In den Landkreisen Tuttlingen, Ravensburg, Biberach und im Bodenseekreis könnte Parkinson häufiger beruflich bedingt sein als gedacht. Ärzte sollen Patienten gezielt auf mögliche Ursachen durch Pestizide ansprechen.
Hintergrund ist ein erhöhtes Risiko für Menschen, die über Jahre hinweg mit Pflanzenschutzmitteln gearbeitet haben.
Pestizide als möglicher Auslöser
Die „Jobs im Grünen“ stehen nicht immer nur für frische Luft. „Wer im Landkreis Tuttlingen auf den Feldern oder in Gewächshäusern arbeitet, den kann es treffen: Ein erhöhtes Risiko, Parkinson zu bekommen. Und zwar immer dann, wenn er über Jahre häufig mit Pflanzenschutzmitteln zu tun hatte“, sagt Petra Harich von der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU).
Das Parkinson-Syndrom durch Pestizide ist inzwischen als Berufskrankheit anerkannt. Voraussetzung ist jedoch, dass Betroffene nachweisen können, mindestens 100 Tage mit chemischen Pflanzenschutzmitteln gearbeitet zu haben – etwa mit Fungiziden, Insektiziden oder Herbiziden.
Unterstützung durch Berufsgenossenschaft
„Dann bekommen Beschäftigte, die an Schüttellähmung erkrankt sind, Unterstützung von der gesetzlichen Unfallversicherung: Die Hilfe der Berufsgenossenschaft reicht von guter medizinischer Versorgung bis zu Geldleistungen“, so Petra Harich.
Das betrifft neben der Landwirtschaft auch Beschäftigte im Gartenbau und im Forst.
Risiken auch in anderen Branchen
Gefahren bestehen laut IG BAU jedoch auch in weiteren Bereichen. So können auch Beschäftigte in der Floristik oder auf dem Bau betroffen sein. „Denn auch bei Sanierungsarbeiten wird mit Pestiziden gearbeitet. Vielen ist gar nicht bewusst, wo überall Pestizide zu finden sind. Gerade im Sanitärbereich kommen häufig Baustoffe mit Anti-Schimmelmitteln zum Einsatz. Und die enthalten oft Pestizide“, erklärt Petra Harich von der IG BAU Südbaden.
Appell an Ärzte und Krankenkassen
Die Agrar-Gewerkschaft ruft niedergelassene Ärzte in den betroffenen Landkreisen dazu auf, Parkinson-Patienten gezielt auf mögliche berufliche Ursachen anzusprechen. Auch die gesetzlichen Krankenversicherungen sollten Betroffene aktiv informieren.
„Immerhin haben Patienten, wenn es um eine Berufserkrankung geht, die Chance auf eine intensive Betreuung und gute medizinische Versorgung, für die die Berufsgenossenschaft steht“, so Petra Harich.
Mehr Anerkennung gefordert
Zudem setzt sich die IG BAU dafür ein, dass mehr Betroffene die Anerkennung als Berufskrankheit erhalten. „Es geht vor allem um die, die nicht selbst Pflanzenschutzmittel gespritzt haben, die aber zum Beispiel in Gewächshäusern den Pestiziden ausgesetzt waren“, so Harich.
Menschen, die in gefährdeten Branchen arbeiten, wird geraten, sich bei Fragen an ihre jeweilige Berufsgenossenschaft zu wenden. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) hat dafür eine „Parkinson-Hotline“ eingerichtet: 0561 / 785 – 10350. Weitere Informationen gibt es unter svlfg.de.
(Quelle: Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt)