Ein historischer Salzzug zieht bald wieder durch Weiler-Simmerberg. Das Heimatkundliche Dokumentationszentrum erklärt die Bedeutung des Salzes für die Region.
Einst brachte Salz Wohlstand in die Region rund um Lindau. Alle drei Jahre erinnert ein Fest in Simmerberg an diese Zeit. Zum historischen Salzzug werden Fuhrwerke und zahlreiche Reiter in Weiler-Simmerberg erwartet. Aus diesem Anlass hat das Heimatkundliche Dokumentationszentrum des Landkreises Lindau Informationen zur Geschichte des Salzes und seiner Bedeutung für die Region zusammengestellt.
Unser Koch- und Speisesalz besteht hauptsächlich aus Natriumchlorid (NaCl). Salz gilt als lebenswichtig. Rund sechs Gramm benötigt ein Mensch täglich. Bereits die Ägypter, Babylonier und Sumerer nutzten Salz als Gewürz und Konservierungsmittel. Der römische Schriftgelehrte Cassiodorus schrieb vor mehr als 1500 Jahren: „Der Mensch kann ohne Gold, aber nicht ohne Salz leben.“
Salz aus Tirol und Oberbayern
Das Salz für die Region Lindau stammte aus Hall in Tirol und aus Reichenhall in Oberbayern. Transportiert wurde es in genagelten Fässern mit Reifen oder in Säcken. Für das Hall-Inntalische Salz führten ab Reutte in Tirol zwei wichtige Handelswege Richtung Bodensee: die Obere und die Untere Salzstraße.
Die Transporte übernahmen Bauern entlang der Salzstraßen. Sie waren in sogenannten Rodlisten eingetragen und durften Salz nur dann transportieren, wenn sie laut Reihenfolge an der Reihe waren. Die Simmerberger Salzrodordnung von 1675 regelte die Transporte bis ins Detail. So war es den Fuhrleuten untersagt, die Salzfässer unbeaufsichtigt liegen zu lassen oder sich währenddessen in Häusern oder Stadeln aufzuhalten. Auch der Einsatz zu junger Pferde war verboten.
1750/51 hob Kaiserin Maria Theresia die Rodpflicht auf, da sie als Handelshemmnis galt. Händler konnten ihre Transportmittel und Routen danach frei wählen.
Schwierige Wege und ein Heiligtum der Fuhrleute
Vor Simmerberg mussten die Fuhrleute den gefürchteten Hahnenschenkel überwinden. Die steile Strecke verlangte Mensch und Tier viel ab. Als möglicher Wallfahrtsort der Fuhrleute gilt die Filialkirche St. Stephan in Genhofen. Dort befinden sich zahlreiche Hufeisen als Votivgaben für den Pferdeheiligen Stephanus.
Der frühere Kemptener Stadtarchivar Friedrich Zollhoefer schrieb dazu: „Genhofen, das an der alten Salzstraße von Immenstadt nach Simmerberg lag, dürfte also eine Art Heiligtum der Fuhrleute gewesen sein.“
Bedeutender Handelsplatz am Bodensee
Zwischengelagert wurde das Salz in Salzstadeln oder Salzlagern, die auch Salzrodstätten genannt wurden. Geleitet wurden diese von sogenannten Salzfactoren. Dabei handelte es sich um selbstständige Unternehmer, die das Salz von den Salinen übernahmen und an Händler weiterverkauften.
Der Salzhandel war ein lukratives Geschäft und führte immer wieder zu Konflikten. Die Simmerberger Salzrodordnung berichtet von Streitigkeiten zwischen Fuhrleuten und Rodstätten entlang der Handelswege. Auch Schmuggel und Zollbetrug kamen vor. Bereits 1672 wurden in Bregenz geschmuggelte Salzfässer beschlagnahmt.
Transportiert wurde das Salz hauptsächlich zwischen Ostern und November. Die Strecke von Hall in Tirol bis zum Bodensee war auf der Oberen Salzstraße in rund zehn Tagen zu bewältigen. Dabei mussten vier Alpenpässe überquert werden: der Hochleitensattel bei Nassereith, der Fernpass, der Gaichtpass und das Oberjoch.
Für den Transport von zwei Salzfässern zwischen Simmerberg und Lindau erhielten Fuhrleute im Jahr 1691 einen Gulden und 36 Kreuzer. Davon mussten allerdings zahlreiche Kosten wie Zölle, Verpflegung, Pferdefutter und Übernachtungen bezahlt werden.
Auch Kinderarbeit war damals üblich. So beschwerte sich der bregenzische Salzfactor Weiß am 29. November 1765 darüber, dass Unterlagen in Simmerberg von Kindern ausgefertigt wurden, wodurch Fehler entstanden.
Lindau entwickelte sich über Jahrhunderte zur größten Salzniederlassung am gesamten Bodensee. Nachgewiesen sind dort 15 Salzstadel und Magazine. Im Jahr 1853 wurden jährlich rund 18.000 Fässer Salz umgesetzt, was etwa 4.700 Tonnen entsprach. Die wichtigsten Umschlagplätze lagen am Bahnhof und auf dem Hallplatz. Über den Salzhafen gelangte die wertvolle Fracht auf den Bodensee.
Mit der Verlegung des Kurfürstlich-Bayerischen Salzamts im Jahr 1803 nach Buchhorn, dem heutigen Friedrichshafen, verlor Lindau jedoch seine herausragende Stellung als bedeutendster Salzumschlagplatz am Bodensee.
Schätze der Heimatforschung
Das Heimatkundliche Dokumentationszentrum des Landkreises Lindau in Weiler im Allgäu bewahrt umfangreiche Bestände zur Regionalgeschichte. Dazu gehören mehr als 5000 heimatkundliche und geschichtliche Bücher und Zeitschriften, Kreis- und Ortsgeschichten, Festschriften, Fotos, Ansichtskarten, historische Karten, Zeitungsbände ab 1854 sowie zahlreiche Nachlässe von Heimatforschern.
Interessierte können per E-Mail an [email protected] einen Termin vereinbaren oder den kostenlosen Newsletter abonnieren. Dieser informiert regelmäßig über Neuigkeiten und Neuerwerbungen des Dokumentationszentrums.
(Quelle: Landratsamt Lindau)