Würde man den Menschen Klaus-Peter Neef als interessant bezeichnen, wäre das wohl deutlich zu kurz gesprungen und würde ihm, wenn man ihn kennt, nicht gerecht. Neef ist ein wahrer Tausendsassa im positiven Sinne, mit einer spannenden Vita. Wir stellen ihn mit seinem Weg vom erfolgreichen Werbetexter bis zum Bier-Sommelier in einem Interview vor.
Herr Neef, woher kommen Sie und welcher Arbeit gingen Sie ursprünglich nach?
Ich bin Düsseldorfer. Zunächst war ich als Werbetexter für Firmen tätig. Das war damals eine Arbeit, die aus heutiger Sicht so richtig antiquiert war. Wir arbeiteten noch mit Schreibmaschine und Durchschlagpapier.
Haben Sie sich neben dem Hauptberuf noch weiter engagiert?
Ja, ich heuerte beim „Kommödchen“ in Düsseldorf an und schrieb u.a. Texte für den damals noch weitgehend unbekannten Kabarettisten Harald Schmidt.
Das klingt spannend, haben Sie diesen Weg weiterverfolgt?
Es folgte eine interessante Zeit beim Westdeutschen Rundfunk (WDR). Dort war ich längere Zeit als Gag-Schreiber und Warmupper bei Live-Sendungen für Hape Kerkeling und Jürgen von der Lippe beschäftigt.
Blieben Sie diesem Metier als Schreiber für heutige Show-Größen treu?
Nein, nach einiger Zeit war eine Auszeit notwendig, die ich in Spanien verbrachte.
Kehrten Sie in ihre alte Arbeitswelt zurück?
Meine Rückkehr nach Deutschland führte mich ab dem Jahre 2000 über Augsburg, über Ravensburg, Bad Wurzach nach Münsingen. Ich versuchte als Werbetexter für Firmen der Region Fuß zu fassen. Dabei unterschätzte ich, dass die kleinen Firmen ihre Werbung „selbst machen wollten“. Dafür habe ich privat mein Glück gefunden und lebe heute glücklich in Münsingen mit meiner kleinen Familie.
Wie ging es beruflich weiter?
Zuerst nahm ich mir eine Familienzeit und kümmerte mich um meine Tochter Pauline. Meine Frau war und ist in Vollzeit erfolgreich tätig. Nach einiger Zeit suchte ich mir einen Job, der meinen rhetorischen Begabungen entsprach. Ganz zufällig fiel mir eine Anzeige in die Hände, in der die Zwiefalter Brauerei eine „Führungskraft“ suchte. Die stellte sich später als Glücksfall heraus. Beim Bewerbungsgespräch mit Brauerei-Chef Peter Baader wurde ich eingestellt. Ich übernahm dann die Brauereiführungen. Im „Bierhimmel“ übernahm dort nach einiger Zeit die Braukurse, führte Bierwanderungen und ähnliches durch.
Wie wurden Sie Biersommelier?
Als die Corona-Zeit begann, hatten wir Kurzarbeit in der Brauerei. Unser Chef ermunterte mich, eine Fortbildung zum Biersommelier zu machen.
Es war doch Corona-Zeit, wie war das überhaupt möglich?
Die Ausbildung habe ich deshalb digital bei dem in Brauereikreisen bekannten Axel Kiesbye (Österreich) durchlaufen. Um diese Ausbildung erfolgreich abschließen zu können ist es notwendig, dass die persönliche Sensorik dafür ausreicht. Nur etwa 10 Prozent der Menschen verfügen über diese Grundvoraussetzung. Ich musste mir 24 Biere aus aller Welt besorgen. Auf einem Fragebogen sollte ich die Biere nach ihrer Optik, Geschmack und Geruch beurteilen. Zudem wurde vermittelt, wie Bier richtig eingebraut und eingeschenkt wird, welche Rohstoffe dafür Verwendung finden.
Was war noch gefordert?
Ein Biersommelier muss seinen Gästen erklären können, über welche Geschmacknoten das Bier verfügt, zu welchen Gerichten das Getränk passt. Zur Erklärung: Ein bestimmter Bierstil kann perfekt zu einem Nachtisch korrespondieren.
Gab es eine Abschluss-Prüfung?
Wir bekamen zwei Biere zur Probe und mussten diese nach den geforderten Kriterien in einer Online-Prüfung genau beschreiben.
Sie haben ein neues Projekt gestartet, um was geht es dabei?
Durch Corona haben viele kleineren Privatbrauereien Absatzprobleme. Sie sind aber unbedingt erhaltenswert, sichern sie nicht nur Arbeitsplätze in der Region, sondern sind als Sponsoren und Förderer vieler Vereine unverzichtbar. Zudem wird von diesen Brauereien, im Gegensatz zu den Fernsehbieren, noch handwerklich und mit viel Liebe ein edler Gerstensaft gebraut. Am 27. März haben wird den gemeinnützigen Verein „Bierschutzbund Baden-Württemberg“ gegründet. Mittlerweile haben wir schon 175 Mitglieder, 12 davon sind Brauereien aus dem Ländle. Alle kleineren und auch mittelständischen Brauereien, Vereine, Interessengruppen, Firmen, Privatpersonen und auch Politiker können bei uns Mitglied werden. Gründungsmitglied war beispielsweise der Bundestagsabgeordnete Michaela Donth (CDU).
Vor ein paar Tagen habe ich mich gefreut, dass mich sogar ein kleiner Brauer aus Bopfingen (Brauwerk) gefragt hat, ob er dabei sein darf. Mehr über den Verein gibt es unter https://www.bierschutzbundbw.de.