„Wir sind Europa“ Wangen begeht zum 20. Mal den Europatag mit Musik, Interviews und Begegnung

Wangen begeht zum 20. Mal den Europatag mit Musik, Interviews und Begegnung
Sie laden herzlich ein zum Europatag mit viel Musik und interessanten Gesprächspartnern: (von rechts) Pfarrerin Dr. Elisabeth Jooß, Professor Jörg Wendorff, Claudia Riedel, Walter Patschke, Ehrenvorsitzender des Partnerschaftsvereins und Mitgründer der Europatag-Veranstaltungen, sowie Pfarrer Albrecht Knoch, Ulm. Nicht im Bild Kulturamtsleiter Hermann Spang, der die Europatage seit Beginn betreut und fördert. (Foto: Stadt Wangen/sum)
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Europa ist ein Kontinent, eine politische und wirtschaftliche Größe, ein gemeinsamer Wertekanon, der auf einer gemeinsamen kulturellen Basis gewachsen ist. Leben in Europa bedeutet, in Freiheit, Demokratie und größtmöglicher Sicherheit zu leben. Aber das, was Europa lebendig macht, sind bei aller Unterschiedlichkeit und mit ihren unterschiedlichen Traditionen die Menschen. Sie sollen deshalb am 20. Europatag in Wangen im Mittelpunkt stehen.

Menschen, die in Wangen leben, aber aus europäischen Ländern im Norden, Osten, Süden und Westen stammen, erzählen in kurzen Interviews davon, wie sie in Wangen und der Region angekommen und heimisch geworden sind. Dabei wird es sicher auch die eine oder andere lustige Anekdote geben.

Aus allen vier Himmelrichtungen kommen auch die musikalischen Beiträge, vorgetragen vom Schwanenchor und dem DeChor aus Deuchelried, Christian Feichtmair, Anni Poikonen, Vladimir Bussovikov und Seghei Colisnic von der Jugendmusikschule Württembergisches Allgäu, Amira Dinler, Schülerin an der JMS. Als Interviewpartner haben bereits zugesagt: Anni Poikonen (Finnland), Julie Walter (Frankreich), Teresa Fernandes (Portugal) und Mariya Lyaskovets (Ukraine). Nach der Begrüßung durch Walter Patschke vom Partnerschaftsverein stellen die Fragen Prof. Jörg Wendorff, Pfarrer Albrecht Knoch aus Leutkirch, Pfarrerin Dr. Elisabeth Jooß von der evangelischen Kirchengemeinde und Hermann Spang, Stadt Wangen. Im Anschluss ist Gelegenheit zum Austausch bei Gebäck und Getränken. Der Eintritt ist frei. Herzliche Einladung!

Wangen und der Europatag

Mit einer Fahrt nach La Garenne-Colombes fing alles an: Inzwischen gibt es zum 20. Mal eine Veranstaltung zum Europatag in Wangen.

Was genau ist der Europatag?

Gleich mehrere Tage Anfang Mai rücken ins Gedächtnis in Bezug auf Europa. Am 5. Mai 1949 wurde der Europarat mit Sitz in Straßburg gegründet. Er hat sich den Schutz von Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit zur Aufgabe gemacht. Am 8. und 9. Mai 1945 steht das Ende des Zweiten Weltkriegs mit der Unterzeichnung der Bedingungslosen Kapitulation durch Hitler-Deutschland im Fokus. Doch der Europatag knüpft in erster Linie an den 9. Mai 1950 an: Damals schuf der französische Außenminister Robert Schumann mit einer visionären Rede in Paris die Voraussetzung zur Gründung des ersten Vorläufers der Europäischen Gemeinschaft, wie wir sie heute kennen. Die sogenannte Montanunion sollte die Produktion von Stahl und Kohle in Europa vergemeinschaften, um ein erneutes Kämpfen und Morden wie in den beiden Weltkriegen auf dem Boden Europas künftig zu verhindern. Seit 1986 wird der Europatag europaweit in unterschiedlicher Ausprägung begangen.

Wieso in Wangen?

Die Stadt pflegt seit Langem Verbindungen nach La Garenne-Colombes bei Paris und Prato in der Toskana. Inzwischen gibt es auch starke Verbindungen nach Wil in der Schweiz und nach Ebensee in Österreich. Die Wangener sind also spätestens vom Schüleralter an über den Austausch der Schulen und der Vereine in Europa eingebunden. Guter Brauch ist es auch, dass sich die Vertreter der Städte zu den jeweiligen großen Feiertagen in ihren Kommunen besuchen.
So war es auch 2006. Damals gehörte der Wangener Delegation beim Stadtfest in La Garenne-Colombes neben Oberbürgermeister Michael Lang, Walter Patschke vom Partnerschaftsverein auch Friederike Hönig – damals evangelische Pfarrerin in der Wittwais an. Sie traf mit André Lazerus, evangelischer Pfarrer in Paris, einen Theologen, der wie sie politisch dachte.
Es war die Zeit, da in Europa intensiv über den Vertrag von Lissabon diskutiert wurde, der die EU in ihrer heutigen Ausprägung begründete und 2007 von den damals 27 Mitgliedsstaaten unterzeichnet wurde. Deshalb thematisierten die Interessierten beim ersten „Europatag“ die Rolle der Kirchen in der EU und hatten als Gast die Europaabgeordnete Elisabeth Jeggle zu Gast.

Sie schrieb in ihrem Grußwort zum 50-jährigen Bestehen der Wittwaiskirche im Jahr 2013: „Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Kirchengemeinde sich um politische Information bemüht. Dass die Wittwaisgemeinde inzwischen regelmäßig einen Europatag veranstaltet, finde ich großartig.“ Und André Lazerus bezog sich auf Artikel 16 C des Vertrags von Lissabon, der die EU zu einem transparenten und offenen Dialog mit den Kirchen verpflichtet. Er schrieb: „Das ist eine Einladung, die an uns gerichtet ist. Was ist unsere Antwort darauf?  Liebe Freunde,… könntet ihr bei Euren jeweiligen Gelegenheiten darauf hinwirken, dass der Dialog weitergeführt wird?“

Eine wichtige Botschaft…

Im Rückblick besonders interessant: 2013 war der Europaexperte Andreas Schockenhoff († 2014), Mitglied des Deutschen Bundestags aus Ravensburg, Gastredner bei der Veranstaltung. Er sagte: „Wir müssen uns Europa immer wieder neu erarbeiten.“ Denn: „Dieses Europa muss sich in der Welt bewähren.“  Seine Folgerung: „Es bleibt uns nichts anderes übrig, als dass wir die gemeinsame Verpflichtung nicht aus den Augen verlieren.
Auf Dauer wird Europa nur gegenüber den USA und China  bestehen, wenn die Integration weiter vorangetrieben wird und Außen-, Sicherheits-, Verteidigungs- und Entwicklungspolitik an Europa abgegeben werden. Kein Land in Europa kann das allein leisten.“  

Wer steht dahinter?

In den vergangenen Jahren hat sich die Gruppe, die den Europatag plant und verantwortet, naturgemäß verändert. Vom Gründungsteam sind noch dabei: Walter Patschke Ehrenvorsitzender im Partnerschaftsverein, und Kultur- und Sportamtsleiter Hermann Spang, der mindestens so sehr dienstlich wie persönlich als überzeugter Europäer die Sache unterstützt.
Susanne Müller nahm sich des Themas von Beginn an mit Pressearbeit an. Inzwischen gehören ihr vonseiten der evangelischen Kirche Dr. Jörg Wendorf, ehemaliger Kirchengemeinderat, Albrecht Knoch, evangelischer Pfarrer Bad Boll, Dr. Elisabeth Jooß, evangelische Pfarrerin, die katholische Kirchengemeinde ist vertreten mit Claudia Riedel.   Institutionell sind die beiden Kirchen, die Stadt und der Partnerschaftsverein Träger des Europatags. Gefeiert wird inzwischen in städtischen Räumen.

Welche Themen wurden bis heute bearbeitet?  

  • 2006: Der Aufbau Europas und die Rolle der Kirchen
  • 2007: Religionen gestalten das Miteinander in Europa – ineinander- miteinander – gegeneinander – nebeneinander
  • 2008: Die Mauer an den Grenzen Europas – was geschieht mit den Flüchtlingen? 
  • 2009: Christlicher Fundamentalismus in Europa
  • 2010: Europa – Wertegemeinschaft oder nur Gütergemeinschaft
  • 2011: Klimawandel- Gesellschaftswandel- Lebenswandel; Anders-besser-sorgsamer
  • 2012:  Ethische Verantwortung von Großunternehmen und ihr Beitrag zum internationalen Verständnis
  • 2013: Aus Erbfeinden wurden Freunde – Die deutsch-französische Freundschaft in der Verantwortung für Europa.
  • 2014: Europa – Antwort auf 1914
  • 2015: Europatag – Flüchtlingen europäisch begegnen
  • 2016: Die Werte unserer europäischen Kultur – was uns allen gemeinsam ist
  • 2017: Heilloser Streit oder bunte Vielfalt? – Die Reformation und ihre Spuren in Europa
  • 2018: Für ein soziales Europa
  • 2019: Europa bewegt: Ein kulinarischer Abend mit Gesprächen über Europa
  • 2020: Der grüne Deal für Europa – Der Zukunft den Boden bereiten.
  • 2021: Gipfelgespräche über Europa
  • 2022: Friedensprojekt Europa: Wie wir zusammenleben wollen
  • 2023: Wofür steht Europa?
  • 2024: In Vielfalt vereint!
  • 2025: 80 Jahre Frieden in Europa – und jetzt?
  • 2026: Europa – das sind wir! 20 Jahre Europatag in Wangen

(Quelle: Stadtverwaltung Wangen im Allgäu)