort

Im Vorjahr hatte das Stunt-Team fünf Wochen Zeit, alles vor Ort einzuüben. Diesmal, im zweiten Jahr der Produktion, war es eine Woche weniger. In Bregenz kommen zahlreiche Änderungen dazu, wenn auch das Regieteam seine Ideen einbringt. „Das ist großartig! Denn dann ist man gefordert und versucht, das Unmögliche möglich zu machen“, findet Matthew. Der Teamgeist über alle Abteilungen hinweg ist etwas ganz Besonderes. Er ist im neunten Jahr in Folge am Bodensee im Einsatz und koordiniert als Stunt Supervisor das rund 25-köpfige Stunt-Team.