Volles Haus bei der BürgerEnergiegenossenschaft Region Wangen im Allgäu eG

Volles Haus bei der BürgerEnergiegenossenschaft Region Wangen im Allgäu eG
Stehen für Engagement und Sachverstand in Energiefragen – die Mitglieder des BEG-Aufsichtsrats und die Vorstände Wolfgang Friedrich (Technik, links) und Christoph Müller (Finanzen, rechts). (Bild: Stadt Wangen / sum)

WOCHENBLATT

Der Andrang bei der 15. Generalversammlung der BürgerEnergiegenossenschaft Region Wangen im Allgäu eG (BEG) war groß. So groß, dass sich Finanzvorstand Christoph Müller zu der Aussage hinreißen ließ: „Vor so einem vollen Haus habe ich noch nie meinen Vorstandsbericht der BEG gehalten.“ Was es zu hören gab, stieß auf viel Beifall. Kein Wunder: Nach längerer Zeit kann die BEG die Dividende von drei auf vier Prozent anheben.

Technikvorstand Wolfgang Friedrich konnte von einem „guten zurückliegenden Jahr“ berichten. „Die Anlagen laufen gut, das Ergebnis ist es ebenfalls“, sagte er mit Blick auf einen Ertrag von insgesamt 489.800 Kilowattstunden (kWh) aus allen 14 Photovoltaik-Dachanlagen. Das Ergebnis 2023 entspreche der Prognose von 2022. Rein rechnerisch versorge man damit ein Jahr lang ein kleines Dorf mit rund 450 Einwohnern und spare im Vergleich zur Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen 350 Tonnen CO2 ein.

Auch für 2024 gibt es eine für die Mitglieder erfreuliche Prognose. Denn durch den Zugewinn der neuen PV-Anlage auf den Dächern der drei hohen Auwiesenhäuser dürfte der produzierte Solarstrom noch einmal um 10 Prozent steigen – und das obwohl die Dachsanierung auf der Schule in Neuravensburg fortgesetzt werden muss. Damit verbunden ist einerseits der zeitweise Abbau der PV-Anlage dort, andererseits wird auf ein zweites Schuldach eine zweite PV-Anlage gebaut.

Mit dem Mieterstromprojekt auf den Auwiesenhäusern betritt die BEG für sie Neuland. Die Mieter werden über den Strom vom Dach und aus einem großen Speicher im Keller versorgt. Nur in Zeiten kompletter Sonnenarmut wird der Strom aus dem Netz bezogen. Die finanzielle Abrechnung übernimmt für die BEG ein spezialisiertes Unternehmen.

Bis Ende dieses Jahres soll auch die neue Anlage auf dem im Bau befindlichen Haus der Bürgerstiftung mit 29,9 kWp in Betrieb gehen. Bereits für 2025 in Planung ist eine PV-Anlage auf dem Dach des ebenfalls im Bau befindlichen neuen Feuerwehrhauses Leupolz-Karsee mit 45 kWp.

Weiterhin in der Vorbereitung ist die Freiflächenanlage bei Humbrechts, die das Zehnfache an Leistungen haben soll, was die BEG bisher schon produziert, wie Friedrich sagte. Seit dem Jahresbeginn 2023 gelten solche Anlagen an Autobahnen als privilegiert, was bedeuten müsste, dass die Genehmigungsverfahren schneller gehen als sonst. Allerdings ist das neue Baugesuch vom Herbst 2023 noch in der Bearbeitung, unter anderem weil von Seiten der Naturschutzbehörde weitere Nachweise angefordert wurden.

Wenn alles gut läuft, liegt die Genehmigung laut Friedrich bis zur Sommerpause vor. Dies sei die Voraussetzung für die EEG-Ausschreibung. Im Herbst könnte dann die Auftragsvergabe an einen Generalunternehmer folgen. Dann soll es auch die zugesagte Bürgerinformation in Niederwangen geben. Mit dem Bau könnte im Frühjahr 2025 begonnen werden, wenn es keine Klagen gegen die Baugenehmigung gibt. Die Planung dieses Projekts zieht sich inzwischen seit viereinhalb Jahren hin.

Ebenfalls einen langen Atem bei der BEG und allen weiteren Beteiligten setzen die Planungen am Windpark Länge bei Hüfingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) voraus. Das Projekt wurde mehrfach beklagt. Eine Entscheidung sollte zuletzt bis Ostern 2024 fallen. Dennoch hoffen die Beteiligten – die BEG ist eine von 17 Kommanditisten –, dass die sechs Windkraftanlagen bis Mitte 2026 laufen könnten.

Auch der Finanzvorstand Christoph Müller konnte positive Entwicklungen vermelden. Mit rund 1,1 Millionen Euro Aktiva und Passiva spiegeln sich die Investitionen in Höhe von rund 320 000 Euro im Gechäftsjahr in der Bilanz wieder. Mit über 152.000 Euro Umsatzerlösen erreichte die BEG einen Rekordwert und erzielte ein noch nie dagewesenes Ergebnis. Dies schlägt sich auch im Bilanzgewinn von 33.000 Euro nieder. Die Generalversammlung stimmte einstimmig zu, in diesem Jahr 4 Prozent Dividende auszuzahlen. Positiv zu sehen ist auch die Eigenkapitalquote von 78,3 Prozent –  und ein Zeichen von soliden Finanzen.

Wahl zum Aufsichtsrat

Neu in den Aufsichtsrat wurden Roberto Turra und Mustafa Özaydin gewählt. Nicht mehr kandidiert haben Tobias Walch aus Achberg und Paul Schwarz aus Wangen. Die weiteren Mitglieder sind: Dr. Johannes Aschauer, Carmen Cremer, Günter Engler, Walter Gebhard, Anton Glatthaar, Rolf Haag, Lothar Krug, Thomas Landsbek, Michael Lang, Markus Mischke, Professor Dr. Klaus Müller und Hans Roman.

Die BEG in Zahlen

1.Januar 2023: 604 Mitglieder, 31. Dezember: 609 Mitglieder, Summe der Geschäftsguthaben: 802.000 Euro.

Die Begrenzung auf einen Anteil pro Mitglied wird aufgehoben und auf maximal fünf Anteile erhöht. Aktuell können Mitglieder, die weniger als 5 Anteile haben, noch weitere Anteile erwerben.

(Pressemitteilung: Stadt Wangen)