Kommentar: Der FC Bayern schadet sich mal wieder selbst

Kommentar: Der FC Bayern schadet sich mal wieder selbst
Ein Statement, das ein Zerwürfnis klar aussagt. (Screenshot der FCB-Website)

München (tmy) – Der FC Bayern München hat mal wieder eindrucksvoll gezeigt, wie leicht man Kredit verspielen und insbesondere die treuesten Fans ziemlich verärgern kann – und das ohne Not. Denn mit einer öffentlichen „Abmahnung“ für den erfolgreichsten Trainer der Klubgeschichte schneidet man sich – wie so oft in der Vergangenheit – nur ins eigene Fleisch.

Denn: Hans-Dieter Flick hat beim deutschen Rekordmeister in nunmehr knapp eineinhalb Jahren als Trainer geschafft, was weder ein Udo Lattek, Ottmar Hitzfeld oder Jupp Heynckes erreicht haben – und das inmitten einer Pandemie mit schwierigen Bedingungen für Körper, Geist und Seele. Und doch möchte man den Weltmeister von 2014 nun irgendwie loswerden.

Warum? Nun, das kann eigentlich nur die Vereinsspitze selbst beantworten, die nun allerdings ein seltsames Pressestatement veröffentlichte, das vor „beleidigt sein“ nur so trotzt und die Grabenkämpfe – auch auch Führungsebene – deutlich macht. Denn auch zwischen den Herren Hainer, Rummenigge, Kahn und Salihamidzic scheint einiges nicht zu stimmen – oder auch nicht mehr. Man weiß es nicht!

Aber Flick nun als „Bauernopfer“ zu missbrauchen und ihm Wortbruch vorzuwerfen, kann nicht der Ernst des Vorstandes sein, der seit Monaten Fehler in der Personalpolitik macht, auf die auch Coach Flick offen und ehrlich hingewiesen hat. Mit einem derart dünnen Kader ist eine Verteidigung des „Triple 2020“ einfach nicht möglich – und erst recht nicht mit Notkäufen am letzten Tag der ablaufenden Transferfrist.

Weil: Man schaue sich mal an, wie die Bänke von anderen europäischen Topvereinen besetzt sind wie beispielsweise Real Madrid, Manchester City oder Paris St. Germain. Sicherlich ist dort etwas mehr Geld vorhanden, aber die „Roten“ von der Isar sind nun bei Weitem keine arme Kirchenmaus. Aber leider ist in diesem Geschäft oft der Trainer das schwächste Glied, obwohl es andere hätte treffen müssen – aber nun gut, so ist’s.

Ich hoffe, dass man Flick nun nicht vorzeitig – und zwar nur aus gekränkter Eitelkeit – entlässt und somit das letzte große gemeinsame Ziel – von Mannschaft und Trainerteam – die Meisterschaft riskiert. Sollte das passieren, hätte sich der FC Hollywood mal wieder von seiner besten Seite gezeigt und das nationale und internationale Ansehen würde abermals zusätzliche Kratzer bekommen. Daher wäre Selbstreflexion und Fehler zugeben eben manchmal besser.

Ich kann nur meinen Hut vor dem Menschen und Übungsleiter Hansi Flick ziehen, der Spieler wie Müller oder Boateng wieder stark gemacht und die beste Sieg-Quote aller Bayern-Trainer vorzuweisen hat. Man kann nur hoffen, dass der DFB zuschlägt und die Bayern endlich dazulernen und das Offensichtliche erkennen – denn sonst verliert man den Anschluss an die europäische Spitze.

Was sagen Sie zu den Machtkämpfen beim FC Bayern München? Schreiben Sie uns gerne per E-Mail an t.schlichte@wochenblatt-news.de