innovative Wärmeversorgung aus dem Bodensee Bürger informieren sich über Seewärme Meersburg

Bürger informieren sich über Seewärme Meersburg
(v.l.): Marius Wöhler und Mark Kreuscher vom Stadtwerk am See informierten in Meersburg über die Seewärme. (Bild: Seewärme Meersburg GmbH)

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In Meersburg soll in den nächsten Jahren eine innovative Wärmeversorgung mit Bodenseewasser gebaut werden. Dazu haben die Stadt Meersburg und das Stadtwerk am See die Seewärme Meersburg GmbH gegründet. Am Mittwoch, 9. Oktober waren die Bürger eingeladen, sich über das Projekt zu informieren. Im vollbesetzten Veranstaltungssaal des vineum bodensee nutzten interessierte Bürger die Chance, sich über dieses erste Seewärme-Projekt am deutschen Bodensee zu informieren. Ab sofort können Interessierte sich auf der Seewärme-Website vormerken lassen.

„Die Seewärme Meersburg ist ein Pilotprojekt in Bezug auf die Energieversorgung von Wohnhäusern. Wir wollen eine innovative und klimafreundliche Wärmeversorgung für die Kernstadt bauen – für Gebäudebesitzer ist das die Chance, ihre Wärmeversorgung zukunftssicher zu machen“, eröffnete Bürgermeister Robert Scherer den Informations- und Diskussionsabend. Auch für die Stadtentwicklung könne man im Zuge des Projektes Nutzen schaffen. Die beiden Geschäftsführer der Seewärme Meersburg GmbH, Heike Sonntag und Mark Kreuscher, begrüßten die Gäste und gaben einen ersten Überblick über die Hintergründe des Projektes.

Marius Wöhler vom Stadtwerk am See stellte Technik und Projektablauf vor und beantwortete dabei bereits die wichtigsten Fragen: Wie funktioniert Seewärme überhaupt? Wo und wann wird die Nahwärme konkret gebaut? Welche Vorteile bietet ein Hausanschluss an die Nahwärme? Der Hintergrund, so Wöhler: Die gesetzlichen Rahmenbedingungen stellen Hausbesitzer vor die Aufgabe, ihre Wärmeversorgung über die nächsten Jahre klimaschonend und damit zukunftssicher umzubauen.

„Die Vorgaben und Kosten für individuelle Heizanlagen sind hoch – doch mit Nahwärme räumen Sie das Thema ein für alle Mal ab. Denn damit übernimmt der Versorger für Sie die Erfüllung aller gesetzlichen Anforderungen“, stellte Wöhler klar. Noch dazu schließt Nahwärme die Reparatur und Wartung der Heizung inklusive einer Bereitschaft rund um die Uhr mit ein, warb Wöhler. „Bevor Sie merken, dass Ihre Heizung kalt ist, ist unser Bereitschaftsdienst bereits vor Ort.“ Für Gebäudebesitzer sei das eine große Chance. „Ich kenne einige Hausbesitzer weiter weg vom See, die gerne hier sitzen würden.“

Das Wärmenetz umfasst im Endausbau die historische Altstadt Meersburg bis zur westlichen Stadtgrenze. Hier wird bis ca. 2030 in fünf Bauabschnitten die Versorgung aufgebaut. Zusätzlich sind so genannte Potenzialgebiete ausgewiesen. „Ob wir dort ausbauen, hängt von der Zahl der Anschlussnehmer ab.“ Denn ein Nahwärmenetz mache nur da wirtschaftlich Sinn, wo ausreichend Gebäude versorgt werden.

Angelegt ist das Projekt auf insgesamt rund zehn Jahre, von den ersten Planungen bis zum (vorläufigen) Endausbau. Die ersten Gebäude sollen bereits 2028 mit Wärme versorgt werden.

Für die nächste Stunde kamen die Bürger zu Wort. Neben den Projektplänen war auch die Preisfindung sowie die Kostenstruktur Thema von interessierten Nachfragen. Die GmbH rechnet mit einem Gesamtvolumen von ca. 20 Millionen Euro, die zum einen Teil von der Seewärme Meersburg GmbH, getragen werden, zudem können bis zu 40% vom Bund gefördert werden und die restliche Summe wird über Kredite finanziert. Ein Finanzierungsanteil des Landes Baden-Württemberg stehe zwar aktuell nicht im Raum, man werde aber weiterhin in Stuttgart für dieses Pilotprojekt im Zuge der ausgerufenen Energiewende vorstellig werden.

Zur Preisgestaltung versprach Wöhler „Wir machen Ihnen ein attraktives Angebot gegenüber einer gesetzes-konformen Vergleichs-Technologie“. Für die Preisfindung gibt es enge gesetzliche Rahmenbedingungen, in Abhängigkeit von Investitionskosten, Förderungen, Betriebskosten und Anschlussquoten. „Sobald uns im Laufe des nächsten Jahres die Angebote für Planungs- und Bauleistungen vorliegen, können wir Ihnen die Kosten und Preise nennen“, stellte Wöhler in Aussicht. Auch die Sorge nach einem Anschlusszwang konnte dem Publikum genommen werden.

Man sei in Meersburg in der attraktiven Lage, dass die Hälfte der Abnahme bereits durch große Gebäude der Stadt und des Landes gesichert ist. Somit habe man bereits eine hohe Anschlussquote. Gerade die einmalige Topografie von Meersburg – das Zusammenspiel der Gebäudestruktur mit dem historischen Bestand – lässt einen schnellen Projektverlauf zu.

Zum Schluss stellte Wöhler die neu überarbeitete Website www.seewaerme-meersburg.de vor. Hier kann man sich nicht nur über das Projekt informieren, sondern auch für einen Newsletter anmelden. „Außerdem können hier interessierte Gebäudebesitzer direkt mit uns Kontakt aufnehmen“, ergänzte Wöhler. Die Gesellschaft werde außerdem im Amtsblatt sowie in den verschiedensten Medien der Stadt Meersburg und des Stadtwerks am See über das Projekt informieren. Weitere Bürgerveranstaltungen sind ebenfalls vorgesehen.

„Das Projekt ist auf einige Jahre angelegt, wir werden Sie also immer wieder ‚mitnehmen‘“, versprach auch Heike Sonntag. „Wir haben die große Chance für eine zukunftssichere Wärmeversorgung. Die möchten wir nutzen, in Ihrem Interesse.“ Zum Abschluss machte Bürgermeister Scherer die hohe Bedeutung, die das Projekt für die Zukunft hat, deutlich: „Wir haben einen Generationenvertrag und diesen werden wir mit Euphorie, Weitsicht und Zuversicht umsetzen.“

Information:

Auf der Website www.seewaerme-meersburg.de gibt es Infos zur Seewärme und die Möglichkeit, sich für einen Newsletter oder als Interessent vorzumerken.

(Pressemitteilung: Seewärme Meersburg GmbH)

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