Von Larven, Masken, Tieren und Menschen

Von Larven, Masken, Tieren und Menschen
Mike Jörg, seit 1994 bekannt für seinen Jahresrückblick „Wa(h)r was?“ (Bild: PR/Mike Jörg)
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Redaktion

Mike Jörg, oberschwäbischer Kabarett-Grandseigneurs aus Weingarten, heitert Sie, in diesen humorlosen Zeiten, jede Woche bei uns ein bisschen auf. Der Satiriker ist seit 1994 bekannt für seinen satirischen Jahresrückblick „Wa(h)r was?“. Aus bekannten Gründen müssen alle Termine für die treffsicheren Sticheleien landauf und landab leider ausfallen. Nicht aber bei uns. Lassen Sie sich jede Woche überraschen, mit was Mike Jörg Ihre Lachmuskeln digital kitzeln wird. Viel Vergnügen!

Noch ehe ich wusste, was Masken sind, haben mich Larven fasziniert, vor allem Schmetterlingslarven. Als Grundschulkind durfte ich erstmals ins Theater, in ein Wandertheater, das von Dorf zu Dorf tingelte. Alle Schauspieler trugen eine Larve: Die Prinzessin, der König, der Teufel. Am Ende des Stücks, als die Spieler ihre Larven abnahmen, klatschte ich begeistert und zugleich erleichtert, weil ich ihr wahres Gesicht sehen konnte. Jahre später sah ich erstmals einen Fastnachtsumzug und erfuhr, dass die Narren zu ihren Larven Masken sagten.  

Als „Oberschüler“ ging ich zu Demos, bei denen sich einige Demonstranten mit einem Schal vermummten. 1985 war damit Schluss. Stichwort Vermummungsverbot. Ich habe mich selten vermummt und nur manchmal eine Maske getragen, bis ich dazu gezwungen wurde. Maskenpflicht! Staatstragend wie ich bin, kruschtelte ich aus meiner Fundus-Kiste eine Occupy-Maske hervor. So maskiert machte mich auf den Weg zum Baumarkt. Aber am Eingang stand eine Art Erzengel, der mir den Zugang verweigerte. Es sei die falsche Maske. Vorausschauend   hatte ich noch mein Wild-West-Halstuch eingesteckt. Als verkleideter Bankräuber war ich willkommen. Aktuell darfst du nur mit einer FFP2-Maske einen Konsumtempel betreten.

Auch Motten sind von FFP2-Masken begeistert

Motten nutzen diese Masken als Kinderstube für ihre Larven. Sie legen in ihnen ihre Eier ab. Natur ist kreativ. Alles wird weiterverwertet, auch die herumliegenden Masken am Wegesrand, in den Wäldern, in den Seen, im Meer. Alle Tiere wollen auf ihre Art mithelfen, das herumliegende Zeug zu recyceln. Hunde fressen Masken, wenn sie nach Landjägern riechen, Meeresschildkröten sind eher ungeschickt, sie verheddern sich oft und ersticken beim Versuch, sich mit diesen tollen Masken vor wem auch immer zu schützen. Fische sind noch ungeschickter. In 3000 Meter Tiefe haben Taucher Fische gefunden, die auf dem Meeresboden lagen. Über ihnen eine FFP2-Maske als Leichentuch.

Einweg-Masken für die Weltmeere

Ganz anders Elstern, die sind vor allem von den glitzernden Metallbügeln der Masken fasziniert. Sie verwenden diese Masken beim Innenausbau ihrer Nester. Alle Tiere könnten diese Krise als Chance nutzen. Wir Menschen stellen ihnen das Material zur kreativen Verwertung zur Verfügung. Immerhin haben wir – aktueller Stand – den Weltmeeren 1,5 Milliarden Einweg-Masken geliefert. Wir rufen hinterher: All ihr lieben Tiere, nutzt eure Chance! Mehr können wir für euch nicht tun!

Leider wollen viele Tiere diese einmalige Chance „oms verrecka“ nicht ergreifen.