Neues Ferienbetreuungsmodell Anspruch auf Ganztagsbetreuung in den Ferien: Sigmaringen bereitet sich vor

Ab 2026 müssen sich Kommunen für 40 Stunden pro Woche Ferienbetreuung neu aufstellen.
Ab 2026 müssen sich Kommunen für 40 Stunden pro Woche Ferienbetreuung neu aufstellen. (Bild: Caiaimage/Robert // iStock / Getty Images Plus)

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Ab 2026 gibt es einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung in den Ferien. Die Stadt Sigmaringen erprobt bereits jetzt neue Betreuungskonzepte, um den Rechtsanspruch künftig zur Zufriedenheit aller erfüllen zu können.

Mit dem Ende der Sommerferien geht auch eine spannende Probephase für das Amt Familie und Bildung der Stadtverwaltung zu Ende, bei dem auch die Weichen für die Zukunft gestellt werden sollen.

In diesem Jahr wurden in Sigmaringen verschiedene neue pädagogische Formate erprobt, um sich für den Rechtsanspruch auf Betreuung aus dem Ganztagsförderungsgesetz zu wappnen. Dieses tritt 2026 in Kraft und erstreckt sich auch auf Ferienzeiten.

Anspruch auf 40 Stunden Betreuung pro Woche

Dadurch ändert sich einiges für Kommunen: Etwa, dass Schüler 40 Stunden pro Woche – mit Ausnahme von vier Wochen im Jahr – durchgehend betreut werden können, wenn die Eltern dies wünschen. Die neuen Herausforderungen sind dabei nicht nur das Gewinnen neuer Fachkräfte, um diesen Mehraufwand zu stemmen.

Ellen Valerius, Leiterin des Amts Familie und Bildung geht es auch darum, die Betreuungszeiten mit einem sinnvollen pädagogischen Konzept zu füllen. „Ferienzeit soll eine Zeit der besonderen Erfahrungen sein – ein pädagogisches Gesamtkonzept, das nahezu ganzjährige Betreuung beinhaltet, sollte dies aufgreifen“.

Ferienbetreuung mit neuem Konzept

In diesem Jahr fand deshalb die erste Woche der klassischen Ferienbetreuung für Grundschüler in einem besonderen Setting statt: Komplett im Wald, in Kooperation mit der städtischen Forstabteilung. Pädagogen und Förster brachten ihre Kompetenzen zusammen und arbeiteten Hand in Hand an der Umsetzung.

Der Leiter der städtischen Forstabteilung, Stefan Fischer, hatte die Idee für den Ort, an dem das „Camp“ mit eigener Infrastruktur samt Waldklo errichtet werden sollte: „Südlich von Sigmaringen angrenzend an Josefslust haben wir unseren Waldaufenthaltsplatz mit angrenzender Doline gefunden. Das ist ein lichtes, sonniges Plätzchen und lädt zum Spielen ein.“

„Spielen in der Natur, im Wald, ist anders als auf Asphalt oder auf dem Bolzplatz. Man sieht keine 200 Meter weit. Es ist ein spannendes Umfeld, und es liegt genügend Material zum Bauen und Spielen herum. Schnell entwickelt sich eine Eigendynamik und das Spielen wird zum Selbstläufer“, so Fischer. Jeder Tag stand unter einem anderen Motto.

Erik Siebler, der als Erzieher im Laizer Kindergarten arbeitet, war auch mit dabei. „Manche Kinder tun sich zunächst schwer, sich aufs Abenteuer Wald einzulassen, weil natürlich keine Spielsachen mitgenommen werden. Für sie ist die Situation fremd und herausfordernd. Wir hatten alle Wetterlagen kalt, warm, nass… Aber es war schön zu sehen, dass auch diese Kinder am Ende der Waldwoche sagten: „Was, schon vorbei? Schade!“

Sport, Kultur, Natur – vielfältige pädagogische Betreuung

Ab 2026 müssen sich Kommunen für 40 Stunden pro Woche Ferienbetreuung neu aufstellen. „Das ist lang – für betreuenden Kräfte und für die Kinder, daher muss die Zeit gut ausgestaltet sein. Die Waldwoche war ein Testballon, um zu schauen, welche Bereiche sich anbieten, einzubinden: Sport, Kultur, Natur, … Das alles kann man pädagogisch aufgreifen und so umsetzen, dass die Kinder auch einen Mehrwert und ein qualitätvolles Angebot erfahren“, sagt Ellen Valerius.

Kinderkulturwoche in den Herbstferien

Eine weitere Säule des Angebots wird nun in den Herbstferien erprobt. Mit der Kinderkulturwoche, die zum zweiten Mal in dieser Form stattfindet, will die Stadtverwaltung den Kleinsten in den Ferien kulturelle Themen näherbringen.

Eine enge Verzahnung mit dem Ehrenamt und Vereinen ist hier ausdrücklich erwünscht. Auch diese könnten sich langfristig beim Thema Ferienbetreuung einbringen. „Das ist ein Annäherungsprozess auch für Kulturakteure, Formate zu finden und die Angebote für Kinder als Zielgruppe zu schärfen und Kindern auch kulturelle Teilhabe zugänglich werden zu lassen“, so die Amtsleiterin.

„Kinder haben zukünftig weniger Zeitfenster für außerschulische Erfahrungen. Umso sinniger ist es, z. B. Vereine in den schulischen Ganztag miteinzubeziehen. Und ein Freiraum wie die Ferienzeit bietet nochmal andere Möglichkeiten, am Stück solche Erfahrungen wie Waldwoche oder Kulturwoche zu erleben.“

Konzept soll weiter ausgebaut werden

Das Konzept der thematischen Schwerpunktbildung, an dem Pädagogen und externe Fachleute zusammenwirken, soll in den nächsten Jahren ausgebaut und erprobt werden. Wenn es sich bewährt, könnte es zu einer Win-win-Situation für alle Beteiligten werden: Die Kommune kommt ihrer Verpflichtung nach Betreuung auch in Ferienzeiten nach und die externen Beteiligten können ihre Themen beim Nachwuchs der Gesellschaft platzieren und für sich werben.

Die in diesem und den nächsten Jahren gesammelten Erfahrungen sind ein wichtiger Baustein für die Stadtverwaltung, um den Rechtsanspruch bis 2026 zur Zufriedenheit aller erfüllen zu können. Auch wenn viele Fragen, etwa, wie groß überhaupt die Nachfrage sein wird, noch offen sind. „Es handelt sich um einen Prozess, aber wir wollen frühzeitig anfangen. 2026 ist nicht übermorgen, aber es kommt.“

Info:

Institutionen, Vereine und Ehrenamtliche, die sich bei solchen Angeboten einbringen wollen, dürfen sich gerne beim Amt für Familie und Bildung melden. Telefonnummer 07571 106-116 oder per Mail an [email protected].

(Pressemitteilung: Stadtverwaltung Sigmaringen)