Felchen sind stärker durch Stichling bedroht, als gedacht. Eine neue Studie der Fischereiforschungsstelle Langenargen zeigt: Der Stichling vernichtet den Nachwuchs der Felchen in großen Mengen. Schutzmaßnahmen seien daher dringend nötig, sagen Forscher.
Der dreistachlige Stichling ist eine eher kleiner Fisch von bis zu elf Zentimeter Länge. Er wurde in den 1950er Jahren in den Bodensee eingeschleppt und kommt seit circa zehn Jahren in großen Massen im Bodensee vor.
Durch seine Nahrungskonkurrenz zum Felchen wird er hauptverantwortlich für den derzeitigen starken Rückgang der Felchenerträge gemacht. Viele Indizien sprachen außerdem dafür, dass Stichlinge auch die Eier und Larven der Felchen fressen, doch der genaue Umfang war bisher unklar.
Neue Studie bringt Klarheit
Eine neue Studie der Fischereiforschungsstelle Langenargen (FFS), eine Außenstelle des Landwirtschaftlichen Zentrums in Aulendorf, hat dies nun untersucht.
Die Forscher hatten viele Stichlingsmägen analysiert. Sie fanden in den Mägen der kleinen Fische nur relativ selten Felchenlarven oder-eier. Dies sei laut der Forscher aber nicht verwunderlich, da diese Nahrung nur zu bestimmten Zeiten zur Verfügung steht und schnell verdaut wird.
Daher schauten sie sich auch Stickstoff- und Kohlenstoffisotope in den Mägen der Stichlinge an. Die Spuren von Stickstoff und Kohlenstoff im Muskel- und Lebergewebe der Stichlinge belegen, dass diese sich gerade zur Laichzeit der Felchen im Winter und während des Schlüpfens der Felchenlarven im Frühjahr zu hohen Anteilen von Fisch ernähren.
Laut der Forscher konsumieren sie also eine erbliche Menge an Felchenlarven und -eiern und sind damit wie Hechte oder Welse als Raubfische einzuordnen. Dieser Rückschluss deckt sich damit, dass der Felchenbestand zeitgleich mit dem Auftauchen der Stichlinge im Bodensee zurückgeht.
Maßnahmen zur Rettung der Felchen sind dringend notwendig
Die Studie unterstreicht damit die Dringlichkeit der Maßnahmen, die die Anrainerstaaten im Sommer dieses Jahres zur Rettung der Felchen beschlossen haben.
Dr. Jan Baer von der Fischereiforschungsstelle und ein Hauptautor der Studie sagt: „Der Plan, in Zukunft insbesondere größere Felchen zu besetzen und damit Fische, die mit dann 35 bis 40 mm Länge nicht mehr in das Maul des Stichlings passen, ist aus heutiger Sicht nur zu unterstützen und eine der wenigen schnell wirkenden Maßnahmen, die zum Aufbau der Bestände ergriffen werden können.“
Da für dieses Vorstrecken jedoch Felcheneier mit guter Qualität benötigt werden, sei eine Schonung der Laichtiere, insbesondere auch aufgrund der insgesamt geringen Bestandsstärke, und damit die ganzjährige Schonung aus Sicht der Anrainerstaaten unumgänglich.
Stichlingsbestand soll eingedämmt werden
Außerdem werden parallel Versuche gestartet, um den Stichlingsbestand mit fischereilichen Methoden einzudämmen. Dem Stichling, dem Bodensee-Wolf im Schafspelz sozusagen, will man nicht einfach kampflos das Feld überlassen. Baer weiter: „Die Hoffnung besteht, dass der beschlossene Maßnahmenmix zu einem Wiederaufbau des Felchenbestandes führt und anschließend eine Fischerei wieder möglich ist“.
(Quelle: Dr. Jan Baer, Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg)