Wie Kinder in einer Trauergruppe lernen, mit dem Verlust eines nahestehenden Menschen umzugehen

Den Abschluss der gemeinsamen Zeit in der Trauergruppe feiern die Kinder, die einen nahestehenden Menschen verloren haben, auf dem Alpakahof in Lippertsweiler.
Den Abschluss der gemeinsamen Zeit in der Trauergruppe feiern die Kinder, die einen nahestehenden Menschen verloren haben, auf dem Alpakahof in Lippertsweiler. (Bild: Stiftung Liebenau)

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Zehn Monate lang trafen sich neun Kinder und Jugendliche in einer speziell eingerichteten Trauergruppe. Gemeinsam haben sie gelernt, mit dem Verlust eines geliebten und nahestehenden Menschen umzugehen. Mit einem feierlichen Abschluss verabschieden sie sich nun auch von der Gruppe.

Im Herbst bietet der Kinderhospizdienst AMALIE gemeinsam mit der Sonja-Reichmann-Stiftung im Landkreis Ravensburg und mit dem Verein „Musik hilft Menschen“ im Bodenseekreis eine neue Kindertrauergruppe an.

An einem großen Tisch werden Holzteile gemalt und zu kleinen Alpakas zusammengesteckt. Es herrscht ausgelassene Stimmung nach der Wanderung mit den Tieren am Vormittag. Für die neun Kinder zwischen sieben und elf Jahren, die im vergangenen Jahr die Kindertrauergruppe besucht haben, ist der Abschluss auf dem Alpakahof ein besonderes Treffen. Mit den beiden Trauerbegleiterinnen Petra und Irmgard haben sie ihre gemeinsame Zeit noch einmal Revue passieren lassen.

„Ich bin nicht allein.“

Wenn ein nahestehender Mensch plötzlich stirbt, dann ist das für Kinder besonders schlimm, denn sie erleben den Tod anders als Erwachsene und reagieren ganz unterschiedlich darauf. Manchmal finden sie gar keine Möglichkeit, den Verlust zu verarbeiten. Fast ein Jahr lang haben sich die neun Kinder einmal pro Monat für zwei Stunden getroffen. Ihnen gemeinsam ist der Verlust eines geliebten und nahestehenden Menschen.

Im Kreise anderer Kinder, die sich in der gleichen Situation befinden, konnten sie über ihre Trauer sprechen. „Für die meisten Kinder ist die wichtigste Erfahrung, dass nicht nur ihnen so etwas passiert, dass sie in ihrer Situation nicht allein sind“, erzählen Petra und Irmgard, die ehrenamtlichen Leiterinnen der Ravensburger Kindertrauergruppe. Die Kinder müssen den anderen in der Gruppe ihre Situation nicht erklären, sie alle haben das Gleiche erlebt und dieses Gefühl allein stärkt und auch Freundschaften entstehen.

Mit kreativen Arbeiten bekommen die Kinder die Möglichkeit zu trauern, finden einen Weg, mit ihrer Trauer umzugehen und ihr Ausdruck zu geben. So entstehen Stimmungsbarometer, Knautschbälle zum Stressabbau oder bunte Armbänder, in denen eine schwarze Perle für die Trauer steckt.

Speziell geschulte Mitarbeiter

„Wir werden alle im Laufe des Lebens immer wieder mit dem Tod konfrontiert und die Trauer wird bleiben“, weiß Irmgard aus eigener Erfahrung. „Aber wir können den Kindern Wege an die Hand geben, um mit ihrer Trauer zu leben.“ Für die Arbeit in der Kindertrauergruppe haben sie und ihre Kollegin eine 80-stündige Fortbildung absolviert. „Die Basisqualifikation für Kinder- und Jugendtrauer ist Voraussetzung für die Arbeit in unseren Gruppen“, erzählt sie. Im November beginnt sowohl in Ravensburg als auch in Friedrichshafen eine neue Kindertrauergruppe in der noch Plätze frei sind.

Informationen und Anmeldung zur Kindertrauergruppe

Landkreis Ravensburg

Sabine Müllenberg unter Telefon: 07522/7952920, Mobil: 0151/5232 3308 oder E-Mail: [email protected]

Bodenseekreis

Uta Kühnemuth unter Telefon: 07541/3887588, Mobil: 0172/6965122 oder E-Mail: [email protected]

Kinderhospizdienst AMALIE

Der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst AMALIE wird gemeinsam von der Stiftung Liebenau und den Maltesern getragen. Er ist für Familien da, in denen Krankheit, Sterben, Tod und Trauer Teil des Lebens sind. Ehrenamtliche Hospizpatinnen und -paten begleiten Kinder, Jugendliche und ihre Familien zu Hause, in ihrem gewohnten Umfeld.

(Pressemitteilung: Stiftung Liebenau)