Nachhaltiges Bauen Hochschule Biberach erhält millionenschwere Professur für Forschung mit Lehm und Stroh

Hochschule Biberach erhält millionenschwere Professur für Forschung mit Lehm und Stroh
Prof. Dr.-Ing. habil. Jörg Schänzlin leitet das Institut für Holzbau an der HBC. (Bild: HBC)
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Innovative Bauweise für mehr Umweltschutz: Carl-Zeiss-Stiftung fördert Forschung an der Hochschule Biberach mit bis zu 1,8 Millionen Euro

Der Bausektor zählt zu den größten Ressourcenverbrauchern weltweit. Vor diesem Hintergrund setzen Industrie und Wissenschaft verstärkt auf nachhaltige Lösungen, um den immensen Bedarf an Rohstoffen und die damit verbundenen Umweltauswirkungen zu reduzieren.

Die Hochschule Biberach (HBC) hat sich dieser Herausforderung angenommen und intensiviert ihre Forschung zur nachhaltigen Nutzung regional verfügbarer Baustoffe. Mit der Einwerbung einer Stiftungsprofessur, die von der Carl-Zeiss-Stiftung mit bis zu 1,8 Millionen Euro über fünf Jahre finanziert wird, geht die HBC nun einen bedeutenden Schritt weiter.

Schwerpunkt auf regionale und nachwachsende Werkstoffe

„Die HBC befasst sich schon seit einigen Jahren mit der Frage, wie verstärkt nachwachsende und regional erzeugte Werkstoffe im Bauwesen eingesetzt werden können“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Matthias Bahr, Rektor der Hochschule Biberach. Erste Erfolge konnte die Hochschule bereits im Bereich des Lehm- und Holzbaus verzeichnen. Mit der neuen Professur sollen nun zentrale, systemkritische Fragestellungen vertieft und praxisorientierte Lösungen erarbeitet werden. „Damit geben wir Antworten auf die drängenden Fragen des Bauwesens und sorgen dafür, dass das Wissen an zukünftige Fachkräfte weitergegeben wird – im Studium wie über gezielte Weiterbildungsprogramme“, betont der Rektor.

Lehm und Stroh als Alternative zu Beton und Mauerwerk

Zu den Materialien, die für ein nachhaltigeres Bauen in Deutschland infrage kommen, zählen vor allem Holz, Lehm und Stroh. „Während Holz bereits eine etablierte Bauweise darstellt, gilt es im Hinblick auf die Verwendung von Lehm und Stroh als tragende Bauteile noch einige Herausforderungen zu bewältigen, die eine breitere Verwendung dieser Werkstoffe abseits von Experimentalbauten ermöglichen“, sagt Prof. Dr.-Ing. habil. Jörg Schänzlin, Leiter des Instituts für Holzbau an der HBC.

Ein zentrales Ziel der neuen Professur ist es, das Trag- und Verformungsverhalten sowie die Standsicherheit von Lehm und Stroh wissenschaftlich zu untersuchen. „Ziel ist es, dass sich Lehm und Stroh mittelfristig als echte Alternativen zu den herkömmlichen Werkstoffen wie Stahlbeton und Mauerwerk etablieren können“, so Schänzlin. Dadurch soll das Bauen wieder in umweltverträgliche Grenzen geführt werden, insbesondere durch die Reduktion von CO2-Emissionen und Abfallmengen.

Mehrwert für die Region und interdisziplinäre Ansätze

„Von unseren Forschungen wird auch die Region stark profitieren“, ist sich Prof. Dr. techn. Heike Frühwirth sicher. „Denn als Nebeneffekt solcher Projekte verbleibt die Wertschöpfung üblicherweise in der Region.“ Frühwirth, Prorektorin für Forschung, Transfer und Kooperationen, hat den Antrag gemeinsam mit Prof. Schänzlin gestellt.

Die Stiftungsprofessur soll interdisziplinär ausgerichtet werden und sowohl architektonische als auch ingenieurwissenschaftliche und projektmanagementbezogene Perspektiven einbeziehen. Zudem sind Anknüpfungspunkte zur Biotechnologie geplant, etwa durch die Integration innovativer Materialien wie Pilzmyzel. „So bauen wir unsere Forschung aus – und schaffen eine hohe Attraktivität der Hochschule für Studierende sowie für Ansprechpartner in der Region, die Interesse an neuen Ideen und Kooperationen haben“, erklärt Frühwirth.

Blick in die Zukunft: Ausschreibung der Professur

Die Professur wird nun offiziell ausgeschrieben. „Wir freuen uns auf Bewerbungen von Experten, die Interesse an einem interdisziplinären Forschungsumfeld haben und in Biberach als Standort für Innovation im Bauwesen arbeiten und gestalten wollen“, betont die Prorektorin. Mit der Besetzung der Professur soll nicht nur die wissenschaftliche Expertise wachsen, sondern auch der Anteil an drittmittelfinanzierten Stellen im Wissenschaftsbereich der Hochschule Biberach weiter steigen.

(Quelle: Hochschule Biberach)