„Ein Leben lang ein Prediger der Hoffnung“ Monsignore Norbert Huber feiert 70-jähriges Priesterjubiläum

Pfarrer Dieter Worrings (von links), Pfarrer Ludwig Reichert und Monsignore Norbert Huber feierten gemeinsam in der Schlosskapelle in Liebenau die Heilige Messe.
Pfarrer Dieter Worrings (von links), Pfarrer Ludwig Reichert und Monsignore Norbert Huber feierten gemeinsam in der Schlosskapelle in Liebenau die Heilige Messe. (Bild: Stiftung Liebenau)

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Monsignore Norbert Huber hat am 19. Juli sein Ehernes Priesterjubiläum in der Schlosskapelle in Liebenau gefeiert. Genau 70 Jahre zuvor, am 19. Juli 1953, war er in Heilbronn zum Priester geweiht worden.

Zur Feier des Jubiläums waren zahlreiche geladene Gäste, Angehörige und Vertreterinnen und Vertreter der Stiftung Liebenau gekommen. Als „Prediger der Hoffnung“ bezeichnete ihn Pfarrer Ludwig Reichert, der zusammen mit dem Jubilar und Pfarrer Dieter Worrings die Heilige Messe feierte.

„Du, lieber Norbert, warst ein Leben lang ein Prediger der Hoffnung. In Wort und Tat“, so Pfarrer Reichert über den heute 97-Jährigen. Die Entwicklung der Stiftung Liebenau sei Ausdruck dafür, dass Leben aus der Hoffnung Gutes bewirke.

Von der „Bewahranstalt“ zum modernen Sozialunternehmen

28 Jahre lang, von 1968 bis 1996, erweiterte und modernisierte Norbert Huber als Direktor und Vorstand die Stiftung Liebenau. Unter seiner Leitung erlebte die Stiftung einen tiefgreifenden Wandel.

„Die Liebenau bestand zum Zeitpunkt meines Eintritts als Direktor im Prinzip aus drei Anstalten: Liebenau, Hegenberg und Rosenharz, und jede hatte eine eigene Küche, eine Landwirtschaft, eine Gärtnerei, eine Wäscherei, eine Kirche und einen Hausgeistlichen“, erinnert sich Norbert Huber im Buch „Zugewandt“, das seinem Leben gewidmet ist. Um die Menschen mit Behinderungen kümmerten sich damals 80 Ordensschwestern aus Reute.

Die Schwestern verließen bis 1975 die Stiftung. Drei Jahre zuvor, 1972, nahm das Institut für Soziale Berufe (IfSB) seinen Unterrichtsbetrieb auf, das von der Stiftung Liebenau zusammen mit anderen Trägern gegründet worden war. „Wir brauchen gut ausgebildete Heilerziehungspfleger und auch Jugend- und Heimerzieher.

Wir brauchen eine Schule, die diese Ausbildungen anbietet“, begründet Norbert Nuber in seiner Biografie diesen Schritt. 1980 folgte mit dem Berufsbildungswerk Adolf Aich in Ravensburg eine Ausbildungseinrichtung für Menschen mit Behinderungen. Auch die Entstehung der St. Lukas-Klinik in Liebenau fällt in seine Zeit. Die Klinik ist speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen ausgerichtet.

Anfang der 1990er Jahre kam ein zweites Standbein zur Stiftung Liebenau dazu: die Altenhilfe. Die Caritas gab ihre Altenheime, die sich im Süden der Diözese Rottenburg-Stuttgart befanden, an die Stiftung Liebenau ab.

Erinnerung an die Verbrechen der Nazi-Zeit

Dem gebürtigen Stuttgarter, der zunächst Arzt werden wollte und dann doch die Berufung zum Priesteramt verspürte, lag jedoch neben Ausbildung, Um- und Neubauten und strukturellen Veränderungen in der Stiftung Liebenau auch noch etwas anderes am Herzen: die Erinnerung und das Sprechen über die von Nazis verübten Verbrechen an tausenden von Menschen mit Behinderungen.

Allein aus Liebenau waren 1940 510 Menschen abtransportiert und umgebracht worden. Norbert Huber ließ im Zuge der Sanierung der Liebenauer Kirche einen Gedenkstein setzen. „Ich bin mit allen Besuchergruppen und bei den ersten Einführungen von neuen Mitarbeitern immer zu diesem Gedenkstein gegangen und habe damit die Erinnerung aufrechterhalten und jenen, die davon nichts wussten, aufzeigen müssen, wie nah der Abgrund manchmal ist“, erzählt er im Buch „Zugewandt“ und betont: „Das Leben eines Menschen hat einen Wert in sich.“

„In unserer Mitte der Mensch – in unserer Mitte Gott“

Den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und ihm auf Augenhöhe zu begegnen, war Norbert Huber auch bei der Entwicklung des Logos der Stiftung Liebenau wichtig. Das machte er in Ansprache zur Feier seines Priesterjubiläums deutlich. Er dankte zahlreichen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern – darunter dem Grafiker, Maler und Bildhauer Roland Peter Litzenburger.

Der 97-Jährige schilderte, wie er gemeinsam mit dem Künstler das Logo der Stiftung Liebenau entwickelte: von der ursprünglichen Grafik, die den Barmherzigen Samariter zeigt, wie er sich über einen am Boden Liegenden beugt, zur abstrakten Form, bei der sich zwei Menschen auf Augenhöhe begegnen. Er erinnerte daran: „Der Mensch, der uns begegnet, in dem begegnet uns Gott. In unserer Mitte der Mensch – in unserer Mitte Gott.“

(Pressemitteilung: Stiftung Liebenau)