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Neue Wege bei Geburten Hebammengeleiteter Kreißsaal startet in Ravensburg

Ab 1. Dezember gibt es am St. Elisabethen-Klinikum in Ravensburg einen hebammengeleiteten Kreißsaal. Voraussetzung ist eine medizinische Prüfung in der Hebammensprechstunde.

Lesezeit 3 Minuten
13 Frauen stehen für ein Gruppenfoto nebeneinander auf einem Weg vor hohem grünen Schilf und blicken in die Kamera.
Die 13 freiberuflichen Hebammen am St. Elisabethen-Klinikum in Ravensburg begleiten werdende Mütter künftig auch im neuen hebammengeleiteten Kreißsaal. (Bild: OSK)

Am St. Elisabethen-Klinikum in Ravensburg können werdende Mütter ab dem 1. Dezember 2026 eine weitere Möglichkeit der Geburtshilfe nutzen. Gesunde Frauen mit einem unauffälligen Schwangerschaftsverlauf haben künftig die Wahl, ihr Kind im neuen hebammengeleiteten Kreißsaal ohne ständige ärztliche Betreuung zur Welt zu bringen. Voraussetzung ist eine vorherige medizinische Prüfung.

Bereits ab dem 1. November bietet die Oberschwabenklinik (OSK) eine spezielle Hebammensprechstunde an. Dort wird geklärt, ob die werdende Mutter die medizinischen Voraussetzungen für das neue Betreuungsmodell erfüllt. Die Teilnahme an dieser Sprechstunde ist verpflichtend, wenn eine Geburt im hebammengeleiteten Kreißsaal gewünscht wird.

Individuelle Betreuung durch eine Hebamme

Im Mittelpunkt des neuen Konzepts steht eine Eins-zu-eins-Betreuung. Ab der aktiven Eröffnungsphase, bei einer Muttermundöffnung von sechs Zentimetern, begleitet eine Hebamme die werdende Mutter individuell durch die Geburt. Sie überwacht den Geburtsfortschritt, gibt Orientierung und unterstützt die Frau bei ihren Entscheidungen.

Ida Zirn und Kathrin Heyder, Sprecherinnen der 13 freiberuflichen Hebammen am St. Elisabethen-Klinikum, betonen, dass die Frauen ihre Geburt möglichst selbstbestimmt gestalten können sollen. Dabei stehen eine geschützte Atmosphäre, ausreichend Zeit und eine individuelle fachliche Begleitung im Vordergrund.

Aufgrund der Dienstzeiten kann es während einer Geburt allerdings zu einem Wechsel der betreuenden Hebamme kommen.

Natürliche Geburt mit möglichst wenigen Eingriffen

Der hebammengeleitete Kreißsaal setzt auf eine möglichst natürliche Geburt. Medikamente und medizinische Eingriffe sollen nach Möglichkeit vermieden werden.

Zur Schmerzlinderung stehen unter anderem Wärme, Wasseranwendungen, Atemtechniken, Massagen sowie verschiedene Bewegungs- und Entspannungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die Schwangeren sollen sich möglichst frei bewegen und zwischen unterschiedlichen Gebärpositionen wählen können.

Das Angebot richtet sich ausschließlich an gesunde Frauen mit einem unauffälligen Schwangerschaftsverlauf, bei denen die medizinischen Untersuchungen keine Risiken erkennen lassen, die gegen eine hebammengeleitete Geburt sprechen.

Ärztliche Versorgung bleibt jederzeit verfügbar

Obwohl die Geburt eigenverantwortlich von einer Hebamme betreut wird, bleibt die medizinische Versorgung durch Ärzte gewährleistet. Bei Komplikationen steht ein ärztlicher Notdienst bereit, der unmittelbar eingreifen kann. Auch die angeschlossene Kinderklinik ist Teil der medizinischen Versorgung.

Treten während der Geburt medizinische Auffälligkeiten auf, veranlasst die Hebamme den Wechsel in die ärztlich geleitete Geburtshilfe. Die werdende Mutter kann sich zudem jederzeit selbst für eine ärztliche Betreuung entscheiden.

„Die Frauen haben, wenn es die medizinischen Voruntersuchungen bei ihnen und ihrem Kind erlauben, ab dem 1. Dezember die Wahl, wie sie bei uns ihr Kind auf die Welt bringen möchten: stets unter Aufsicht und Betreuung eines Arztes oder nur dann, wenn es medizinisch nötig ist“, erklärt Dr. Martina Gropp-Meier, Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Land fördert neuen Kreißsaal mit 45.936 Euro

Für die Einführung des hebammengeleiteten Kreißsaals erhält die Oberschwabenklinik eine Förderung in Höhe von 45.936 Euro aus Landesmitteln des Sozial- und Gesundheitsministeriums.

Prof. Dr. Oliver Rentzsch, Ärztlicher Direktor der Oberschwabenklinik, bezeichnet das neue Modell als Ergänzung zur bisherigen Geburtshilfe. Beide Betreuungsformen sollen eine sichere und an den individuellen Bedürfnissen orientierte Geburt ermöglichen.

Der neue Kreißsaal ist räumlich und organisatorisch vollständig in die bestehende Geburtshilfe des St. Elisabethen-Klinikums integriert. Der wesentliche Unterschied liegt in der medizinischen Verantwortung: Im hebammengeleiteten Kreißsaal betreuen Hebammen die Geburt eigenverantwortlich. Im ärztlich geleiteten Kreißsaal liegt die Verantwortung gemeinsam bei Hebammen und Ärzteteam.

Anmeldung und Ablauf der Hebammensprechstunde

Frauen, die sich für eine Geburt im hebammengeleiteten Kreißsaal interessieren, können ab dem 1. November 2026 die spezielle Hebammensprechstunde nutzen.

Die erste Vorstellung findet zwischen der 30. und 34. Schwangerschaftswoche statt. Dabei werden der bisherige Schwangerschaftsverlauf, mögliche Risikofaktoren und die persönlichen Wünsche der werdenden Mutter besprochen.

Zwischen der 36. und 37. Schwangerschaftswoche folgt ein weiterer Termin. Die medizinischen Voraussetzungen werden erneut geprüft und der weitere Ablauf gemeinsam geplant.

Bei der Aufnahme zur Geburt erfolgt schließlich eine abschließende Einschätzung, ob eine hebammengeleitete Betreuung möglich ist. Die Entscheidung bleibt freiwillig. Ein Wechsel in die ärztlich geleitete Geburtshilfe ist jederzeit möglich.

(Quelle: OSK)

Schlagwörter

Transparenz

Erstmals veröffentlicht
29.10.2026, 09:44 Uhr

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