Maßnahmen in Umsetzung Die Bodenseefischerei weiter unter Druck

Die Bodenseefischerei weiter unter Druck
Im Jahr 2023 haben die 61 Berufsfischer am Bodensee insgesamt 133 Tonnen Fische gefangen. Dies liegt deutlich unter dem Mittelwert der letzten Jahre von 318 Tonnen. (Symbolbild: Liudmila Kiermeier // iStock / Getty Images Plus)

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Die Berufsfischer des Bodensee-Obersees haben 2023 nochmals deutlich weniger Felchen als im Vorjahr gefangen. Seit Anfang 2024 wird das von der Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) im letzten Jahr beschlossene Maßnahmenpaket zur Felchenschonung umgesetzt. In der gestrigen (Donnerstag, 20. Juni) Jahreskonferenz der IBKF wurden erste Erfahrungen damit diskutiert.

Im Jahr 2023 haben die 61 Berufsfischer am Bodensee insgesamt 133 Tonnen Fische gefangen. Dies liegt deutlich unter dem Mittelwert der letzten Jahre von 318 Tonnen. Die anteilsmässig wichtigste Fischart war der Barsch mit 38 Tonnen, gefolgt vom Hecht mit 16 Tonnen. Die Kategorie der Weißfische (z. B. Rotaugen, Karpfen und Schleien) machte mit 46 Tonnen 35 Prozent des Gesamtfangs aus. Der Felchenfang belief sich auf 10 Tonnen und lag damit deutlich unter dem Mittel der letzten fünf Jahre (100 Tonnen). Der Anteil der Felchen am Gesamtfang betrug noch 7.5 Prozent.

Seit 1. Jänner 2024 gilt das Maßnahmenpaket zur Felchenschonung, das die IBKF letztes Jahr beschlossen hat. Berufs- und Angelfischer setzen die fischereilichen Schonbestimmungen für die Felchen vorbildlich um.

Im Dezember 2023 konnte ein Laichfischfang auf Felchen durchgeführt werden. Wie an der IBKF 2023 beschlossen, wurde die Felchenbesatzstrategie geändert. Die Felcheneier wurden erbrütet und größere junge Fische als bisher ausgesetzt. Dadurch sollen die jungen Felchen besser vor Stichlingsfraß geschützt sein. Diese neue Besatzstrategie wird fortgeführt und evaluiert.

In diesem Jahr werden außerdem zwei Pilotprojekte durchgeführt, um die Fang- und Verwertungsmöglichkeiten von Stichlingen im Bodensee zu prüfen. Schweizer Berufsfischer führen seit dem Frühjahr Versuche mit Reusen im Uferbereich durch. Zusätzlich ist im Herbst 2024 seitens Bayern ein weiteres Projekt mit einem Schleppnetz geplant, bei dem Stichlinge im tieferen Wasser gefangen werden sollen.

Die IBKF begrüsst zudem die Vorbereitungen Baden-Württembergs für ein länderübergreifendes Projekt zum Kormoranmanagement. Es zielt auf einen verbesserten Fischartenschutz und eine Verringerung des Fraßdrucks auf Fische durch Kormorane ab. 

Eine zunehmend wichtige Wirtschaftsfischart sind die Rotaugen. Aus diesem Grund hat die IBKF an der diesjährigen Sitzung beschlossen, die Rotaugenfänge vertiefter zu untersuchen. Die Erkenntnisse werden für eine nachhaltige Rotaugenfischerei benötigt.

Schliesslich findet dieses Jahr im Herbst zum dritten Mal nach 2014 und 2019 eine große standardisierte Erhebung der Fischartenzusammensetzung im Bodensee statt. Diese Aktualisierung ist zentral, da sich das Seeökosystem aufgrund der invasiven Arten Quaggamuschel und Stichling sowie des Klimawandels rasch verändert.

Für nähere Informationen: ibkf.org

(Pressemitteilung: Landespressestelle Vorarlberg)