Die Mitglieder des DAV Ravensburg haben die Entscheidung über den Baubeginn des neuen Vereins- und Kletterzentrums noch einmal vertagt. Hintergrund ist, dass die Finanzierung des rund 10,5 Millionen Euro teuren Projekts noch nicht abschließend gesichert ist. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in der Mensa des Spohn-Gymnasiums in Ravensburg beauftragten die Mitglieder am Donnerstag den Vorstand, die Planungen weiterzuführen und die Basis für die Finanzierung sicherzustellen. Die Entscheidung über den geplanten Neubau soll nun in drei Monaten fallen.
Der DAV Ravensburg plant seit Mai 2023 in enger Abstimmung mit der Stadt Ravensburg den Bau eines neuen Vereins- und Kletterzentrums in Ravensburg. Das Ziel ist es, für Ravensburgs mitgliederstärksten Verein eine Heimat zu schaffen, die den Bergsportlern, Kletterern und Triathleten der Sportstadt Ravensburg und der angrenzenden Region angemessene Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft bietet. Geplant ist das neue Zentrum an der Brühlstraße Ecke Escher-Wyss-Weg. „Viele Ehrenamtliche und Hauptamtliche haben in den vergangenen drei Jahre viel Zeit in das Projekt gesteckt und es auf eine einzigartige Weise und in sehr professioneller Arbeit vorangetrieben, es ist jedoch am heutigen Abend noch nicht entscheidungsreif“, sagte Vorstandssprecher Markus Braig. „Wir haben ein hervorragend gelegenes Grundstück, wir haben ein sehr gutes Team in Vorstand und Lenkungsausschuss. Das ist eine einmalige Chance. Wir brauchen aber mehr Zeit, um der Mitgliederversammlung alle Fakten und Informationen geben zu können, die für eine fundierte Entscheidung notwendig sind.“ Vor diesem Hintergrund beschloss die Mitgliederversammlung bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung, den Vorstand und den beratenden Lenkungsausschuss damit zu beauftragen, die Planungen weiterzuführen und die Basis für die Finanzierung sicherzustellen. Im April soll dann eine außerordentliche Mitgliederversammlung endgültig über den Bau des Vereins- und Kletterzentrums entscheiden.
Die Investitionssumme beläuft sich auf ein Gesamtvolumen von rund 10,5 Millionen Euro. Der DAV Ravensburg will diese Summe durch vorhandene Eigenmittel in Höhe von einer Million Euro, durch Zuschüsse, Sponsoring-Einnahmen und Mitgliederbeiträge von jeweils 1,5 Millionen Euro sowie durch Bank-Darlehen in Höhe von fünf Millionen Euro aufbringen. Während die Zuschüsse, die von der Stadt Ravensburg, dem DAV-Hauptverband und dem Württembergischen Landessportbund kommen, alle beantragt und zum Teil schon bewilligt und die Sponsoreneinnahmen fest zugesagt sind, sind bei den Mitgliederbeiträgen erst 30 Prozent der erforderlichen Spenden und Sachzusagen erreicht. Daraus ergibt sich eine Finanzierungslücke von rund einer Million Euro.

Schatzmeister wirbt um Spenden und für das Projekt
„450.000 Euro sind von unseren Mitgliedern und Unterstützern bereits gekommen, was ein sehr gutes Ergebnis ist, aber wir müssen die Finanzierungslücke ganz schließen“, sagte Schatzmeister Marc Walser, der bei den Anwesenden um Spenden warb und bat, das Projekt weiter bekannt zu machen und für das Gelingen zu werben. „Warum soll ich spenden? Es geht nicht nur um die Kletterhalle, es geht um einen neuen Mittelpunkt für unseren Vereins, um die Arbeitsplätze der Mitarbeiter in der Geschäftsstelle. Wir müssen uns klar machen, warum dieses Projekt jede Spende wert ist.“ Der Vorstände des DAV Ravensburg selbst kündigten an, das Projekt mit Spenden in Höhe von 6000 Euro zu unterstützen. Walser stellte am Donnerstag zudem eine detailliierte Berechnung der Wirtschaftlichkeit mit Businessplan und Betriebskonzept für das neue Vereins- und Kletterzentrums vor.
Den aktuellen Stand bei den Bauplanungen präsentierten Vertreter des für den Entwurf verantwortlichen Ravensburger Architekturbüros Wurm Gesamtplanung. Das neue Vereins- und Kletterzentrum des DAV Ravensburg ist als moderner, dreigliedriger Gebäudekomplex geplant. Die rund 17 Meter hohe Kletterhalle und die flacher angelegte Boulderhalle mit insgesamt rund 2000 Quadratmetern Kletterfläche verbindet ein zweistöckiger Trakt mit Flachdach, in dem sich die Geschäftsstelle, das Bistro, die Jugendräume, die Seminar- und Übungsräume sowie die Umkleiden und Duschen befinden. Der Haupteingang ist an der Nordseite zur Escher-Wyss-Straße gelegen. Eine Glasfront und eine Terrasse öffnen das Gebäude zur südlich gelegenen Freifläche. Dort sollen an den Außenwänden der Halle weitere Klettermöglichkeiten entstehen. „Der Bau ein absolutes Herzensprojekt. Wir sind stolz darauf, ein solches Zeichen für Ravensburg setzen zu dürfen“, sagte Architekt Andreas Jäger-Halder.

Vereinszentrum als Bindeglied zwischen Sportzentrum und Schussenpark
Für die Stadt Ravensburg ist das Vereins- und Kletterzentrum ein weiteres Puzzlestück, um das Areal westlich des Bahnhofs zu einem attraktiven Stadtquartier zu entwickeln. Das derzeitige Heim des DAV Ravensburg in Rechenwies zwischen den Sportanlagen des TSB Ravensburg und der Bundesstraße 30 reicht für einen Verein mit rund 10.000 Mitgliedern, die aus Ravensburg und der angrenzenden Region stammen, nicht aus. Die aktiven Abteilungen, neben der Familiengruppe und den Senioren vor allem die zunehmend schneller wachsenden Jugendgruppen des Bergsportvereins sehen sich in ihrer sportlichen Entwicklung aber auch in ihrem gesellschaftlichen Miteinander zunehmend eingeschränkt. Das neue Zentrum soll zudem die Möglichkeit schaffen, in den olympischen Sportarten Klettern und Triathlon Angebote auf Leistungsniveau zu machen und Wettkämpfe auszurichten. Wenn der DAV Ravensburg sein aktuelles Gelände verlässt, hätten die im Sportzentrum ansässigen Vereine Raum für ihre Entwicklung.
Mit dem neuen Vereins- und Kletterzentrum wollen der DAV und die Stadt außerdem die Situation in der Kletterbox entspannen, in der in den vergangenen Jahren die Probleme zugenommen haben, sowohl die Erfordernisse des Schulsports der Ravensburger Schulen als auch die Bedürfnisse des Kletterns als Leistungs- und Breitensport miteinander zu vereinbaren. Aufgrund der Kletterwand-Strukturen in der bestehenden Halle kann der Schulsport nicht optimal gehalten werden. Auf der anderen Seite stehen den Breitensport- und Leistungssportgruppen der Kletterer des DAV keine ausreichenden Übungszeiten zur Verfügung. Stadt und DAV planen, dass der Verein die Stadt weiterhin bei der Verwaltung der Kletterbox unterstützt.
Der DAV Ravensburg wirbt nicht nur bei seinen Mitgliedern, sondern auch bei den Bürgern der Stadt Ravensburg und Bergfreunden aus dem Umland für das Projekt: Interessierte können sich durch Spenden und Darlehen an der Realisierung des Baus beteiligen. Zudem gibt es die Möglichkeit, als Sponsor eine Route in dem neuen Kletterzentrum zu kaufen, um ihr einen Namen zu geben. Zu den Unterstützern des Projekts gehört auch der Ravensburger Oberbürgermeister Daniel Rapp, der mit einer Spende bei der Umsetzung der Pläne hilft. Er dankte dem Verein für das Engagement und wirbt für das Projekt: „Für die Mitglieder und für unsere Stadt und Region! Wer baut, glaubt an die Zukunft!“
(Quelle: DAV Ravensburg)