Mehr Sensibilisierung und Aufklärung Chaos im Kopf: Delir im Klinikalltag

Die Referenten und Organisatoren des Delir-Symposiums (von vorne links): Dr. Simone Brefka (Studienärztin, Agaplesion Bethesda Klinik Ulm), Dr. Dhayana Dallmeier (Leitung der Abteilung Forschung, Agaplesion Bethesda Klinik Ulm), Dr. Margarete Reiter (Pflegedienstleitung, UKU), Dr. Lena Schulte-Kemna (Oberärztin an der Klinik für Innere Medizin I, UKU), Catherina Melle (wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stabsstelle Qualitäts- und Risikomanagement, UKU), (von hinten rechts) Dr. Christoph Leinert (Oberarzt, Agaplesion Bethesda Klinik Ulm), Prof. Dr. Eberhard Barth (Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, UKU), Lisa Fink (pflegewissenschaftliche Mitarbeiterin, RKU) und Dr. Susanne Lutz-Schuhbauer (Oberärztin Neurogeriatrie, RKU).
Die Referenten und Organisatoren des Delir-Symposiums (von vorne links): Dr. Simone Brefka (Studienärztin, Agaplesion Bethesda Klinik Ulm), Dr. Dhayana Dallmeier (Leitung der Abteilung Forschung, Agaplesion Bethesda Klinik Ulm), Dr. Margarete Reiter (Pflegedienstleitung, UKU), Dr. Lena Schulte-Kemna (Oberärztin an der Klinik für Innere Medizin I, UKU), Catherina Melle (wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stabsstelle Qualitäts- und Risikomanagement, UKU), (von hinten rechts) Dr. Christoph Leinert (Oberarzt, Agaplesion Bethesda Klinik Ulm), Prof. Dr. Eberhard Barth (Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, UKU), Lisa Fink (pflegewissenschaftliche Mitarbeiterin, RKU) und Dr. Susanne Lutz-Schuhbauer (Oberärztin Neurogeriatrie, RKU). (Bild: Universitätsklinikum Ulm)

WOCHENBLATT
WOCHENBLATT

Ein Delir ist ein häufig auftretendes, komplexes Krankheitsbild bei stationären Patienten – oftmals wird es jedoch nicht als solches erkannt. Um dem entgegenzuwirken und für die Erkrankung ein stärkeres Bewusstsein bei den Mitarbeitenden zu schaffen, wurde am Universitätsklinikum Ulm (UKU) 2023 eine eigene Projektgruppe ins Leben gerufen. Anlässlich des World Delirium Awareness Days am 13. März veranstaltete diese ein Symposium für alle Interessierten.

Als „Delir” wird im Allgemeinen eine plötzlich auftretende, akute Wesensänderung im Rahmen einer schweren Akuterkrankung bezeichnet. Die Krankheit tritt bei stationären Patienten in der Klinik sowie in Pflegeeinrichtungen sehr häufig auf. „Das Erscheinungsbild eines Delirs ist vielfältig, es reicht von Apathie und Schläfrigkeit bis hin zu Unruhe, Aggressivität und Halluzinationen, erklärt Dr. Lena Schulte-Kemna, Oberärztin an der Klinik für Innere Medizin I am UKU. Zudem bestehen häufig Störungen der Orientierung und des Gedächtnisses. Unterschiedliche Ursachen können dabei ein Delir auslösen, darunter Infektionen, Operationen oder eine intensivmedizinische Behandlung. Besonders häufig sind außerdem ältere Menschen (> 65 Jahre) sowie Personen mit einer Demenz betroffen, prinzipiell kann jeder Mensch in jeder Lebensphase ein Delir entwickeln.

Obwohl das Delir kein seltenes Krankheitsbild ist, werden die Symptome oftmals nicht schnell genug mit der Erkrankung in Verbindung gebracht. Unentdeckt und unbehandelt kann ein Delir u.a. den Krankenhausaufenthalt verlängern, das Demenzrisiko erhöhen und sich generell lebensbedrohlich auswirken. Deshalb ist es wichtig, bereits früh Risikopatienten zu identifizieren und vorbeugende Maßnahmen einzuleiten.

Aus diesem Grund wurde im vergangenen Jahr am Universitätsklinikum Ulm die Projektgruppe Delir gegründet. Diese ist ein Zusammenschluss von ärztlichen und pflegerischen Mitarbeitenden des UKU, der RKU – Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm gGmbH und der Agaplesion Bethesda Klinik Ulm. Organisatorische Unterstützung erhält die Gruppe von Mitarbeitenden des Qualitätsmanagements.

Ziel des Leuchtturmprojekts ist es, bei allen an der Krankenversorgung Mitwirkenden (Pflege, Ärzte, Physiotherapie u.v.a.) die Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Patienten mit einem Delir nachhaltig zu verbessern. „Es ist mir und der gesamten Projektgruppe ein großes Anliegen, bei allen Berufsgruppen ein stärkeres Bewusstsein für das häufig zu wenig beachtete, komplexe Krankheitsbild Delir zu entwickeln und darüber hinaus die möglichen Präventionsmaßnahmen und Behandlungsmöglichkeiten zu etablieren und verlässlich durchzuführen”, verdeutlicht Prof. Dr. Eberhard Barth, Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am UKU, der an der Entstehung des Projekts maßgeblich beteiligt ist.

Die Basis für die Vernetzung der verschiedenen Fachabteilungen innerhalb des UKU – in enger Kooperation mit dem RKU und der Agaplesion Bethesda Klinik Ulm – wurde mit der Gründung der Projektgruppe bereits geschaffen. In weiteren Schritten sollen sukzessiv auch ambulante Leitungserbringer, wie niedergelassene Ärzte, ambulante Pflegedienste sowie Pflegeheime, in das Projekt eingebunden werden. So kann die Versorgung der Patienten an der Schnittstelle zwischen dem stationären und ambulanten Bereich optimiert werden.

„Im Laufe dieses Jahres möchten wir zudem Lehrgänge und Intensivseminare für alle Mitarbeitenden in der Patientenversorgung anbieten und durchführen, um diese für die Betreuung von Delir-Patienten bestmöglich zu qualifizieren. Denn nur durch die enge Zusammenarbeit aller Berufsgruppen und mit Hilfe aktueller Behandlungspfade können wir eine effektive Risikoreduktion sowie die Verbesserung von Behandlungsergebnissen bei unseren Patienten erreichen“, so Dr. Margarete Reiter, Pflegedienstleitung am UKU und ebenfalls an dem Leuchtturmprojekt beteiligt.

Darüber hinaus veranstaltete die Projektgruppe anlässlich des World Delirium Awareness Days am 13. März erstmals in diesem Jahr ein Symposium für das Fach- und Laienpublikum am Universitätsklinikum Ulm, um über das Krankheitsbild aufzuklären. In verschiedenen Vorträgen informierten die Referenten die rund 100 Anwesenden zu Themen wie Delir auf der Intensivstation, Delirprävention durch Angehörige oder Delir in der Geriatrie.

Darüber hinaus erhielten die Teilnehmenden anhand von (bildlichen sowie audio-visuellen) Fallvorstellungen auch einen direkten Eindruck von dem Krankheitsbild, konnten Fragen stellen und sich untereinander sowie mit den Referenten austauschen.

(Pressemitteilung: Universitätsklinikum Ulm)