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Hoffnung nach schwerer Diagnose Nach Krebsdiagnose: Frau aus Vogt in Ravensburg tumorfrei

Nach einer seltenen Appleby-Operation am St. Elisabethen-Klinikum in Ravensburg ist Doris Heldmaier aus Vogt tumorfrei. Zuvor hatte sie 15 Monate Chemotherapie erhalten.

Lesezeit 7 Minuten
Zwei lächelnde Frauen stehen nebeneinander vor einem Landschaftsbild, eine davon trägt einen weißen Arztkittel.
Patientin Doris Heldmaier aus Vogt und Chefärztin Prof. Dr. Karolin Thiel (Bild: OSK)

Für Doris Heldmaier aus Vogt änderte sich im März 2025 das gesamte Leben. Damals erhielt die 65-Jährige die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Der Tumor war bereits weit fortgeschritten und in die Leber sowie weitere Oberbauchorgane eingewachsen. Rund 17 Monate später erhielt sie nach einer außergewöhnlichen Operation am St. Elisabethen-Klinikum in Ravensburg die Nachricht, dass sie tumorfrei ist.

„Ich bin dem Tod nochmal von der Schippe gesprungen“, sagt Heldmaier. „Es fühlt sich gerade an, als hätte mir jemand ein neues Leben geschenkt. Ich bin einfach nur dankbar, und es ist ungewohnt: Ich kann jetzt langsam wieder größere Pläne schmieden für die Zukunft.“

Die ehemalige Leiterin des Diakonischen Instituts für Soziale Berufe in Friedrichshafen kennt das Gesundheitswesen aus eigener beruflicher Erfahrung. 14 Jahre lang leitete die Sozialpädagogin und gelernte Altenpflegerin dort die Berufsfachschule für Pflege. Als sie von ihrer Erkrankung erfuhr, wusste sie deshalb auch, wie ernst die Diagnose war.

Bauchspeicheldrüsenkrebs wird häufig spät erkannt

Bauchspeicheldrüsenkrebs, medizinisch Pankreaskarzinom genannt, gehört zu den besonders gefährlichen Krebserkrankungen. Da die Symptome häufig unspezifisch sind, wird die Erkrankung oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium festgestellt. Laut den im Ausgangsbericht genannten Zahlen leben fünf Jahre nach der Diagnose nur noch elf Prozent der Erkrankten. Die Überlebensrate steigt demnach nur langsam.

Auch bei Doris Heldmaier war der Tumor bereits weit fortgeschritten. Eine gewöhnliche Operation kam aufgrund der Beteiligung wichtiger Blutgefäße nicht infrage. Am St. Elisabethen-Klinikum entschied sich das Behandlungsteam deshalb für ein selten angewandtes chirurgisches Verfahren.

Seltene Appleby-Operation erstmals in Ravensburg durchgeführt

Chefärztin Prof. Dr. Karolin Thiel setzte bei der Patientin erstmals am St. Elisabethen-Klinikum die sogenannte Appleby-Technik ein. Dabei handelt es sich um einen komplexen chirurgischen Eingriff, der bei bestimmten Tumoren der Bauchspeicheldrüse und des Magens angewendet werden kann.

Das Verfahren kommt insbesondere dann infrage, wenn die große Oberbaucharterie vom Tumor betroffen ist. Voraussetzung ist allerdings, dass die Blutversorgung von Leber und Magen über andere Gefäße weiterhin gewährleistet werden kann.

International wird die Methode nur an wenigen spezialisierten Kliniken eingesetzt. In Deutschland werden nach Angaben der Oberschwabenklinik jährlich nur Eingriffe in zweistelliger Anzahl an Universitätskliniken durchgeführt.

Die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie in Ravensburg verfügt unter der Leitung von Prof. Thiel über mehrere Zertifizierungen der Deutschen Krebsgesellschaft. Diese betreffen die Behandlung von Darm-, Bauchspeicheldrüsen- und Speiseröhrenkrebs. Ab November soll auch die Zertifizierung für Magenkrebs offiziell hinzukommen.

Spezialist aus Südtirol unterstützt Operation

Für den außergewöhnlichen Eingriff holte Prof. Thiel einen erfahrenen Kollegen hinzu: Prof. Dr. Alfred Königsrainer, den emeritierten Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Tübingen.

Thiel hatte in Rostock, Malaga und Berlin studiert und ihre chirurgische Ausbildung an der Universitätsklinik Tübingen abgeschlossen. Dort arbeitete sie zuletzt als Leitende Oberärztin und gehörte zu den Schülern Königsrainers, der über umfangreiche Erfahrung in der Tumor- und Transplantationschirurgie verfügt.

Der Kontakt zwischen beiden blieb auch nach Thiels Wechsel nach Ravensburg bestehen. Als sich die Appleby-Operation als mögliche Behandlung für Doris Heldmaier abzeichnete, bat die Chefärztin ihren früheren Lehrer um Unterstützung.

Königsrainer sagte zu und reiste aus seiner Heimat Südtirol an. Während des Eingriffs unterstützte er Prof. Thiel gemeinsam mit Oberarzt Dr. Francois-Praseth Serey und Dr. Anne Nording.

Sechs Personen in grüner OP-Kleidung und mit Hauben stehen lächelnd vor den Türen eines Operationssaals.
Das OP-Team nach getaner Arbeit: Fachärztin Dr. Anne Nording, Prof. Dr. Alfred Königsrainer, Chefärztin Prof. Dr. Karolin Thiel, Dr. Francois-Praseth Serey, Geschäftsführender Oberarzt, sowie Gianna Straub und Laura Reiske, Operationstechnische Assistentinnen. (Bild: OSK)

Blutversorgung musste vor der Operation gesichert werden

Die Appleby-Operation stellt hohe Anforderungen an die Auswahl der Patienten und die Vorbereitung des Eingriffs.

„Die Appleby-Operation ist ein komplexer, radikalchirurgischer Eingriff“, erklärt Prof. Thiel. Sie werde nur angewendet, wenn sich die Patienten in einem guten Allgemeinzustand befinden, der Tumor keine Metastasen in anderen Körperregionen gebildet hat und die Blutversorgung von Leber und Magen über Seitengefäße gesichert ist.

Bei Doris Heldmaier waren diese Voraussetzungen erfüllt.

Vor der Operation untersuchten die Radiologen Prof. Martin Heuschmid und Dr. Stephan Heller, Chefarzt beziehungsweise leitender Oberarzt, in einem aufwendigen Verfahren die Durchblutung der Leber. Dabei bestätigte sich, dass eine zweite große Schlagader die Blutversorgung übernehmen konnte.

Da diese alternative Versorgung trotz positiver Voruntersuchungen nicht immer zuverlässig funktioniert, führte das Operationsteam eine zusätzliche Kontrolle durch.

„Um den Blutfluss nochmals zu prüfen, haben wir das Gefäß während der Operation testweise abgeklemmt und an der Leberpforte per Ultraschall den Puls der Umleitung gemessen. Erst als die Blutversorgung gesichert war, haben wir die große Arterie durchtrennt“, erläutert Prof. Thiel.

Blut fließt nach dem Eingriff über andere Gefäße

Durch die veränderte Gefäßversorgung fließt das Blut bei Doris Heldmaier nun gewissermaßen in umgekehrter Richtung.

Während der Operation entfernten die Chirurgen die betroffene Arterie mitsamt ihren Verzweigungen, den erkrankten Teil der Bauchspeicheldrüse, die Milz und die umliegenden Lymphknoten in einem Stück.

Nach Angaben der Chefärztin verlief der Eingriff wie geplant. Die Patientin habe gute Chancen, wieder ein normales Leben zu führen. Eine weitere Chemotherapie nach der Operation sei nicht notwendig.

15 Monate Chemotherapie vor dem Eingriff

Vor der Operation hatte Doris Heldmaier bereits eine lange Behandlungsphase durchlaufen. Um den Tumor zu verkleinern, erhielt sie 15 Monate lang eine Chemotherapie.

„Fünfzehn Monate am Stück, fast ohne Nebenwirkungen“, berichtet die 65-Jährige. Zeitweise sei sie sogar zum Wandern in die Berge gegangen.

Nach dem anfänglichen Schock habe sie mit Unterstützung ihres Mannes und ihrer beiden Kinder neuen Mut gefasst. Sie versuchte, ihren Alltag so weit wie möglich beizubehalten.

Als hilfreich empfand sie außerdem Jin Shin Jyutsu, eine japanische Heilkunst, bei der durch sanftes Auflegen der Hände die Lebensenergie im Körper harmonisiert werden soll. Diese persönliche Erfahrung beschreibt Heldmaier als eine weitere Kraftquelle während ihrer Erkrankung.

Ärzte besprechen Behandlung regelmäßig im Tumorboard

Eine wichtige Rolle spielte auch die Zusammenarbeit verschiedener Mediziner.

Ihr Hausarzt Dr. Hans Bürger aus Vogt, der zugleich Vorstandsmitglied der Kreisärzteschaft ist, überwies sie nach der Diagnose mittels Computertomografie an Prof. Thiel.

„Wenn Ihnen jemand helfen kann, dann sie“, sagte Bürger damals zu seiner Patientin.

Auch Prof. Dr. Tobias Dechow, Hämatologe im Onkologischen Zentrum, begleitete den Fall. Er brachte die Erkrankung regelmäßig in das interdisziplinäre Tumorboard der Oberschwabenklinik ein, wo Ärzte verschiedener Fachrichtungen gemeinsam über Behandlungsmöglichkeiten beraten.

Für Heldmaier war die Appleby-Operation nach eigener Einschätzung die letzte Möglichkeit auf eine erfolgreiche Behandlung.

„Die OP war meine letzte Rettung. Ich wusste, ich hatte nur diese eine Chance. Ohne die Operation wären mir noch sechs Monate geblieben, die Alternative wäre eine palliative Chemotherapie gewesen.“

Nach dem Eingriff hofft sie nun auf viele weitere Lebensjahre. Es gibt Patienten, die auch 20 Jahre nach einer Bauchspeicheldrüsenkrebsoperation noch leben.

Wohnortnahe Behandlung bedeutet Patientin viel

Besonders wichtig war Doris Heldmaier, dass ihre Behandlung in Ravensburg stattfinden konnte. Dadurch blieb sie während der Erkrankung in der Nähe ihrer Familie und Freunde.

„Dass wir in Ravensburg eine derart hochklassige medizinische Versorgung haben, darauf kann unser Landkreis wirklich stolz sein“, sagt sie.

Dass sie nicht für ihre Behandlung nach Heidelberg, Tübingen oder München reisen musste, empfindet sie als wesentlichen Vorteil. Die Nähe zu ihrem persönlichen Umfeld habe aus ihrer Sicht auch zu ihrer Genesung beigetragen.

Während ihrer Aufenthalte im St. Elisabethen-Klinikum begegnete sie zudem ehemaligen Pflegeschülern, die sie aus ihrer Zeit als Lehrerin wiedererkannten und ihr Mut zusprachen.

„Die waren so herzlich, das hat mich riesig gefreut“, erinnert sich Heldmaier. „Und es zeigt auch, dass ich als Lehrerin so viel nicht falsch gemacht haben kann.“

Nach der langen Behandlung und der erfolgreichen Operation blickt die 65-Jährige wieder mit Zuversicht nach vorne. Die Nachricht, tumorfrei zu sein, eröffnet ihr die Möglichkeit, erneut Pläne für ihre Zukunft zu machen.

(Quelle: OSK)

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Erstmals veröffentlicht
27.10.2026, 08:35 Uhr

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