Beim Netzwerktreffen am 17. März im Wohnpark St. Martinus zogen Verantwortliche und Beteiligte ein positives Zwischenfazit zum Modellprojekt „Palliative Care“, das seit April 2023 gemeinsam von der St. Elisabeth-Stiftung und der St. Elisabeth gGmbH durchgeführt wird.
Ziel des Projekts ist es, die palliative Kompetenz in stationären Pflegeeinrichtungen gezielt zu erweitern. Finanziert durch die Hospizstiftung Biberach, wird das Projekt bis März 2025 in zwei Modellstandorten – dem Wohnpark St. Martinus in Blitzenreute und dem Wohnpark am Rotbach in Mittelbiberach – erprobt.
Mehr Sicherheit, weniger Krankenhauseinweisungen
Wohnparkleiterin Claudia Ziegler zeigte sich zufrieden mit dem bisherigen Verlauf: „Wir können auf zwei lehrreiche Jahre zurückblicken.“ Auch wenn die finalen Auswertungsdaten noch ausstehen, berichten die Beteiligten bereits jetzt von spürbaren Verbesserungen im Alltag. Besonders häufig genannt wurden:
- eine verbesserte Kommunikation zwischen allen Beteiligten
- eine sensiblere und aussagekräftigere Dokumentation
- ein gestärktes Selbstbewusstsein der Mitarbeitenden im palliativen Kontext
- eine deutlich geringere Zahl an Krankenhauseinweisungen
Kommunikation als Schlüssel zur besseren Versorgung
Pflegedienstleiterin Amelie Slavik betonte die zentrale Rolle der Kommunikation: „Eine gute Kommunikation zwischen allen Schnittstellen, Verantwortlichen und Mitarbeitenden ist von großer Bedeutung.“ Auch im Umgang mit Hausärztinnen und Hausärzten sei eine neue Sicherheit spürbar.
Irmlind Illing-Graf, Palliative-Care-Fachkraft mit einer halben Stelle im Wohnpark St. Martinus, hob besonders die Qualitätsverbesserung bei der Dokumentation hervor. Sie werde heute deutlich feinfühliger geführt – etwa durch Hinweise auf die Reaktion von Bewohnerinnen und Bewohnern auf Pflegeangebote, was in der letzten Lebensphase besonders wertvoll sei.
Wünsche der Bewohner im Fokus
Ein weiterer Effekt: Die Zahl der Krankenhauseinweisungen in palliativen Situationen habe sich reduziert. „Früher wurden Bewohner häufiger ins Krankenhaus gebracht. Heute gelingt es uns öfter, sie bei uns im Wohnpark zu begleiten – in enger Abstimmung mit den Hausärzten“, so Claudia Ziegler. Für viele Bewohner sei es wichtig, in vertrauter Umgebung sterben zu können.
Gleiche Erfahrungen im zweiten Modellstandort
Auch beim Netzwerktreffen im Wohnpark am Rotbach in Mittelbiberach am 19. März wurden vergleichbare Ergebnisse besprochen. Palliative-Care-Fachkraft Barbara Hehl bestätigte: „Die Stimmen waren fast wörtlich die gleichen wie beim Netzwerktreffen in Blitzenreute.“
Perspektive: Palliative Versorgung braucht nachhaltige Finanzierung
Susanne Sieghart, Geschäftsbereichsleiterin Altenhilfe und Hospize der St. Elisabeth-Stiftung, zeigte sich dankbar für die Förderung durch die Hospizstiftung Biberach, bedauerte aber das Fehlen einer Anschluss- oder Regelfinanzierung. Rund 220.000 Euro seien bislang in das Projekt geflossen.
„Wir werden unser Angebot weiterentwickeln – auch wenn nicht in der gleichen personellen Intensität wie während der Projektphase. Zusammen mit der größten Krankenkasse wollen wir den Mehrbedarf sichtbar machen, denn palliative Versorgung ist mit dem aktuellen Personalschlüssel nicht leistbar“, so Sieghart.
Die Evaluationsergebnisse werden voraussichtlich belegen, dass durch eine qualifizierte palliative Versorgung Krankenhauseinweisungen vermieden werden können.
Einladung zum Fachtag in Heggbach
Einblicke in die Projektergebnisse, künftige Bedarfe und Lösungsansätze für die palliative Versorgung in Pflegeeinrichtungen bietet der Fachtag am 27. Juni in Heggbach. Auch dieser wird von der Hospizstiftung Biberach unterstützt.
(Quelle: St. Elisabeth-Stiftung)