Tradition lockt viele Besucher Viehscheid im Allgäu: Wenn Tausende Kühe von den Alpen ins Tal kehren

Viehscheid im Allgäu: Wenn Tausende Kühe von den Alpen ins Tal kehren
Festlich geschmückt führt die Kranzkuh beim Viehscheid im Allgäu die Herde ins Tal. (Bild: picture alliance / M.i.S. | Bernd Feil)

Es dauert nicht mehr lange, dann wird das Vieh nach dem Alpsommer im Allgäu von den Bergweiden ins Tal getrieben. Eine festlich geschmückte Kuh führt die Herde an und im Tal angekommen wird das Ereignis mit Musik und guter Laune gefeiert. Hier ein Überblick.

Rund 100 Tage dauert der Alpsommer, dann heißt es für die Tiere Abschied nehmen. Der traditionelle Brauch des Almabtriebs oder auch Viehscheid genannt, wird jedes Jahrs aufs Neue mit großem Hallo gefeiert. Die Hirten und Älpler treiben die Tiere mit ihren lautstarken Glocken meist schon früh am Morgen in Richtung Tal, denn der Weg ist oft weit.

Die fesche Kranzkuh läuft voraus

Unter großem Beifall der Zuschauer wird der spektakuläre Zug dann im Tal willkommen geheißen. Die Herde wird meist von einer Kranzkuh angeführt, dem hübschesten und bravsten Tier aus der Herde.

Hier eine Terminübersicht:

Bad Hindelang – 11. September

Der Viehscheid beginnt ab 8.30 Uhr, wenn die ersten Herden am Scheidplatz an der Hornbahn eintreffen. Insgesamt kehren an diesem Tag rund 1.000 Stück Vieh von fünf Galt-Alpen zurück ins Tal. Die Herden treffen im Stundentakt ein, und die Älpler übergeben das Vieh feierlich in die Hände ihrer Besitzer.

Begleitet wird der Viehscheid von einem großen Krämermarkt, Festzelt mit musikalischem Programm, zahlreichen Verkaufsstände und weiteren Attraktionen.

Beim Viehscheid ziehen die Herden durchs Dorf und werden von vielen Schaulustigen empfangen.
Beim Viehscheid ziehen die Herden durchs Dorf und werden von vielen Schaulustigen empfangen. (Bild: picture alliance / M.i.S. | Bernd Feil)

Oberstaufen – 12. September

Der Viehscheid in Oberstaufen gehört zu den ersten und größten im Allgäu. Insgesamt werden rund 1.200 Kühe von den Alpen ins Tal gebracht. Der Ablauf beginnt ab 8:30 Uhr, wenn die Alphirten mit dem Vieh am Scheidplatz eintreffen. Die musikalische Unterhaltung startet ab 9 Uhr. Die Verlosung der Schellen ist für 14:30 Uhr im Festzelt geplant, und ab 19:00 Uhr Live-Musik. Ein Shuttlebus fährt ab 8:00 Uhr vom Bahnhof Oberstaufen zum Scheidplatz. Die letzte Fahrt zum Bahnhof ist um 3:30 Uhr am Samstagmorgen. Der Eintritt ist frei.

Oberstdorf – 13. September

Am neuen Standort des Festzelts am Nordic Zentrum im Ried (hinter dem Funktionsgebäude) werden gegen 9 Uhr rund 1.000 Tiere erwartet und von den zahlreichen Schaulustigen empfangen. Von hier aus hat man einen guten Blick auf den Scheidplatz, wo die Tiere sortiert, aufgerufen und ihren Besitzern zurückgegeben werden. Im Festzelt gibt`s Blasmusik und mehr. Es wird empfohlen, mit dem Bus und/oder der Bahn nach Oberstdorf zu reisen und ab dem Busbahnhof Oberstdorf die Pendelbusse zum Scheidplatz zu nutzen.

Gunzesried – 17. September

Insgesamt 14 Herden von 19 Alpen mit über 1.500 Tieren werden aus dem Gunzesrieder Hochtal ins Dorf getrieben. Musikalisch begleitet wird das Spektakel von der Blaskapelle Bihlerdorf-Ofterschwang.

Neben dem Tierabtrieb gibt es auch ein großes Rahmenprogramm. Ab 11 Uhr beginnt das Fest im Zelt, und ein Krämermarkt sorgt zusätzlich für Abwechslung. Frühaufsteher können die ersten Herden ab etwa 9 Uhr sehen, während die letzten Tiere gegen 12:15 Uhr im Tal erwartet werden.

Thalkirchdorf – 19. September

Ab 9 Uhr kommen ca. 750 Stück Vieh von den Thaler Alpen ins Tal. Im Festzelt wird Unterhaltungsmusik geboten und abends steigt mit Livemusik die Tanzparty.

Immenstadt – 20. September

Hier wird das Vieh vorbei an tausenden Zuschauern durch den Ort zum Scheidplatz getrieben. Erwartet werden rund 920 Schumpen – geschmückt mit Blumen und Schellen. Die Hirten werden mit dem Jungvieh ab 8:30 Uhr am Steigbachtal erwartet. Im Festzelt gibt`s ab 10 Uhr zünftige Musik – mit Tagesprogramm.

Untermaiselstein – 20. September

Erwartet werden gegen 11 Uhr um die 300 Tiere. Die Landjugend bewirtet die Gäste und obendrauf gibt es natürlich Viehscheidmusik.

Wenn im September rund 30.000 Rinder von den Bergweiden der Allgäuer Alpen ins Tal zurückkehren, werden sie von mindestens doppelt so vielen Menschen freudig erwartet, heißt es auf allgaeu-viehscheid.de – hier gibt es weitere Termine.

Was ist der Scheidplatz?

Hier werden die Herden nach dem Alpabtrieb zunächst hingetrieben, dann wieder auseinander sortiert und schließlich an ihre jeweiligen Besitzer zurückgegeben.

Allgäuer Braunvieh ist ein Markenzeichen für das Allgäu. Es ist gesund und schön, hat Charakter und seiner gesellschaftlichen Stellung gemäß auch gewisse Vorrechte. Das Rindvieh hat im Allgäu die ältesten Rechte und die gilt es auch in der Hektik des 20. Jahrhunderts zu respektieren.

(Quelle: allgaeu-viehscheid.de)