Die Zentrale Notaufnahme des Westallgäu-Klinikums Wangen versorgt am 22. Juli erstmals 100 Patientinnen und Patienten innerhalb von 24 Stunden. Trotz des Rekordaufkommens liegen die Wartezeiten unter dem Durchschnitt.
Die Zentrale Notaufnahme (ZNA) des Westallgäu-Klinikums in Wangen verzeichnete am Mittwoch, 22. Juli, den bislang arbeitsreichsten Tag ihrer Geschichte. Innerhalb von 24 Stunden wurden erstmals 100 Patientinnen und Patienten behandelt. Nach Angaben der Oberschwabenklinik verlief der Tag dennoch ohne außergewöhnliche Ereignisse wie Großveranstaltungen oder Unwetter.
An einem gewöhnlichen Werktag versorgt das Team der Notaufnahme im Durchschnitt 67 Menschen. Auch am Rekordtag entsprach die Verteilung der Patientinnen und Patienten dem üblichen Bild: Rund vier Fünftel kamen selbstständig in die Notaufnahme, etwa jeder fünfte wurde mit dem Rettungsdienst eingeliefert. Medizinisch zeigte sich ebenfalls kein außergewöhnliches Muster.
Rekord trotz normalem Einsatzgeschehen
„Wir haben wie jeden Tag das gesamte Spektrum der Notfallmedizin behandelt: vom Herzinfarkt über die Lungenentzündung und die Sepsis bis hin zur Vergiftung, vom Schwerverletzten bis zur leichteren Blessur“, sagt Dr. Timo Gentner, Leitender Arzt der Zentralen Notaufnahme, der an diesem Tag selbst Dienst hatte. „Außergewöhnlich war allein, dass wir zum ersten Mal 100 Patientinnen und Patienten hatten.“
Der Rekordtag spiegelt eine Entwicklung wider, die sich seit mehreren Jahren abzeichnet. Die Zahl der Notfallpatientinnen und -patienten am Westallgäu-Klinikum stieg von 14.056 im Jahr 2021 auf 22.248 im Jahr 2025. Das entspricht einem Zuwachs von rund 58 Prozent.
Nach den Schließungen der Krankenhäuser in Bad Waldsee und Lindenberg übernahm das Westallgäu-Klinikum zusätzliche Versorgungsaufgaben. Mit der endgültigen Schließung der Notaufnahme des Krankenhauses Tettnang Ende Mai 2026 setzte sich diese Entwicklung fort. Seit dem 1. Juni behandelt die Zentrale Notaufnahme durchschnittlich 77 Patientinnen und Patienten pro Tag und damit zehn mehr als im Jahresmittel. Hält dieser Trend an, rechnet die Oberschwabenklinik im Jahr 2026 mit rund 25.000 Notfallpatientinnen und -patienten in Wangen.
Kürzere Verweildauer trotz hoher Auslastung
Am 22. Juli trafen zeitweise zahlreiche Rettungswagen gleichzeitig am Westallgäu-Klinikum ein. „Da wurde es phasenweise eng auf dem Hof“, berichtet Dr. Gentner. Dennoch konnten alle Patientinnen und Patienten jederzeit medizinisch versorgt werden.
Nach Angaben der Klinik lag die durchschnittliche Verweildauer in der Notaufnahme an diesem Tag bei einer Stunde und 50 Minuten. Damit unterschritt sie den üblichen Durchschnitt von zwei Stunden und 20 Minuten.
Teamarbeit als entscheidender Faktor
Insgesamt waren an diesem Tag zehn Ärztinnen und Ärzte sowie zehn Pflegekräfte in der Zentralen Notaufnahme im Einsatz.
„100 Patientinnen und Patienten an einem Tag zu versorgen – das gelingt nur mit einem hervorragenden Team“, betont Dr. Gentner. „Wenn alle Hand in Hand arbeiten, wächst jeder an einem solchen Tag noch einmal über sich hinaus. Genau das haben wir erlebt. Besonders wichtig war auch die Unterstützung aus den anderen Abteilungen unseres Hauses.“
Auch Klemens Rist, Pflegerische Leitung der Zentralen Notaufnahme, sieht die gewachsene Teamstruktur als entscheidenden Erfolgsfaktor: „Wir sind ein starkes Team in der Pflege mit sehr wenig Fluktuation. Gerade an einem solchen Tag zahlt sich diese Erfahrung aus.“
Ludwig Reichelt, Leitung Pflege- & Prozessmanagement am Westallgäu-Klinikum, berichtet, der Rekordtag sei anschließend das beherrschende Gesprächsthema gewesen. „Wir sind alle stolz darauf, wie ruhig und professionell unsere Mitarbeitenden diese außergewöhnliche Situation gemeistert haben. Jeder hat mit angepackt. Nicht nur in der Notaufnahme, sondern auch die Kolleginnen und Kollegen in der Radiologie, am Empfang und vielen anderen Bereichen des Krankenhauses haben einen großartigen Job gemacht.“
Notaufnahme wird weiter ausgebaut
Reichelt erklärt zudem, dass sich das Erreichen der Marke von 100 Patientinnen und Patienten bereits seit Monaten abgezeichnet habe. „Wir haben diese Entwicklung kommen sehen. Der Rekordtag hat noch einmal deutlich gezeigt, welche Bedeutung das Westallgäu-Klinikum für die Notfallversorgung in der ganzen Region hat. Das hören wir auch immer wieder von den Rettungsdiensten.“
Für Klemens Rist steht dabei eine Botschaft im Mittelpunkt: „Wir weisen niemanden ab. Wer unsere Hilfe braucht, wird bei uns versorgt.“
Die Oberschwabenklinik reagierte nach eigenen Angaben bereits mit zusätzlichem Personal in den Nachmittagsstunden auf die steigenden Patientenzahlen. Außerdem werden die Räumlichkeiten der Zentralen Notaufnahme umfassend modernisiert. Parallel entwickelt das Team seine Abläufe und Prozesse kontinuierlich weiter.
„Der Rekordtag unterstreicht eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit des Westallgäu-Klinikums“, sagt Prof. Dr. Oliver Rentzsch, Ärztlicher Direktor der Oberschwabenklinik. „Die Zahl der Notfallpatientinnen und -patienten steigt seit Jahren kontinuierlich. Umso wichtiger sind hervorragend qualifizierte Mitarbeitende, moderne Strukturen und eine enge Zusammenarbeit aller Fachbereiche.“
Auch Pflegedirektor Swen Wendt würdigt den Einsatz der Beschäftigten: „Dass unsere Teams in Wangen diese außergewöhnliche Situation mit hoher Professionalität, großem Engagement und einer beeindruckenden gegenseitigen Unterstützung gemeistert haben, macht mich stolz. Pflege, Ärztinnen und Ärzte, Rettungsdienst sowie viele weitere Berufsgruppen haben einmal mehr gezeigt, wie wichtig Teamarbeit für eine leistungsfähige Notfallversorgung ist.“
(Quelle: Oberschwabenklinik Ravensburg)