Möbelbranche in der Krise: Wird das Online-Geschäft immer wichtiger?

Möbelbranche in der Krise: Wird das Online-Geschäft immer wichtiger?
Möbelbranche in der Krise: Wird das Online-Geschäft immer wichtiger? (Symbolbild: Zac Gudakov, unsplash)
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Die Verkaufsflächen sind groß, die Gänge breit und die Lager voll. Doch was lange nach Stabilität aussah, bröckelt gewaltig. Der klassische Möbelhandel steht unter Druck, wie es viele lange nicht für möglich gehalten hätten. Umsätze sinken, Kunden bleiben aus und gleichzeitig wächst ein Sektor, der sich lange im Schatten bewegte: das Online-Möbel-Geschäft. Vieles deutet darauf hin, dass sich die Gewichte dauerhaft verschieben könnten.

Umsatzeinbrüche, die keine Ausnahme mehr sind

Rund 16,4 Milliarden Euro betrug der Umsatz der stationären Möbelbranche im Jahr 2024. Das klingt erstmal nach viel. Jedoch ist das ein Minus von über sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Lage ist schon seit Monaten angespannt. In den Lagern stapeln sich die Stücke, die einst für Neubauprojekte vorgesehen waren. Doch genau dort liegt eines der Kernprobleme: Der Wohnungsbau ist ins Stocken geraten. Es wird weniger gebaut. Und wer nicht neu baut, richtet sich auch nicht großflächig ein.

Hinzu kommt die Kaufzurückhaltung vieler Haushalte. Große Investitionen werden verschoben, spontane Entscheidungen mit Blick auf Küchen oder Schlafzimmerschränke bleiben aus. Die Branche bekommt das direkt zu spüren. Über 230 Unternehmen haben im letzten Jahr aufgegeben. Und das ist nicht das Ende der Liste. Kurzarbeit ist weit verbreitet, manche Standorte schließen temporär oder sogar ganz. Das alles passiert vor allem, weil sich die Rahmenbedingungen deutlich verändert haben.

Der Möbelkauf folgt einem anderen Rhythmus

Noch vor ein paar Jahren war ein Möbelkauf ein Ereignis. Am Samstagvormittag fuhr man mit Maßskizze, Thermoskanne und Zeitungsprospekt zum Möbelhaus, wanderte stundenlang durch stilisierte Wohnlandschaften, ließ sich beraten und probierte aus. Am Ende stand ein unterschriebener Kaufvertrag und ein Lieferdatum drei Monate später. Dieses Szenario wirkt heute seltsam weit weg.

Denn inzwischen läuft der Möbelkauf in der Regel ganz anders ab. Ein Instagram-Post liefert Inspiration, ein Preisvergleich auf dem Tablet die Entscheidungshilfe. Der eigentliche Kauf? Der findet vielleicht um 23:30 Uhr statt, zwischen zwei Streaming-Folgen. Was sich verändert hat, sind der Einkaufsort und der gesamte Rhythmus der Entscheidungsfindung. Es ist nicht mehr das große Möbelhaus, das auf Kundschaft wartet. Es sind die Kunden, die längst auf ihre Weise suchen und finden.

Bequemlichkeit, Auswahl, Klarheit: Was das Digitale besser macht

Wem es heute darum geht, möglichst unkompliziert an ein neues Sideboard oder ein passendes Bett zu kommen, der landet selten beim Händler vor Ort. Stattdessen werden Suchfilter gesetzt: Breite, Farbe, Stilrichtung. Die Auswahl lässt sich mit wenigen Klicks sortieren, Bewertungen geben Rückmeldung zur Qualität und die kundenfreundliche Lieferzeit steht meist schon auf der Produktseite.

Dazu kommt der fehlende Aufwand. Keine Parksuche, keine vollen Gänge, kein aufgedrängter Kaffee in der Wartezone. Der Kauf passiert in vertrauter Umgebung, selbstbestimmt und jederzeit abbrechbar. Gerade diese Leichtigkeit trifft einen Nerv. Während die Anbieter mit großen Flächen darum kämpfen, Kunden durch ihre Türen zu bekommen, haben die digitalen Händler längst herausgefunden, wie man über den Bildschirm verkauft.

Digitale Vorreiter, die den Nerv der Zeit treffen

Ein Anbieter, der zeigt, wie Online-Möbelkauf heute funktioniert, ist de.vente-unique.ch. Die Plattform kombiniert ein breites Sortiment mit übersichtlicher Navigation und spricht dabei gezielt all jene an, die Wert auf Design, Preis und Effizienz legen. Rabattaktionen wechseln sich mit saisonalen Themenwelten ab, die Filter sind feinjustiert und der Checkout-Prozess auf das Wesentliche reduziert.

Was dabei auffällt: Die Plattform verzichtet auf unnötige Umwege. Sie führt durch das Sortiment wie durch ein aufgeräumtes Schaufenster. Wer stöbern will, findet eine übersichtliche Auswahl. Wer schon weiß, was er genau sucht, kommt direkt zum Ziel. Genau dieser Spagat gelingt nur wenigen und zeigt, dass Onlinehandel heute mehr ist als ein digitaler Katalog. Es ist eine Form von Verkaufspsychologie, die den Kunden nicht überfordert, sondern abholt.

Was macht man mit 12.000 Quadratmetern, wenn niemand mehr kommt?

Die großen Möbelhäuser stehen plötzlich vor einer zentralen Frage: Was tun mit all der Fläche? Jahrzehntelang galt „viel Platz“ als Verkaufsargument. Heute erzeugt es Kosten. In den Randlagen der Städte stehen Gebäude, die schwer zu füllen und noch schwerer zu beleben sind. Besucherzahlen gehen zurück, weil sich das Kaufverhalten verschoben hat. Eine Studie des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass selbst 73% der älteren Menschen, zwischen 55 und 74 Jahren, online einkaufen.

Und damit nicht genug: Die digitale Infrastruktur fehlt vielerorts. Wer versucht, auf der Website eines klassischen Händlers einen bestimmten Tisch zu finden, braucht Geduld und manchmal auch Glück. Echtzeitverfügbarkeiten, Chatfunktionen, Lieferzeitangaben? Fehlanzeige. Die technische Kluft zwischen stationär und online ist größer, als viele glauben. Und sie wächst weiter.

Technologie trifft Einrichtung

Während manche Anbieter vor Ort noch mit veralteten Kassen arbeiten, bieten andere bereits virtuelle Wohnräume. Per App lassen sich Möbelstücke im eigenen Wohnzimmer platzieren, drehen und kombinieren. Augmented Reality bringt den Showroom ganz selbstverständlich direkt nach Hause. 

Auch im Hintergrund läuft alles schneller: Lager werden algorithmisch gesteuert, Retouren automatisch erfasst, Empfehlungen basieren auf echten Nutzerdaten. Die Kundschaft merkt das nicht bewusst. Aber sie spürt, dass der Prozess funktioniert. Geschwindigkeit, Klarheit, Kontrolle: Wer digital einkauft, verliert seltener den Überblick.

Verlorene Zeit: Warum viele Hersteller zu spät reagierten

Ein Grund, warum so viele stationäre Anbieter jetzt unter Druck stehen, liegt in der Vergangenheit. Die Veränderungen waren schleichend, aber sichtbar. Trotzdem hielten viele am alten Modell fest. Der Glaube an die Kraft des Beratungsgesprächs, an die Strahlkraft der Ausstellungsfläche, an den „persönlichen Kontakt“ – all das war verständlich. Aber eben nicht ausreichend.

Während online längst mit Algorithmen und Visualisierung gearbeitet wurde, setzte man vielerorts noch auf Stoffmuster zum Anfassen. Der Kaufprozess wurde nicht neu gedacht und genau hier liegt das zentrale Problem. Das Verhalten der Käufer hat sich konsequent gewandelt. Die Aufmerksamkeit wanderte ins Digitale, das Geld folgte.

Trotz allem: Die Tür ist nicht zu

Es gibt Konzepte, die zeigen, wie stationärer Handel neu gedacht werden kann. Kleine Showrooms, eingebettet in belebte Innenstadtlagen, laden zum Probieren und Inspirieren ein. Ganz ohne Verkaufsdruck. Die Beratung findet an einem digitalen Terminal oder per Live-Chat mit einem Experten statt, der nicht einmal im selben Gebäude sitzen muss.

Pop-up-Stores, temporäre Präsentationen oder Shop-in-Shop-Lösungen innerhalb anderer Läden schaffen Präsenz ohne große Investitionen. Wer solche Formate mit echtem Mehrwert verbindet, etwa durch Events, Kooperationen mit Designern oder nachhaltige Storys, bleibt relevant. Es braucht keine 20.000 Quadratmeter. Es braucht gute Ideen.

Bewegung ist kein Risiko, Stillstand schon

Fakt ist: Die Krise der Möbelbranche hat sich verschärft und sie steht an einem Wendepunkt. Der Markt wird sich weiter verschieben, so sieht die realistische Entwicklung aus. Wer flexibel bleibt, neue Technologien einsetzt und nicht auf das vergangene Erfolgsmodell baut, wird Wege finden. Es geht nicht darum, alles neu zu erfinden. Es geht darum, die Zeichen der Zeit zu lesen. Und nicht zu übersehen, wenn der Kunde längst woanders sucht und warum er es tut.