Prof. Jörn Zwingmann bringt Kindertraumatologie im Land voran

Der Chefarzt für Unfallchirurgie und Orthopädie initiiert Kurs für die Fortbildung und Zusatzbezeichnung Kindertraumatologie.
Der Chefarzt für Unfallchirurgie und Orthopädie initiiert Kurs für die Fortbildung und Zusatzbezeichnung Kindertraumatologie. (Bild: OSK)

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Nicht nur die optimale Versorgung von Erwachsenen liegt Prof. Dr. Jörn Zwingmann, dem Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am St. Elisabethen-Klinikum in Ravensburg, am Herzen. Kinder und Heranwachsende und die spezifischen Besonderheiten in der Diagnostik und Therapie von muskuloskelettalen Verletzungen sind ihm ebenso wichtig.

Die klassischen Verletzungen in der Kindertraumatologie sind unter anderem handgelenksnahe Frakturen, die meist konservativ, also nicht-operativ behandelt werden, sowie ellenbogengelenksnahe Frakturen des Oberarms, die häufig operiert werden müssen. Zumeist kommen sie durch Stürze, Sport- oder Fahrradunfälle zustande und bedürfen spezieller Behandlung.

„Die Kindertraumatologie hat extrem viele Besonderheiten, die wir in der Erwachsenenmedizin nicht kennen“, sagt Prof. Zwingmann. „Bei einem wachsenden Skelett gibt es Wachstumsfugen, also Bereiche am Ende des Knochens, an denen er größer wird. Und durch diese Fugen gibt es immer auch ein natürliches Korrekturpotenzial bei spezifischen Verletzungen. Es gibt Verletzungen, die können sich auch auswachsen, also sich durch das Wachstum von selbst begradigen. Andere allerdings nicht, und die müssen dann operiert werden.“ Die OP-Methoden sind dabei laut des Chefarztes zumeist grundverschieden im Vergleich zu Erwachsenen: „Es wird viel mit titanelastischen Nägeln (TENs oder ESIN) operiert und stabilisiert, etliche OP-Verfahren sind speziell für Kinder und Heranwachsende konzipiert. Die muss man kennen, lernen und anwenden können.“

Prof. Zwingmann trifft sich jährlich mehrmals mit den 30 bis 40 führenden deutschen Kinderorthopäden, -chirurgen und –traumatologen in der Sektion Kindertraumatologie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). Diese Arbeitsgruppe hat nun in den letzten Jahren einen sechsteiligen Fortbildungskurs mit theoretischen und praktischen Inhalten erstellt, den Ärzte mit Interesse für Kindertraumatologie besuchen können und mit einem Zertifikat und einer Zusatzbezeichnung der DGU abschließen können. Als Instruktor für diesen Kurs war Prof. Zwingmann somit einer der ersten in Deutschland, der offiziell das entsprechende Zertifikat erhalten hat.

„Ziel unserer Arbeitsgruppe und der neuen Fortbildung ist es, die operative und konservative Therapie von muskuloskelettalen Verletzungen von Kindern und Jugendlichen mit stetigem Wissensaustausch und regelmäßigen Schulungen weiter in Deutschland zu verbessern und damit die Qualität in der Therapie für verunfallte Kinder und Jugendliche zu steigern“, sagt Prof. Zwingmann. „In unserer Gruppe arbeiten wir auch wissenschaftliche Fragestellungen auf, geben Therapieempfehlungen heraus und haben nun nach mehreren Jahren der Planung und Vorbereitung den neuen Kurs erstellt mit sechs Modulen. Drei davon können vor der Facharztprüfung absolviert werden, die weiteren müssen danach folgen. Wer zusätzlich eine gewisse Anzahl von durchgeführten Operationen nachweisen kann und die finale mündliche Prüfung besteht, hat die Zusatzbezeichnung für Kindertraumatologie erworben“, so der Chefarzt. „Wir wollen diese kindertraumatologische Kompetenz auf hohem Niveau schärfen, deshalb werde ich mich auch weiterhin als Ausbilder einbringen.“

Der Chefarzt dürfte nicht der einzige Kindertraumatologie-Spezialist mit Zusatzqualifikation an der Oberschwabenklinik bleiben. Auch Oberärztin Dr. Sylvia Reinhardt aus seinem Team absolviert derzeit den Lehrgang und verfügt über eine große Expertise auf dem Gebiet der Kindertraumatologie.

(Pressemitteilung: OSK)