Wer sich in den weitverzweigten Keller des Westallgäu-Klinikums wagt, der taucht in eine völlig andere Welt ab, einen Mikrokosmos, in dem nichts mehr an die quirligen Stationen dort oben erinnert. Menschen gibt es hier kaum, keine Ärzte, keine Pfleger, keine Patienten, schon gar keine Angehörige, dafür Leitungen und Rohre, die sich durch die zahllosen Gänge und Räume winden wie Riesenschlangen in einem Labyrinth.
Es ist eine Welt mit Schrauben und Schläuchen, mit Drehverschlüssen und Dämmstoffen, mit Kabeln und Kupferdraht. Und doch ist der Maschinenraum der Klinik keineswegs düster, im Gegenteil: Die Wangener Unterwelt funkelt zuweilen wie Lametta am Weihnachtsbaum. Silberne Edelstahlbehälter spiegeln sich im Licht der Halogenlampen, und im Brennraum des Hackschnitzelkessels glüht und brodelt es durchs Sichtfenster wie in einem Vulkan.
Reinhold Bischof – 26 Jahre Technikverantwortung
Reinhold Bischof fühlte sich pudelwohl in dieser Welt aus Stahl. Der gebürtige Haslacher hatte sie sich bewusst ausgesucht, damals vor 26 Jahren, als der gelernte Elektroinstallateur und -meister vom Ravensburger Omira-Milchwerk an die OSK und nach Wangen wechselte.
Zunächst arbeitete er zehn Jahre lang im Kundendienst und betreute die Sterilisatoren aller OSK-Kliniken. Danach stieg er zum Technischen Leiter auf – und trug plötzlich eine Schlüsselverantwortung für den sicheren Klinikbetrieb.
„Ohne Strom und Energie geht in einem Krankenhaus nichts“, sagt Bischof rückblickend. „Die Aufrechterhaltung der Energieversorgung, der Infrastruktur und des Betriebs – auch im Katastrophen- und Krisenfall – ist unsere Aufgabe.“ OP-Säle, Monitore, Brandschutz, Sauerstoffversorgung, Notstromaggregate, Abwasser, Telefonie: Alles müsse dauerhaft funktionieren, 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr.
Technik als stille Lebensversicherung
Zwar seien die meisten Abläufe automatisiert und digital gesteuert, dennoch bleibe die manuelle Kontrolle unverzichtbar. „Die Technik leistet einen entscheidenden Beitrag, um den Betrieb in einer Klinik jederzeit sicherzustellen“, fasst Bischof zusammen.
Der Staffelstab geht weiter – Frank Schlezak übernimmt
Seit dem 1. Dezember führt Frank Schlezak das siebenköpfige Technik-Team in Wangen. Der 59-jährige Baienfurter, Vater von drei Kindern, war zuvor 16 Jahre Fachbereichsleiter Elektro am St. Elisabethen-Klinikum.
Bereits Monate vor dem offiziellen Wechsel arbeitete er sich intensiv in die Besonderheiten der Wangener Technik ein. Gemeinsam mit Reinhold Bischof prüfte er Wartungsintervalle, begleitete Fremdfirmen, absolvierte Kontrollgänge und stellte sicher, dass bei der Übergabe nichts dem Zufall überlassen bleibt.
„Für mich ist es eine neue Herausforderung und eine große Chance, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Schlezak.
Altes Haus, neue Aufgaben
Während das St. Elisabethen-Klinikum erst 2018 neu gebaut wurde, feierte das Westallgäu-Klinikum kürzlich seinen 109. Geburtstag. Viele Anlagen seien modernisiert, dennoch stehe in den kommenden Jahren weiterer Erneuerungsbedarf an.
Die geplante Sanierung, die Optimierung der Brandmeldeanlage, der Austausch der LED-Beleuchtung und des Hauptverteilers zählen zu den großen Aufgaben der nächsten Zeit.
Prioritäten wie in der Notaufnahme
Fast ununterbrochen klingelt das Telefon während des Rundgangs durch die Technikräume. „Die Kunst besteht darin, Prioritäten zu setzen – ähnlich wie in der Notaufnahme“, sagen die beiden Techniker. Entscheidend sei immer, dass der Betrieb aufrechterhalten bleibt.
Trotz aller Verantwortung eint beide die Begeisterung für die „Urgewalt der Maschinen“ und das Zusammenspiel der Technik.
Von Fröschen und Dankbarkeit
Auch humorvolle Momente bleiben nicht aus. Bischof erinnert sich an einen Einsatz wegen angeblicher Frösche in der Klinik – die sich schließlich als Amphibien in einem Lichtschacht entpuppten.
Mit viel Dankbarkeit blickt der 64-Jährige nun auf seine Zeit zurück: „Ich hatte einen abwechslungsreichen Job und viel Verantwortung. Ohne Spaß an der Arbeit und ohne einen verlässlichen Arbeitgeber wäre ich sicher nicht 26 Jahre geblieben.“



(Quelle: Oberschwabenklinik gGmbH)